ÖBB: Halbmayr neuer Finanzchef

Der ÖBB-Aufsichtsrat hat heute, Dienstag, erwartungsgemäß Josef Halbmayr zum neuen Finanzchef bestellt. Er gilt als ÖVP-nahe, Bahnchef Klugar als SPÖ-nahe.

Halbmayr
Halbmayr
(c) APA (Artinger Guenter)

Der ÖBB-Aufsichtsrat hat Dienstagnachmittag erwartungsgemäß Josef Halbmayr zum neuen Finanzchef der ÖBB-Holding bestellt. Beobachter sehen darin einen Vorgriff auf eine Neuauflage der Großen Koalition, gilt doch Halbmayr als ÖVP-nahe, während Bahnchef Peter Klugar der roten Reichshälfte zugeordnet wird.

Im Rennen waren zuletzt noch Clemens Schneider, Finanzchef des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und Gernot Schieszler, Festnetz-Finanzchef der Telekom Austria. Ursprünglich sollte die Entscheidung über den neuen Finanzchef schon Ende September erfolgen. Unter der ÖVP/FPÖ/BZÖ-Regierung wurden die Spitzenfunktionen mit ÖVP-nahen Managern besetzt, die nach zahlreichen Vorwürfen von Verkehrsminister Werner Faymann (S) mittels Golden Handshake abgelöst wurden.

Spekulationsgeschäfte

Der Posten war vakant geworden, nachdem der bisherige oberste Finanzier Erich Söllinger nach zweifelhaften Spekulationsgeschäften mit Ende Oktober den Hut nehmen muss. Halbmayr muss nun entscheiden, wie es mit dem 620 Mio. Euro teuren Swap mit der Deutschen Bank weitergeht. Derzeit läuft eine Klage gegen das Bankinstitut, da sich die ÖBB über die Risiken nicht ausreichend aufgeklärt fühlen. Bisher sollen gut 200 Mio. Euro wertberichtigt worden sein. Im schlechtesten Fall ist das ganze Geld weg. Der Aufsichtsrat ist jedenfalls heute zur Erkenntnis gelangt, dass "kein Handlungsbedarf" bestehe. Man hoffe auf eine Beruhigung der Finanzkrise, nachdem weltweit Bankenpakete geschnürt wurden, hieß es vom Kontrollgremium.

Mag. Josef Halbmayr, 1955 geboren und Absolvent des Master of Business Administration an der University of Toronto (Kanada), hatte ursprünglich als Sanitärtechniker gearbeitet. Von 1997 bis 1999 war er Leiter des Postauto und bis 2004 Mitglied des Vorstandes bei der Post AG. 2005 wechselte er in den Vorstand der Wiener Privatbank Immobilieninvest AG und von dort in die staatliche ÖBB.

Weiters hat der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding Dr. Georg-Michael Vavrovsky und Mag. Gilbert Trattner als Vorstände der ÖBB-Infrastruktur Bau AG wiederbestellt. Dr. Georg-Michael Vavrovsky wurde zum Vorstand für das Ressort Projektmanagement, das er bereits seit 2005 leitet, bestellt. Mag. Gilbert Trattner wurde neuerlich zum Vorstand für das Ressort Finanzen und Services bestellt. Er führt dieses Ressort bereits seit 2005. Der Vorstand der ÖBB-Infrastruktur Bau AG setzt sich damit zusammen aus Mag. (FH) Andreas Matthä (Ressort Anlagen), Mag. Gilbert Trattner (Ressort Finanzen und Services) und Dr. Georg-Michael Vavrovsky (Ressort Projektmanagement).

Friedrich Macher, Vorstandsdirektor der Rail Cargo Austria wurde mit 1. November auch zum Geschäftsführer der Speditionsholding GmbH bestellt. Außerdem wurde das Mandat von Ing. Franz Seiser als Geschäftsführer der ÖBB-Technische Services GmbH per 1. Jänner 2009 um eine weitere Periode verlängert, teilte die Bahn in einer Aussendung mit.

Strukturänderungen

Weiters hat der Aufsichtsrat heute Strukturänderungen bei der unter Schwarz-Blau eingeführten und heftig kritisierten ÖBB-Reform vorgenommen. Demnach soll die Konzernführung als "strategische Management-Holding" agieren und die operativen Gesellschaften gestärkt werden. Zur Erbringung von konzernweiten administrativen Services wurde eine shared service Gesellschaft ins Leben gerufen. "Zur Erreichung dieser Ziele wird unter anderem die ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft auf die oben genannten Bereiche aufgeteilt", so Aufsichtsratschef Host Pöchhacker.

Außerdem habe man sich darauf geeinigt, die bestehende Schnittstelle zwischen der ÖBB-Infrastruktur Bau AG und der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG zu bereinigen. Dazu ist allerdings eine Änderung des Bundesbahngesetzes notwendig.

(APA)

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