Studie: Nur die Salami schmeckt auch dem Westen

Viele Länder Osteuropas sind trotz guter Ackerböden auf Lebensmittelimporte angewiesen. Die Qualität der eigenen Produktion ist schwach. Eine Studie sucht Lösungen für die Nahrungsmittelbranche im Osten.

Wien. Die ungarische Salami ist längst tief in der kulinarischen Seele Österreichs verankert. Den in Rumänien beliebten Mamaliga(Maisbrei) sucht man hierzulande indes vergebens und auch bulgarische Schokoladespezialitäten werden bereits mit Bauchweh verschenkt. Viele osteuropäische Lebensmittel kommen im Westen nicht an. Und das ist ein Problem, spielt die Landwirtschaft hier doch eine weit größere Bedeutung als in Westeuropa.

Selbst Ungarn kann sich nicht länger auf den Exportschlager Salami verlassen. Seit fünf Jahren sinkt die Lebensmittelproduktion in der einst stolzen Agrarnation konstant. „Die Nahrungsmittelindustrie in Osteuropa ist kein Glanzstück“, bestätigt Josef Pöschl vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Mangelnder Wettbewerb, zu wenig Forschung und daraus resultierende Qualitätsprobleme machen dem Sektor zu schaffen.


Preis vor Qualität

Wie die Region bis 2020 zu einem international attraktiven Produzenten von gesunden Nahrungsmitteln werden kann, untersucht eine Studie der Unido in Zusammenarbeit mit europäischen Forschungsinstituten. Angesichts der heutigen Standards wäre ein gewaltiger Sprung gefordert, meint Mitautor Pöschl. Brot, Milch und Fleisch seien zwar etwa auf westlichem Niveau, aber je höher die Verarbeitungsstufe, desto fragwürdiger sei die Qualität. Den Kunden in Osteuropa ist es bislang egal. Hier gelte Preis vor Qualität, so ein Ergebnis der Studie.

Erst die internationalen Konzerne hätten Qualitätsschübe gebracht. Doch anders als im Automobilsektor sind die Nahrungsmittelkonzerne in Osteuropa nur in relativ geringem Ausmaß tätig. Zwar haben Multis wie Danone, Nestlé und auch die österreichische Agrana nach der Wende rasch Betriebe aufgekauft, vor allem die Tabak- und Getränkeindustrie ist fest in ausländischer Hand. Auf größere Expansionsschritte wartet man seither aber vergebens. Die verarbeitende Industrie blieb unterentwickelt. So kommt es, dass die meisten Länder trotz fruchtbarer Ackerböden Nettoimporteure von Lebensmitteln sind.


Labors in Geldnot

Bis 2020 soll die Region zu einem führenden Produzenten von gesunden und sicheren Lebensmitteln werden – so formulierten über 400 osteuropäische Experten in der Studie ihre Zukunftsvision. Um das zu erreichen, müssten die Länder „Investitionsanreize erhöhen und das Know-how der Betriebe verbessern“, betont Pöschl.

Die Forschungszentren und Laboratorien in Osteuropa leiden unter chronischem Geld- und Personalmangel. Je schlechter die Kontrollsysteme funktionieren, desto schwächer bleiben Wettbewerb und Qualität. Zudem haben vor allem Kleinbauern, die 95 Prozent aller Betriebe in diesen Ländern führen, nahezu keinen Zugang zu Know-how und Technik. Der Wettbewerbsdruck auf die Großen ist daher gering.

„Wenn die Visionen erreicht werden sollen, sind aber die Kleinbetriebe entscheidend“, sagt Pöschl. Sie müssten sich zu sicheren Lieferanten für die internationalen Handelsketten entwickeln. Dafür brauche es gute Forschungseinrichtungen, die ihre Ergebnisse auch Kleinbetrieben zur Verfügung stellen. Dabei sei es nicht wichtig, „ständig neue Sachen“ zu entdecken, sagt Pöschl. „Schon mit der Übernahme bekannter Technik ist im Osten viel zu erreichen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2009)

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