Bawag verlor auch mit Spekulanten Michael Berger

Die Bawag verlor nicht nur mit Wolfgang Flöttl Geld. Auch Investments in die Hedgefonds von Michael Berger brachten Verluste.

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Investments mit Auslandsösterreichern haben der Bawag kein Glück gebracht. Nicht nur mit dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl fuhr die vormalige Gewerkschaftsbank große Verluste ein. Auch an Hedgefonds des Salzburgers Michael Berger, der in New York sein Glück als Investor versucht hatte und später vom FBI gesucht wurde, war die Bawag Ende der 90er-Jahre beteiligt. Geflossen ist das Geld an Berger über Cromer Finance Ltd., damals eine Tochter der Bawag. Laut Bawag gehe es um insgesamt drei Millionen Dollar (2,2 Mio. Euro), berichtet der „Standard“.

Berger (35) wurde wegen Anlegerbetrugs schuldig gesprochen, er soll Performance-Werte verfälscht haben. Im Namen von Cromer wurde eine Sammelklage eingebracht. Berger wurde schuldig gesprochen, flüchtete und wurde am 9. Juli, kurz vor Beginn des Bawag-Prozesses, mit FBI-Hilfe in Seewalchen in Salzburg verhaftet.

Der Salzburger sammelte mit seinem 1996 in New York gegründeten Hedgefonds "Manhattan Capital Fund" 575 Mio. Dollar von Investoren und Banken ein und spekulierte damit während der Dotcom-Blase gegen Internet- und Technologiewerte. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 war das Geld verloren, Berger stand vor Gericht. Dabei auch heimische Banken - BA-CA, Erste Bank und die RLB NÖ-Wien - Verluste.

Die Bawag veranlagte ebenfalls bei Berger Geld und hoffte auf große Gewinne. Zur Erinnerung: 1998 hat die Bawag durch ihre Geschäfte mit Investmentbanker Wolfgang Flöttl Verluste in der Höhe von 639 Mio. Dollar (467 Mio. Euro) eingefahren. Dieser Verlust und der Versuch, den Schaden wieder gut zu machen, sind derzeit Gegenstand des Bawag-Prozesses.

In mehreren Runden soll die Bawag Geld an Berger überwiesen haben - allerdings nicht direkt, sondern über das Finanzierungsvehikel Cromer Finance Inc. Die damalige 100-Prozent-Tochter der Bawag mit Sitz in Tortola auf den British Virgin Irlands veranlagte vor allem in so genannte "Alternative Investments", zu denen auch Hedgefonds wie jener von Berger gehörten. In fünf Tranchen (1. Juli 1998, 1. Juni 1999, 1. Juli 1999, 1. September 1999 und 1. Oktober 1999) überwies Cromer Finance Inc. Geld an Berger, in Summe seien rund drei Mio. Dollar bei Berger investiert gewesen.

Die Bawag brachte namens Cromer Finance eine Sammelklage gegen Berger ein. Denn als Berger im Jahr 2000 mit seinem Fonds in die Pleite schlitterte, waren 400 der 575 Mio. Dollar versenkt, die US-Börsenaufsicht erstattete eine Anklage wegen Anlagebetrugs. Forderungen beim US-Gericht meldete damals auch die BA-CA an, sie soll mit rund 20 Mio. Dollar bei Berger investiert gewesen sein. Einen Teil ihrer Verluste haben die Banken aus dem restlichen Fondsvermögen damals rückerstattet bekommen.

Im Jahr 2000 wurde Berger schuldig gesprochen, Investoren über die Performance seines Manhattan Investment Fund getäuscht zu haben. Er soll Performancewerte geschönt und verfälschte Werte an Wirtschaftsprüfer weitergeleitet haben. Erst beim Platzen der Internetblase zwei Jahre später flog der Betrug auf.

Vor Gericht gab Berger zu, seine Anleger betrogen zu haben und wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. 2001 dementierte er allerdings seine Aussage und plädierte auf nicht schuldig. Begründung seiner Anwälte: Er leide unter mentalen Störungen und sei bei seiner Einvernahme nicht zurechnungsfähig gewesen. Bei der Urteilsverkündung im März 2002 erschien der gebürtige Salzburger nicht mehr und wurde seitdem gesucht, unter anderem vom FBI, auf dessen "Most Wanted"-Liste Berger einst stand.

Berger wurde damals zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren sowie einer Geldstrafe von bis zu 1,25 Mio. Dollar verurteilt. Das neue Verfahren gegen Berger soll in Wien stattfinden. Das FBI hat auf eine Auslieferung des Investors verzichtet, zudem verbietet heimisches Recht eine Auslieferung von Österreichern. Unklar war zunächst, welche Staatsbürgerschaft Berger hat. Das FBI hatte zunächst geltend gemacht, Berger sei britischer Staatsbürger, doch dürfte das auf einer Karibikinsel des Königreichs erworbene Dokument nicht anerkannt werden. Es soll es sich um eine "ökonomische Staatsbürgerschaft" handeln, die Geschäftsleuten gegen Bares zugestanden wird.

Die Untersuchungshaft dauert vorerst bis 20. August. Da bei Berger Fluchtgefahr besteht, werde seine U-Haft verlängert werden, heißt es von Staatsanwaltschaft Wien. (APA)

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