Schwarzmeerküste: Hotels zu verkaufen

Bulgarien:Schuldenberge zwingen Hotelbesitzer zum Notverkauf. Die Preise dürften den Boden erreicht haben

Schwarzmeerkueste Hotels verkaufen
Schwarzmeerkueste Hotels verkaufen

Iwan Tanow sitzt im Geschäftszimmer seines Dreisternehotels im bulgarischen Badeort Primorsko. Er zeigt auf zwei Papierstapel auf seinem Schreibtisch. „Das sind die Mahnungen von der Bank und die Rechnungen, die ich nicht bezahlen kann", sagt er. „Wir hatten zwei starke Wochen im August, als auch die großen Hotels voll ausgebucht waren. Der Rest der Saison war mehr als enttäuschend", klagt der Hotelbesitzer. „Jetzt warte ich auf ein Wunder. Denn sonst muss ich das Hotel verkaufen."

Viele Touristen, wenig Geschäft

Vor gerade einmal vier Jahren hat Iwan Tanow das kleine Familienhotel in Primorsko aufgebaut. Kurz vor dem EU-Beitritt Bulgariens 2007 schien alles möglich, erinnert er sich. Die Schwarzmeerküste, speziell die Hotellerie dort, galt als Geheimtipp für Anleger. Die Perspektive des EU-Beitritts ließ die Wachstumsprognosen in den Himmel schießen.
Das Geschäft lief zunächst gut. Iwan Tanow investierte, wie viele andere auch, jeden Cent in den Ausbau der Anlagen. Dass ihn der neue Swimmingpool und die Wellnessanlage heute in den Ruin treiben würden, damit hatte niemand gerechnet.
Mit fünf Millionen ausländischen Urlaubern war 2010 zwar ein Rekordjahr für die bulgarische Schwarzmeerküste. Doch mehr Touristen bedeuteten nicht gleich mehr Einnahmen, klagen vor allem kleinere Hotelbesitzer wie Iwan Tanow.
Von dem Boom profitierten nur die großen Hotelburgen, die ihren Gästen eine Übernachtung mit Frühstück schon für günstige 15 Euro pro Nacht anboten. Die kleineren Hotels dagegen blieben auf der Strecke.

Guter Zeitpunkt für Einstieg?

Nikola Stojanow gehört zu den Gewinnern dieser Entwicklung. Der Geschäftsführer der Immobilienagentur „Bulgarian Properties" sitzt am anderen Ende Bulgariens, in der 400 Kilometer von der Schwarzmeerküste entfernten Hauptstadt Sofia, auf einem gepolsterten Ledersessel.
„Wenn Sie in die Hotellerie am Schwarzen Meer einsteigen wollen, dann ist jetzt der richtige Augenblick", rät er selbstbewusst. Die Preise hätten die Talsohle erreicht. Die Krise habe viele Hotelbesitzer zugrunde gerichtet, sagt er. Sie hätten keine andere Wahl, als günstig zu verkaufen.
Die besten Verkaufschancen haben die Hotels in den bekannten Kurorten Slantschew Brjag (Sonnenstrand) und Sosopol an der Südküste, berichtet Nikola Stojanow. Familienhotels in guter Lage beispielsweise seien hier schon für 150.000 Euro zu haben, sagt er. Und diese seien in gutem Zustand: „Hotels, die in den letzten fünf Jahren gebaut wurden, entsprechen durchaus internationalen Standards. Häufig sind sie sogar besser als westeuropäische Hotels in derselben Kategorie", versichert der Fachmann.


Stehen die Zeichen für mutige Anleger also wirklich auf Gewinn? Ja, meint Anna Rizova-Clegg von der Kanzlei DLA Piper in Bulgarien. Die Kanzlei befragte 417 europäische Hotelmanager nach den Investitionsmöglichkeiten in Europa. 22 Prozent nannten Osteuropa, darunter auch Bulgarien, als den Markt mit den besten Investitionschancen für die nächsten drei Jahre.

Eigenmittel notwendig

Das Immobiliengeschäft in Bulgarien hat allerdings einen Haken, erklärt Anna Rizova-Clegg. Die hohen Kreditzinsen bulgarischer Banken, die nicht selten zwölf Prozent erreichen, sorgen für ein investitionsfeindliches Klima. Ausländische Banken wiederum ließen sich nur selten auf die Finanzierung von bulgarischen Immobilien ein, erläutert die Expertin. „Cash is King" laute folglich das Erfolgsrezept auch für die kommenden Jahre: „Angesichts der schlechten Finanzierungsmöglichkeiten haben nur solche Investoren gute Gewinnchancen, die über ausreichend eigene Mittel verfügen."
Für Hotelbesitzer Iwan Tanow wäre es eine Katastrophe, wenn sich die Lage nicht besserte. „Ich habe alles Geld investiert, das ich habe. Ich kann meine Kredite nicht mehr bedienen", klagt er. „Wenn ich nicht einmal einen Käufer für mein Haus finde, bin ich am Ende."

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