Lebensversicherung: Abschied von garantierten Zinsen

Die Uniqa-Versicherung will ihren Kunden in Zukunft keine Zinsen mehr versprechen. Andere Anbieter sind mit derlei Vorstößen (noch) zurückhaltend.

The logo of Austrian insurer Uniqa is pictured at its headquarters in Vienna
The logo of Austrian insurer Uniqa is pictured at its headquarters in Vienna
Uniqa – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Wien. Die Allianz-Versicherung in Deutschland hat diese Lanze bereits im Vorjahr gebrochen. Nun zieht auch die heimische Uniqa-Versicherung nach. Sie wird sich als erste Assekuranz in Österreich von garantierten Zinsen bei der Lebensversicherung verabschieden und ihren Kunden nur noch das auszahlen, was sie auf dem Markt verdienen kann.

Derzeit setzt sich die Rendite klassischer Lebensversicherungen noch aus zwei Teilen zusammen. Aus einem sogenannten Garantiezinssatz, dessen maximale Höhe von der Finanzmarktaufsicht vorgegeben wird. Der Wert liegt derzeit bei 1,75Prozent und wird ab Jänner 2015 auf 1,5Prozent abgesenkt. Und aus der sogenannten Gewinnbeteiligung, die das macht, was ihr Name sagt: Sie beteiligt die Kunden am Anlageerfolg der Versicherung. Künftig soll es bei der Uniqa, sofern ein Überschuss erzielt wird, nur noch Letztere geben.

Ein Grund dafür sind unter anderem strengere Eigenkapitalvorschriften, die auch die Versicherungsbranche betreffen. Denn für das neue Produkt müssen weniger Eigenmittel unterlegt werden.

In der Vergangenheit haben Verbraucherschützer immer wieder kritisiert, dass Lebensversicherungen von vielen Seiten gepusht wurden, man auf deren Nachteile aber kaum hingewiesen habe. Konsumentenschützer Walter Hager zählt etwa Kostenbelastung, Intransparenz und geringere Flexibilität zu den größten Problemen der Lebensversicherung. Denn die Assekuranzen veranlagen nicht etwa jene 100 Euro, die ihre Kunden monatlich einzahlen. Sondern nur einen Teil davon, weil Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Risikokosten etc. abgezogen werden. Das drückt auf die Rendite.

 

Kosten knabbern an Prämien

„In dieser Form, in der die Produkte bisher angeboten wurden, spricht nichts für sie“, sagt Hager. Bis man als Kunde das zurückverdiente, was zuvor einbezahlt wurde, vergehe nämlich eine lange Zeitspanne, weil der Großteil der Kostenbelastung schon bei Abschluss angefallen ist. Der Vertrag also genau genommen mit einem Minus auf dem Konto startete. Selbst Klaus Pekarek, Chef der Raiffeisen-Versicherung, sagt: „Bei einem Zinssatz von 1,5Prozent wird man etwa 24 Jahre benötigen, um das einbezahlte Kapital wieder garantiert herauszubekommen.“ Die Raiffeisen-Versicherung ist Uniqa-Tochter.

Nun sollen die Gebühren, die bei solchen Produkten anfallen, auf die gesamte Laufzeit verteilt werden. Kündigt jemand seinen Vertrag vorzeitig (im Branchenschnitt beträgt die Laufzeit sieben Jahre), scheint er bessergestellt als früher, da die Kosten anders aufgeteilt werden. Sie werden nicht mehr von der Prämie abgezogen, sondern vom Ertrag. Zudem wird der einbezahlte Betrag garantiert. Hager sieht hier vor allem auch ein Signal an den Vertrieb, „nicht mehr sinnlos Produkte zu verkaufen“.

Fraglich bleibt jedoch, ob eine Lebensversicherung als optimale Altersvorsorge überhaupt geeignet erscheint. Denn in der Regel kombinieren diese Produkte nicht nur einen Sparanteil, sondern schützen auch die Begünstigten des Vertragsinhabers. „Unser Standpunkt ist, dass man diese Dinge nicht unbedingt mischen muss“, sagt Reinhold Baudisch vom Vergleichsportal durchblicker.at. Abgesehen davon kann man reine Ablebensversicherungen, die in der Regel für einen Kredit benötigt werden, relativ günstig zukaufen.

Kunden mit alten Lebensversicherungsverträgen sind freilich noch etwas bessergestellt als jene, die sich erst in den vergangenen Jahren für eine solches Produkt entschieden haben. Denn ihnen wurde noch ein entsprechend hoher Rechnungszins garantiert.

Die anderen Versicherungen üben sich mit derlei Vorstößen übrigens noch in Zurückhaltung. Bei der Wiener Städtischen heißt es etwa, dass man ein solches Produkt derzeit nicht plane, die Entwicklungen aber genau beobachte. Auch bei Allianz Österreich oder Generali stellt man die klassische Lebensversicherung nicht infrage. (nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2014)

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