Raiffeisen zahlt Krisenhilfen zurück

Zur Bewältigung der Finanzkrise holte sich Raiffeisen 2,5 Milliarden Euro. Die Staatshilfe von 1,75 Mrd. Euro zahlte die Bank schon im Juni zurück, nun wird das private PS-Kapital getilgt.

RAIFFEISEN BANK INTERNATIONAL AG - ´ERGEBNIS 1. HALBJAHR 2014´: SEVELDA
RAIFFEISEN BANK INTERNATIONAL AG - ´ERGEBNIS 1. HALBJAHR 2014´: SEVELDA
RAIFFEISEN BANK INTERNATIONAL AG - ´ERGEBNIS 1. HALBJAHR 2014: SEVELDA – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wien. Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat die Finanz- und Wirtschaftskrise endgültig hinter sich gelassen. Die Bank teilte am Montag mit, dass sie nun auch das bei privaten Investoren platzierte Partizipationskapital in der Höhe von 750 Millionen Euro zurückzahlt. Das ist ein Erfolg für RBI-Chef Karl Sevelda.

Als die Finanzkrise im Jahr 2009 ihren Höhepunkt erreichte, holte sich Raiffeisen in Summe 2,5Milliarden Euro. Davon kamen 1,75 Milliarden Euro vom Staat, die restlichen 750 Millionen Euro stammten von privaten Anlegern. Die Rückzahlung der Staatshilfe erfolgte bereits im Juni 2014. Nun erhalten auch die anderen Investoren ihr Geld zurück.

Für die Unterstützung musste Raiffeisen eine Dividende von acht Prozent pro Jahr zahlen. Das war zuletzt angesichts der Niedrigzinsphase eine Belastung. In Summe überwies Raiffeisen dem Staat eine Dividende von 700 Millionen Euro, die privaten Investoren erhielten 300 Millionen Euro.

Eigentlich wollten die „Giebelkreuzer“ die Schulden schon viel früher tilgen. Doch die Finanzmarktaufsicht (FMA) legte sich wegen der Krise in der Ukraine und in Russland lange Zeit quer. Raiffeisen ist in der Krisenregion besonders stark engagiert. Trotzdem steigerte das Institut im ersten Halbjahr 2014 den Nettogewinn um 24,4 Prozent auf 344 Millionen Euro. Mit diesen guten Ergebniszahlen konnte Sevelda die Aufsicht überzeugen.

 

Erste tilgte bereits im Vorjahr

Raiffeisen ist die letzte österreichische Großbank, die ihre Krisenhilfen zurückzahlt. Die Erste Bank löste sich bereits im Vorjahr von den Fesseln des Staates. Im Frühjahr 2014 folgte die Bawag.

Obwohl Raiffeisen, Erste Bank und Bawag dem Finanzministerium hohe Dividenden überwiesen haben, ist die Bankenhilfe für den Steuerzahler unter dem Strich ein Verlustgeschäft. Dabei hatte der damalige Finanzminister Josef Pröll (ÖVP, arbeitet jetzt für Raiffeisen) einst erklärt, die Bankenhilfe sei ein beinhartes Geschäft, das sich für den Steuerzahler rentieren soll. Doch bei drei Instituten (Hypo Alpe Adria, KA Finanz und Volksbanken-Institut ÖVAG) sind die Unterstützungsgelder wohl für immer verloren.

Laut Berechnungen der Grünen soll die Bankenhilfe der Republik Österreich bislang einen Verlust von über sechs Milliarden Euro gebracht haben. Das ist aber längst nicht alles. Die Hypo Alpe Adria dürfte für den Abbau der faulen Kredite weitere Hilfen in Milliardenhöhe benötigen.

Problematisch ist auch die Lage beim Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG. Hier wird ein Kapitalbedarf von 600 bis 800 Millionen Euro kolportiert. Für Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) wohl keine Überraschung – er war zwei Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender der ÖVAG.

 

Sparkurs auch in Österreich

Zurück zu Raiffeisen: Nach der Rückzahlung der Krisenhilfe möchte Sevelda nun ein Effizienzprogramm umsetzen. Bis 2016 sollen bei der RBI rund 600 Millionen Euro eingespart werden. Wie viele Jobs davon betroffen sind, steht noch nicht fest.

Gespart wird nicht nur in Osteuropa, sondern auch in Österreich. Zuletzt kündigte der Obmann der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, Erwin Hameseder, eine Reorganisation der Raiffeisen-Bankengruppe an. Dabei soll es keine Tabus geben.

Zuletzt gab es Gerüchte, dass die Raiffeisen-Landesbanken in den Bundesländern eingespart werden sollen. Doch dies wurde von den verantwortlichen Raiffeisen-Managern dementiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2014)

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