Energie: „Wir fürchten uns vor diesem Kraftwerk“

Die Papierindustrie macht gegen ein geplantes Biomassekraftwerk in Klagenfurt mobil. Das Millionenprojekt gefährde die Versorgung der Branche mit Holz. Schuld an der Misere seien überzogene Förderungen für Biomasse.

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Biomassekraftwerk
Biomassekraftwerk – (c) ORF (-)

Wien/Auer. Seit knapp einem Jahrzehnt tüfteln die Kärntner daran, wie sie Klagenfurt ab 2015 mit Wärme versorgen sollen. Das alte Ölheizkraftwerk ist dann stillgelegt, das geplante Gasdampfkraftwerk ist bereits verhindert. Stattdessen soll nun die „RZ Holzindustrie“ um 45 Mio. Euro ein gigantisches Biomassekraftwerk bauen. Doch seit dem politischen Umsturz in Kärnten gewinnt das Projekt täglich neue Gegner.

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) kann sich ebenso wenig dafür erwärmen wie die Gewerkschaften und die Wirtschaftskammer. Selbst Forstwirte warnen vor dem Millionenprojekt. Am Dienstag wagte sich auch die sonst zurückhaltende Papier- und Zellstoffindustrie aus der Deckung. „Wir fürchten uns vor diesem Kraftwerk in Klagenfurt“, erklärte Sappi-Europa-Chef Berry Wiersum. Wenn dort tatsächlich 300.000 Festmeter Holz im Jahr verbrannt werden, gehe der Branche das Holz aus.

Kern des Übels seien die „unsinnigen Förderungen für Biomassekraftwerke“. Seit 2002 wurden sie im Rahmen des Ökostromgesetzes mit 178 Mio. Euro an Subventionen bedacht. Die Resultate: Biomasse liefert 0,7 Prozent des österreichischen Energiebedarfs, die Kraftwerke sind – trotz Förderungen – überwiegend unrentabel und erhöhen laut Papierindustrie den Holzpreis drastisch. Seit 2003 würde die Branche für den Festmeter Holz um 58 Prozent mehr zahlen.

Wirtschaftsministerium blockt ab

Damit werde einer gesamten Industrie die Existenzgrundlage entzogen, warnt Mondi-Chef Peter  Oswald. Holz sei zu wertvoll, um es nur zu verbrennen. Die Papier- und Zellstoffindustrie erzeuge nicht nur Strom und Wärme, sondern auch hochwertige Produkte aus dem Holz. Der Nutzungsgrad liegt etwa beim Doppelten. Anders als Biomassekraftwerke erhalte die Industrie – dank der Intervention des Bauernbundes – kaum Ökostromförderungen. „Ich würde 36 Millionen bekommen“, sagt Oswald. „Und ich würde mich dafür genieren.“ Auch E-Control-Chef Walter Boltz macht sich für eine Umdenken stark. „Es wäre besser, wenn Klagenfurt die Abwärme eines Industriewerks nutzen würde.“ Solche Projekte seien fixfertig in der Schublade. „Aber ich fürchte, Wirtschaftlichkeit wird in Kärnten nicht die größte Rolle spielen.“

Von Wirtschaftsminister Mitterlehner fordert die Industrie die sofortige Senkung der Ökostromtarife für Biomasse und ein baldiges Ende der Förderung. Dort will man davon auf Anfrage wenig wissen. Die Holzimportquote sei so hoch wie 1995. Ein Drittel der Biomasseförderung gehe an die Industrie. Vorerst sei keine Novelle geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2013)

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