Standort Österreich: Gut, aber teuer

Österreich überzeugt laut World Economic Forum bei der Qualität von Infrastruktur oder lokalen Lieferanten. Dafür sind die Steuern hoch und die Regeln unflexibel.

Standort Österreich: Gut, aber teuer
Standort Österreich: Gut, aber teuer
Standort Österreich: Gut, aber teuer – (c) APA/MARKUS LEODOLTER (MARKUS LEODOLTER)

Wien/Jaz. Es ist kein schlechtes Ergebnis: Von 148 untersuchten Ländern erreichte Österreich beim diesjährigen Standort-Ranking des World Economic Forum (WEF) den 16. Rang. Es ist dies das gleiche Ergebnis wie bei der letzten Untersuchung vor einem Jahr. Und Österreich liegt damit auch vor anderen westlichen Industrieländern wie Belgien (17.), Australien (21.) oder dem Nachbarland Tschechien (46.). Von „abgesandelt“ – um die Aussage des Wirtschaftskammer-Präsidenten noch einmal zu bemühen – kann also noch nicht wirklich gesprochen werden. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite lautet jedoch: Österreich stagniert, während sich andere weiterentwickeln. So konnte vor allem der wichtigste Handelspartner des Landes, Deutschland, in der diesjährigen Wertung erneut zulegen und belegt inzwischen bereits Rang vier. Noch vor wenigen Jahren war Österreichs nördlicher Nachbar gerade einmal innerhalb der Top Ten. Und genau diese relative Verschlechterung gegenüber Ländern, mit denen die heimische Wirtschaft eng verzahnt ist, kann zu einem Problem für Österreich werden, wie etwa eine Studie von Fraunhofer Austria zeigt (siehe Artikel unten).

Standort Österreich
Standort Österreich
Standort Österreich – (C) DiePresse

Schweiz bleibt Nummer eins

Zudem zeigt das Ranking auch, dass es für Länder mit vergleichbaren Voraussetzungen durchaus die Chance auf einen Spitzenplatz gibt. Angeführt wird die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Staaten nämlich erneut von einem anderen Nachbarn Österreichs: der Schweiz. Und auch die „üblichen Verdächtigen“ aus Skandinavien (Schweden, Norwegen und Finnland) liegen deutlich vor Österreich.

Die Eidgenossen überzeugten das WEF dabei erneut mit ihrer starken Wettbewerbsfähigkeit in allen Feldern, heißt es in dem Report. So habe das Land nicht nur eine schlanke Verwaltung und einen funktionierenden Arbeitsmarkt, sondern auch innovative Unternehmen und ein stabiles makroökonomisches Umfeld.

Anders die Situation in Österreich. Auch hier gibt es Licht. So wird der heimischen Infrastruktur ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Bei der Energieversorgung sind wir sogar an vierter Stelle. Und wer lokale Lieferanten sucht, findet hierzulande die drittbeste Qualität weltweit, bescheinigen die befragten Führungskräfte (die Umfrage dient neben einer umfassenden Statistikauswertung als Grundlage für die Rangliste).

Doch gibt es hierzulande auch viel Schatten – vor allem in Form von hohen Steuern und überbordender Bürokratie. So wird Österreich bei der Belastung durch staatliche Vorschriften lediglich der 88. Rang zugebilligt. Diese Einschätzung wird auch mit Zahlen untermauert. Das Gründen eines Unternehmens dauert in Österreich 25 Tage. In Neuseeland ist es einer, in Belgien sind es vier und selbst in Deutschland „nur“ 15.

 

Hohe Steuern als Hemmnis

Noch drastischer ist das Bild jedoch bei der steuerlichen Belastung. Beim Kriterium „insgesamte Steuerrate“ liegt Österreich lediglich auf Platz 122. Zum Vergleich: Auch westliche Länder mit einem funktionierenden Sozialsystem und geteerten Straßen wie – erneut– die Schweiz (37.) oder Dänemark (28.) sind hier deutlich voraus.

Dass diese hohen Steuern direkten Einfluss auf Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt haben, zeigt ein anderes Kriterium. So liegt Österreich beim Kriterium „Hemmnis, eine Arbeit überhaupt aufzunehmen“ lediglich auf Rang 112. Auch hier deutlich hinter vielen anderen EU-Ländern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2013)

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