OMV greift nach ungarischer MOL

Schlechte Stimmung. Die OMV stockt ihren Anteil an der MOL auf 18,6 Prozent auf. Sehr zum Ärger der Ungarn.

Die OMV will effektiv mit den größeren Öl- und Gaskonzernen konkurrieren können.
Die OMV will effektiv mit den größeren Öl- und Gaskonzernen konkurrieren können.
Reuters (Bogdan Cristel)

WIEN (kor/schell). Einschlägige Gerüchte hatte es schon seit Wochen gegeben. Gestern, Montag, wurde es offiziell: Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat seine Anteile am ungarischen Mitbewerber MOL um 8,6 Prozent auf 18,6 Prozent aufgestockt. Rund eine Mrd. Euro nahmen die Österreicher dafür in die Hand und haben damit Spekulationen über ein Zusammengehen beider Konzerne ausgelöst.

Einen „signifikanten Anteil“ des zugekauften MOL-Aktienpakets hat die OMV von der Wiener Investmentbank VCP erworben. Die VCP wiederum hatte MOL-Anteile vom russischen Oligarchen Medget Rahimkulov erworben und war so in Besitz von 6,2 Prozent am ungarischen Mineralölkonzern gekommen.

Geteilte Ansichten

Die Ansichten über diesen Coup sind freilich geteilt: Während OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer den Zukauf als wichtigen Schritt auf dem langen Weg in Richtung „Bildung eines mitteleuropäischen Öl- und Gaskonzerns“ betrachtet, ist man in Ungarn über den Vorstoß der Österreicher einigermaßen verschnupft. MOL-Chef Zsolt Hernadi lehnte am Montag jede Stellungnahme ab. Wie der „Presse“ bestätigt wurde, hat die MOL-Führung aus den Nachrichtenagenturen entnommen, dass die Österreicher ihre Anteile aufstockten. Nicht gerade eine Vorgangsweise, die in Investmentkreisen als „freundlich“ bezeichnet wird.
Ruttenstorfer betont gegenüber der „Presse“ allerdings, dass der Zukauf weiterer MOL-Anteil „äußerst  freundlich“ gemeint sei und eine Einladung an die Ungarn für weitere Gespräche darstelle. In Mitteleuropa stehe die Branche vor einer großen Konsolidierungswelle – dazu sei eben ein Schulterschluss notwendig.

Hernadi hat seine Meinung über ein mögliches Zusammengehen mit der OMV bereits vor einigen Wochen in einem Zeitungsinterview sehr eindeutig artikuliert: Eine Fusion von OMV mit MOL „würde mehr Werte vernichten als aufbauen“, sagte er damals. Schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen sei abzusehen, dass beide Unternehmen sich von Firmenteilen trennen müssten, um die Marktmacht in akzeptablen Grenzen zu halten.

MOL: Rüsten gegen Übernahme

Mächtig sind die beiden Konzerne allemal: Die OMV ist Österreichs größtes börsenotiertes Industrieunternehmen mit einem Jahresumsatz von 19 Mrd. Euro und 41.000 Mitarbeitern, wovon knapp 36.000 in Rumänien arbeiten. Seit der Übernahme der rumänischen Petrom ist die OMV zudem Platzhirsch in Mittel- und Osteuropa. Die MOL, die in den vergangenen Jahren völlig privatisiert wurde, bringt es auf einen Jahresumsatz von 11,9 Mrd. Euro und 13.900 Mitarbeiter. Gemeinsam würden beide (fusionierte) Unternehmen einen Börsenwert von 26,8 Mrd. Euro erreichen.

Trotzdem sind die Ungarn so ganz und gar nicht angetan von dieser Zukunftsperspektive. Erst am vergangenen Freitag hat die MOL einen Rückkauf eigener Aktien im Ausmaß von zehn Prozent beschlossen – offenbar um die aus Österreich „drohende Gefahr“ abzuwenden. Damit meinte man wohl, eine feindliche Übernahme zumindest unattraktiv zu machen. Denn außerdem gibt es bei der MOL bis zum Jahr 2009 eine Stimmrechtsbeschränkung – auch ein Großaktionär kann bloß über maximal zehn Prozent der Stimmrechte verfügen. Ein Eingriff in die Unternehmensstrategie ist also nicht möglich.

OMV-Chef Ruttenstorfer ficht das nicht sonderlich an. Er verweist auf die stärkere Position der OMV in der MOL. Auch ohne die entsprechenden Stimmrechte könne ein Aktionär mit 18,6 Prozent nicht so einfach ignoriert werden, so das Kalkül der OMV. Dafür sind eine Milliarde Euro freilich eine ganze Menge Geld. Ruttenstorfer rechtfertigt die Investition auch damit, dass die OMV am geschäftlichen Erfolg der MOL entsprechend ihrer Beteiligung mitnasche.

Keine Zukäufe geplant

Ob die OMV weiter MOL-Aktien zukaufen wolle, ist laut Ruttenstorfer völlig offen. Das hängt nicht zuletzt von den Gesprächen mit dem MOL-Management ab. Das zentrale Ziel dürfte die Schaffung eines  starken zentraleuropäischen Öl- und Gasriesen unter Führung der OMV sein. Nach dem jüngsten Zukauf sind die Österreicher bereits größter Einzelaktionär der MOL. Höher sind derzeit nur die Anteile des gesamten MOL-Managements, das im Kollektiv 22,6 Prozent hält. Ein nennenswertes Aktienpaket hält die ungarische Bankengruppe OTP. Mit deren 9,1  Prozent käme die OMV bereits über die 25-Prozent-Marke. Gespräche über weitere Zukäufe gäbe es derzeit aber keine, beteuert Ruttenstorfer.

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