Madoff-Opfer greifen auch Erste Bank an

Im August wollen Anleger in der Causa „Madoff“ eine Klage gegen die Erste Bank einbringen. Dem Institut wird vorgeworfen, gegen das Investmentfondsgesetz verstoßen zu haben. Die Erste Bank weist dies zurück.

File photo of Bernard Madoff exiting the Manhattan federal court house in New York
File photo of Bernard Madoff exiting the Manhattan federal court house in New York
(c) REUTERS (Brendan Mcdermid)

Wien. Der Betrugsfall um Bernard Lawrence „Bernie“ Madoff beschäftigt auch in Österreich die Gerichte. Bislang gab es in der Causa schwere Vorwürfe gegen die Bank Austria und die inzwischen geschlossene Bank Medici. Nun gehen Anlegeranwälte auch gegen die Erste Bank vor. „Wir arbeiten mit Nachdruck an einer Klage gegen die Erste Bank“, sagt Franz Kallinger, Chef des Prozessfinanzierers AdvonFin zur „Presse“.

Die Klage soll voraussichtlich noch im August eingebracht werden. Die Erste Bank war in Österreich Repräsentant des Investmentfonds „Alpha Prime“, dessen Kundengelder an Madoff weitergeleitet wurden. Zeitweise hatte der Fonds ein Volumen von 200 Millionen US-Dollar. Wie viel davon auf österreichische Anleger entfallen, ist nicht bekannt. „Bei uns haben sich einige Investoren gemeldet“, so Kallinger.

Der Vorwurf lautet, dass die Angaben im Fondsprospekt unvollständig waren. Denn der Name Madoff kam dort nie vor. Im österreichischen Investmentfondsgesetz heißt es: „Der Prospekt und dessen Änderungen sind vom Repräsentanten als Prospektkontrollor auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu kontrollieren.“

 

„Wir haben korrekt gehandelt“

AdvoFin will mit der Klage klären, ob die Erste Bank dieser Verpflichtung nachgekommen ist. Die Erste Bank weist Vorwürfe, nicht korrekt gehandelt zu haben, zurück. „Wir sind bei „Alpha Prime“ immer allen gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen“, sagt ein Sprecher der Bank. Man höre zum ersten Mal, dass das Institut deswegen juristisch belangt werden soll.

Im Frühjahr hat die Erste Bank die Repräsentanz für „Alpha Prime“ abgegeben. Ende Juni untersagte die Finanzmarktaufsicht (FMA) den Vertrieb des Fonds in Österreich. Im Board von „Alpha Prime“ sitzt unter anderem der frühere Chef der Wiener Börse, Stefan Zapotocky. „Uns ist die Sache unangenehm. Ich kann verstehen, dass sich einige Leute aufregen. Wir sind aber einem Betrugsfall aufgesessen“, sagt Zapotocky zur „Presse“. Auch er ist sich keiner Schuld bewusst. Zapotocky bestätigt, dass der Name Madoff nicht im Fondsprospekt aufgeschienen ist. „Wir waren dazu nicht verpflichtet“, so Zapotocky.

Weltweit haben Anleger geschätzte 50 Mrd. Dollar durch Madoff verloren. Der mittlerweile zu 150 Jahren Haft verurteilte US-Broker legte die Gelder nicht an, sondern verteilte sie ähnlich wie bei einem „Pyramidenspiel“ immer weiter.

Bei der Bank Austria und der UniCredit-Gruppe sind die sogenannten Primeo-Fonds betroffen. Der kolportierte Schaden liegt hier bei 800 Millionen Euro. Die betroffenen Fonds hatten den Sitz meist im Ausland (bei den Primeo-Fonds waren es die Cayman Islands in der Karibik). Um in Österreich für den Vertrieb zugelassen zu werden, bedarf es eines Repräsentanten. Die Bank Austria hatte diese Funktion für die Primeo-Fonds inne.

Nun sollen die Gerichte entscheiden, worin die Rolle von Repräsentanten ausländischer Investmentfonds besteht.

Der Standpunkt der Bank Austria lautet: „Wir waren als Repräsentant für die formelle Prüfung des Fondsprospekts und für die Unterstützung der Kommunikation zwischen Fonds und Anlegern verantwortlich. Diese vom Gesetz vorgesehenen Funktionen haben wir erfüllt“. Die Anlegeranwälte sind der Ansicht, dass die Vertreter der Fonds auch für die inhaltliche Kontrolle zuständig sind.

Die Causa ist brisant. Setzen sich die Madoff-Opfer durch, dürften es ausländische Fonds schwer haben, in Österreich noch Repräsentanten zu finden. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat die Bank Austria in der Causa schon bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Es besteht der Verdacht des Verstoßes gegen das Investmentfondsgesetz. Laut „Presse“-Informationen hat die Justiz die Bank bereits aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben.

 

Klagsflut gegen Bank Austria

Mehrere Anwälte planen für hunderte Geschädigte Klagen gegen die UniCredit-Tochter. Die Wiener Anwaltskanzlei PHH hat soeben ein Gutachten veröffentlicht, wonach Primeo-Anleger gute Chancen haben, ihre Ansprüche gegen die Bank Austria geltend zu machen. Denn der Emissionsprospekt eines Fonds habe den Eindruck vermittelt, dass eine Risikostreuung stattfinde und mehrere Manager eingesetzt würden. Tatsächlich sei fast das gesamte Geld bei Madoff gelandet. „Dabei handelt es sich um eine recht durchsichtige Marketingaktion, die weder besonders substanziell noch gut recherchiert“ sei, kontert ein Sprecher der Bank. „Wir können beim besten Willen nicht nachvollziehen, wieso die Bank Austria an dem Betrugsfall in den USA ein Verschulden treffen sollte“, so die Bank. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

AUF EINEN BLICK

Zu 150 Jahren Haft wurde der New Yorker Finanzjongleur Bernard Madoff verurteilt, weil er Anleger um Milliarden betrogen hat.

Schwierigkeiten könnte auch die Erste Bank bekommen. Sie war in Österreich Repräsentant des Investmentfonds „Alpha Prime“, dessen Kundengelder an Madoff weitergeleitet wurden. Anlegeranwälte werfen dem Institut vor, die Fondsanleger darüber nicht hinreichend informiert zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2009)

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