Arbeitslosigkeit bleibt noch lange hoch

Im Juni waren fast 355.000 Menschen in Österreich arbeitslos. Die Wirtschaftsforscher senkten ihre Prognose. Das bedeutet auch eine Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt.

(c) REUTERS (SUSANA VERA)

Wien. Es ist erst wenige Tage her, dass die großen heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen wieder einmal nach unten korrigierten: Weder heuer noch nächstes Jahr wird die Volkswirtschaft große Sprünge machen. Das lässt sich auch am Arbeitsmarkt ablesen. Im Juni ist die Arbeitslosigkeit erneut um 12,8 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres gestiegen. Damit waren Ende Juni 354.639 Menschen (inklusive 73.000 Schulungsteilnehmer) arbeitslos gemeldet.

Der Anstieg wird auch noch eine Zeit lang weitergehen. Heuer wird die Arbeitslosigkeit auf jeden Fall höher sein als im Vorjahr, nächstes Jahr wird es laut Beate Sprenger, Sprecherin des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), „einzelne Monate geben, in denen die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Aber im Jahresdurchschnitt wird sie immer noch höher sein als heuer“, sagt Sprenger.

Das AMS hat seine Prognose bereits an die schlechteren Aussichten angepasst. Heuer dürfte die Arbeitslosenquote auf 8,4 Prozent steigen, nächstes Jahr auf 8,8 Prozent. Und auch diese Voraussage gilt freilich nur, wenn sich die Konjunktur nicht weiter verschlechtert. Dass dies nicht geschieht, ist alles andere als sicher. Im Juni lag die Arbeitslosenquote bei 7,4 Prozent, im Vorjahresdurchschnitt ebenso.

Viel mehr Langzeitarbeitslose

Besonders stark war die Zunahme der Arbeitslosen im Juni bei Ausländern (plus 29 Prozent), Älteren (plus 23,4 Prozent) und Behinderten (plus 26,3 Prozent). Das liegt auch daran, dass Randgruppen in konjunkturell schlechteren Zeiten immer stärker betroffen sind als der Durchschnitt. Der Anstieg bei den Älteren liegt mitunter daran, dass der Zugang zur Frühpension erschwert wurde: Das Antrittsalter bei der Hacklerregelung, die eine abschlagsfreie Pension nach 45 Beitragsjahren erlaubt, wurde auf 62 Jahre angehoben, der Zugang zur Invaliditätspension verschärft. Daher gelten nun mehr Menschen als arbeitssuchend.

Gleichzeitig erhöhte sich auch die Beschäftigung der über 50-Jährigen um vier Prozent. Die allgemeine Beschäftigung stieg im Juni um 0,5 Prozent, das heißt, es gab mit 3,54 Millionen um 19.000 Stellen mehr als im Juni des Vorjahres. Ein großer Teil des Jobzuwachses entfällt jedoch schon seit geraumer Zeit auf Teilzeitjobs.

Besonders drastisch nahm auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu (länger als zwölf Monate ohne Job): Um 78,7 Prozent auf 11.605. Auch dafür ist die Verschärfung der Invaliditätspension mitverantwortlich. Viele, die früher wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen in Frühpension gingen, müssen jetzt an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen und stehen dem Arbeitsmarkt zumindest theoretisch zur Verfügung.

„Aber der Hauptgrund für die starke Zunahme ist natürlich die schlechte Konjunktur“, sagt AMS-Sprecherin Sprenger. Menschen, die schon länger arbeitslos sind, finden in schlechteren Zeiten noch schwerer einen neuen Job. Ein kleiner Lichtblick: Im Vergleich zum Mai ging die Zahl der Arbeitslosen um 15.500 Personen zurück.

 

EU-Quote bei zwölf Prozent

Für hiesige Verhältnisse kämpft Österreich mit einer Rekordarbeitslosigkeit. Im EU-Vergleich ist die Lage hierzulande aber noch ziemlich entspannt. In der Eurozone lag die Arbeitslosigkeit im Mai (das ist der aktuellste verfügbare Wert) bei 11,6 Prozent. In den 18 Euroländern waren rund 18,5 Millionen Menschen ohne Job. Österreich hat von allen EU-Ländern mit 4,7 Prozent die niedrigste Arbeitslosigkeit. Der Unterschied zur nationalen Quote liegt in der Berechnung: Für die EU-Statistikbehörde Eurostat zählt jeder als beschäftigt, der zumindest eine Stunde in der Woche bezahlt arbeitet, auch geringfügig. Daher ist der Wert signifikant niedriger. (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2014)

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