Bei der Hypo läuft alles schief

Die Ost-Töchter der Hypo Alpe Adria werden mit Multimillionen-„Mitgift“ verschenkt. Die Abwicklung hat schon 8,6 Milliarden gekostet, 18 Milliarden Risiko lagert noch in der Bad Bank.

ARCHIVBILD/THEMENBILD: HYPO ALPE-ADRIA-BANK
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APA/BARBARA GINDL

Bei der Abwicklung der Kärntner Katastrophenbank Hypo Alpe Adria gibt es wieder eine Hiobsbotschaft für den Steuerzahler. Der von der EU noch für heuer verlangte Verkauf des Osteuropanetzwerks der früheren Kärntner Landesbank gerät gerade zum Milliardendesaster. Nach Informationen der Austria Presse Agentur (APA) wird die Osteuropabank, die an den US-Fonds Advent geht, unterm Strich mit einem „negativen Kaufpreis“ von 500 Millionen Euro „verkauft“.

Soll heißen: Der US-Fonds bekommt die Osteuropabank mit hohen Marktanteilen in den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien praktisch geschenkt – und der Verkäufer legt ihm (wie schon bei der AUA) noch eine halbe Milliarde drauf. Dabei hat die Hypo schon im Vorfeld der Transaktion faule Kredite im Ausmaß von 3,5 Milliarden Euro aus dem Osteuropanetzwerk herausgelöst und in die Bad Bank der Hypo (Heta Resolution) transferiert. Im Klartext: dem Steuerzahler umgehängt.

Die Amerikaner bekommen also eine herausgeputzte Bank plus Mitgift nachgeworfen. Zur Erinnerung: Noch im Vorjahr ist der Buchwert mit mehr als einer Milliarde Euro angegeben worden und man hat gehofft, die Bank zum Buchwert verkaufen zu können. Vor zwei Wochen ist ein Kaufpreis von 200 Millionen Euro kolportiert worden, der Buchwert soll nur noch bei 89 Millionen Euro liegen.

"Es wird schlimmer als bei der AUA"

Zwar wird Advent (der Fonds hat auch die Osteuropabank EBRD an Bord) formal in zwei Schritten die 200 Millionen Euro Kaufpreis hinblättern (wobei die erste Rate über 50 Millionen Euro noch heuer fließen soll). Die Käufer haben sich aber vertraglich umfangreich gegen Rechtsrisken im Ausmaß von gut einer Milliarde Euro abgesichert. Der größere Teil dieser Risken dürfte auch tatsächlich schlagend werden. Die APA zitiert Insider, die gemeint haben, dass aus diesem Titel Belastungen von bis zu 800 Mio. Euro für den Verkäufer entstehen könnten. „Es wird schlimmer als bei der AUA“, hieß es gestern.

Der nächste „Verkauf“ steht im kommenden Jahr an: Da soll die Italien-Tochter der Hypo abgegeben werden. Interessenten gibt es bereits, und auch dieser Verkauf wird für die Republik kein Geschäft. Denn auch die Italien-Tochter, die in einen Skandal um Leasing-Betrügereien verwickelt war, muss vor dem Verkauf herausgeputzt werden. Das geschieht, indem alle faulen Leasingverträge in die Bad Bank Heta Asset Resolution transferiert werden. Macht weitere 1,5 Milliarden Euro, deren überwiegender Teil wohl beim Steuerzahler hängen bleiben wird.



Damit wird der Gesamtschaden, den die Kärntner Katastrophenbank für den österreichischen Steuerzahlern verursacht hat, wohl deutlich im zweistelligen Milliardenbereich zu liegen kommen: Die „bis zu vier Milliarden Euro“, die der damalige Hypo-Chef Alexander Picker zu Beginn dieses Jahres als Abwicklungskosten für die Bank genannt hat, wird der Staat allein heuer in die (Anfang November in die Heta Asset Resolution übergeführte) Bank stecken. 2,9 Milliarden davon sind noch offen, die werden im Budget noch vor Jahresende defizitwirksam. Rund 4,5 Milliarden Euro sind schon bisher an Kapitalzuschüssen in die Bank geflossen. Der Schaden liegt also schon jetzt deutlich über der Acht-Milliarden-Euro-Grenze.

Dazu kommen noch mindestens 18 Milliarden Euro an faulen Krediten, die in die Bad Bank übergeführt wurden und deren Verwertung wohl nur einen Bruchteil des Nominalwerts erbringen wird. Die vorjährige „Presse“-Schätzung eines Gesamtschadens im Ausmaß von zehn bis zwölf Milliarden Euro dürfte also recht deutlich zu tief gegriffen sein.

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