Deutschland löste China als Export-Weltmeister ab

Deutschland hat im Vorjahr nach Berechungen des Ifo-Instituts den weltgrößten Exportüberschuss erzielt und ist zudem wieder Weltmeister beim Kapitalexport geworden.

Made in Germany ist weltweit gefragt
Made in Germany ist weltweit gefragt
Made in Germany ist weltweit gefragt – APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Deutschland hat China nach Berechnungen des Ifo-Instituts 2016 als Land mit dem weltgrößten Exportüberschuss abgelöst. "Die Leistungsbilanz weist voraussichtlich ein Plus von 297 Milliarden Dollar auf", sagte Ifo-Experte Christian Grimme am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Volksrepublik kommt demnach auf den zweiten Rang mit einem Überschuss von 245 Milliarden Dollar (229,38 Milliarden Euro).

2015 war die Reihenfolge noch umgekehrt. Platz drei belegt Japan. Das größte Defizit weisen dem Münchner Ifo-Institut zufolge die USA auf: Es summiert sich hier auf voraussichtlich 478 Milliarden Dollar. "Das bedeutet, dass die USA deutlich mehr verbrauchen als produzieren und sich im Ausland verschulden", erklärte Grimme.

Die Zahlen dürften die internationale Kritik am deutschen Wirtschaftsmodell befeuern, zumal sie auch dem neuen US-Präsidenten Donald Trump ein Dorn im Auge sind. Er wirft China unfaire Handelspraktiken zulasten der USA vor, droht aber auch deutschen Autobauern offen mit Einfuhrzöllen.

Warenhandel boomt

Deutschland steht in Europa ebenfalls in der Kritik. So macht der Überschuss nach den neuen Ifo-Berechnungen 8,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, während die EU-Kommission bereits Werte von dauerhaft mehr als 6 Prozent als stabilitätsgefährdend einstuft. Deutschland reißt diese Hürde seit Jahren. Brüssel sieht darin spätestens seit der weltweiten Finanzkrise ein Ungleichgewicht: Länder mit enormen Überschüssen tragen dazu bei, dass andere Staaten sich hoch verschulden, um ihre Importe zu finanzieren.

"Der deutsche Überschuss der Leistungsbilanz lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen", so Grimme. Hier allein sei von Jänner bis November ein Überschuss von 255 Milliarden Euro zusammengekommen. "Haupttreiber war die gestiegene Nachfrage aus den restlichen Ländern des Euroraums und aus den europäischen Ländern außerhalb der EU." In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenhandel auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein - von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe.

Das enorme Defizit in der US-Leistungsbilanz geht ebenfalls vorrangig auf den Warenhandel zurück. Er sei insbesondere mit Asien "stark defizitär", erläuterte Grimme. "Aber auch gegenüber dem Euroraum ist der Saldo negativ. Dabei erklärt sich die Hälfte des Defizits gegenüber dem Euroraum durch den Nettoimport aus Deutschland."

Der deutsche Überschuss geht mit einem Netto-Kapitalexport einher, da nicht nur Maschinen, Fahrzeuge oder Chemikalien ins Ausland geliefert werden, sondern auch Kredite zu deren Finanzierung. "Deutschland ist wieder Weltmeister beim Kapitalexport geworden", so Grimme.

(Reuters)

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