„Mincome“: Das Experiment von Dauphin

Vor Jahrzehnten gab es in Kanada die „Stadt ohne Armut“.

(c) GEPA pictures

Stockholm. 1974 garantierte die damalige linksliberale kanadische Regierung im Ort Dauphin 1000 Familien fünf Jahre lang ein Jahreseinkommen. „Stadt ohne Armut“ wurde Dauphin genannt. Auch dort ging es darum zu testen, wie Menschen im Arbeitsmarkt auf ein bedingungsloses Grundeinkommen reagieren. Damals wurde aber versäumt, das Experiment auszuwerten. Wegen einer massiven Rezession wurde „Mincome“ – die Bezeichnung steht für „Minimum“ und „Income“ (Einkommen) – einfach eingestellt. Erst 2009 versuchten kanadische Wissenschaftler, aus alten Akten Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Positiv für den Arbeitsmarkt

Die Ergebnisse sind lückenhaft, vieles lässt sich heute kaum mehr korrekt ermitteln. Das körperliche und seelische Wohlbefinden der Bürger wurde jedoch positiv beeinflusst, der Arbeitsmarkt kollabierte nicht. Im Gegenteil. Das garantierte Geld stärkte den privaten Konsum, aber auch den Kauf von Produktivgütern wie Fahrzeugen oder Schreibmaschinen, mit denen sich Bürger besser auf dem Arbeitsmarkt behaupten konnten als vorher. Das Geld stimulierte die Nachfrage- wie die Angebotsseite. Ein weiterer indirekter Effekt war, dass die Kinder deutlich bessere Schulabschlüsse machten als vorher. (anw)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2016)

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