Tiefer Frost setzt den Weinreben zu

Millionenschäden in Ost- und Südösterreich durch Schnee und Minustemperaturen.

GERMANY-GRAPES
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Themenbild: Wein – (c) EPA (Stephanie Pilick)

Wien/Graz/Klagenfurt. Seit Anfang der Woche schlafen viele Winzer in Ostösterreich und der Südsteiermark sehr schlecht. Denn der für diese Jahreszeit völlig ungewöhnliche Nachtfrost (bis minus sechs Grad) bedroht die Weinkulturen. „Es ist vieles kaputt, vor allem die tiefen Lagen“, sagt etwa Thomas Schwarz aus Purbach (Kloster am Spitz). Für eine endgültige Bilanz müsse man noch warten, denn „heute Nacht steht wieder Bodenfrost bevor“, sagte Schwarz gestern, Donnerstag, zur „Presse“.

 

Heuballen werden angezündet

Viele Winzer versuchen derzeit mit für den Laien eher ungewöhnlichen Methoden dem Frost beizukommen. „So um drei, vier Uhr in der Früh zünden wir in den Weingärten verteilte Heuballen an“, berichtet Katharina Lackner-Tinnacher. Das Ziel dieser Aktion sei aber nicht, Wärme zu erzeugen, sondern Nebel. „Die Gefahr ist nämlich, dass die Morgensonne die gefrorenen Trauben zu schnell erwärmt, dann platzen die Zellen, und der Frostschaden ist da.“

Auch sie konnte am Donnerstag noch keine genaue Schadensbilanz ziehen. Die Lagen seien völlig unterschiedlich betroffen, man müsse noch abwarten, bis die Weingärten abtauen, meinte die Winzerin aus dem südsteirischen Gamlitz. Von dem Frostproblem sind übrigens nicht nur steirische und burgenländische Winzer betroffen, sondern auch Weinbauern in der Wachau und Wien.

In der Steiermark dürften laut Schätzungen der Landwirtschaftskammer tausend Hektar Weingärten durch den Frost und den vielen Schnee geschädigt sein. Das entspricht knapp einem Viertel der gesamten steirischen Weinbaufläche.

Aber auch zahlreiche andere Kulturen haben in den letzten Tagen unter Frost und Schnee gelitten. Laut Hagelversicherung seien vor allem Wein-, Obst- und Ackerkulturen wie Kürbis, aber auch Spezialkulturen wie Christbäume und Spargel betroffen. Durch den Klimawandel beginne die Vegetationsperiode immer früher, und daher seien junge Triebe und Pflanzen besonders anfällig. Der Schaden werde weit im dreistelligen Millionenbereich liegen. Allein in der Steiermark werden der Frost- und Schneeschaden in der Landwirtschaft auf 125 Millionen Euro geschätzt, so die steirische Landwirtschaftskammer.

 

Ein Toter in Kärnten

Erhebliche Schäden verursachten die Schneefälle der vergangenen Tage auch in der Kärntner Landwirtschaft. Die dortige Kammer befürchtet erhebliche Einbußen beim Mais; beim Raps wird sogar ein Totalausfall befürchtet. Landwirtschaftskammer-Präsident Johann Mößler erklärte, dass viele Kulturen aufgrund des zeitigen Frühjahrs etwas früher angebaut worden seien als üblich und daher anfällig seien.

Das Winterwetter hat am Donnerstag in Kärnten sogar ein Todesopfer gefordert. Im Bezirk Wolfsberg geriet ein Lkw-Anhänger auf schneeglatter Straße ins Schleudern und prallte gegen das Auto eines 49-jährigen Wolfsbergers, der getötet wurde.

Die Schneelast ließ in Kärnten auch zahlreiche Bäume umstürzen, die wiederum Stromleitungen kappten. Donnerstagnachmittag waren noch immer knapp 6000 Haushalte in Kärnten ohne Strom. In Südösterreich gab es laut Meteorologen derartige Neuschneemengen bis in die tiefen Lagen in der zweiten Aprilhälfte zuletzt vor 30 Jahren. In den kommenden Tagen wird das Wetter übrigens wieder deutlich milder. (g.b.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2016)

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