Tourismus: Das Kriegsbeil ist begraben

Die Branche hat sich bereits auf 1500 Euro Mindestlohn geeinigt. Die nun startende Lohnrunde dürfte also friedlich verlaufen.

Wenn der Schnee geschmolzen ist, soll der neue Kollektivvertrag stehen.
Wenn der Schnee geschmolzen ist, soll der neue Kollektivvertrag stehen.
Wenn der Schnee geschmolzen ist, soll der neue Kollektivvertrag stehen. – (c) APA/BARBARA GINDL

Wien. In der Tourismusbranche hatte man sich schon lange nicht mehr so lieb wie dieser Tage. Ob man die Wirtschaftskammer und die Hoteliervereinigung fragt oder ihren Gegenpart, die Gewerkschaft Vida, man bekommt die idente Antwort: Die Stimmung auf dem Tourismus-Gipfel vergangene Woche sei ausgesprochen gut und konstruktiv gewesen. Der morgige Start der Kollektivvertragsverhandlungen für die 220.000 Beschäftigten im Tourismus stehe unter einem glänzenden Stern.

Es besteht eine Chance, dass die Harmonie zwischen den Verhandlungspartnern, die sich bisweilen auch gern weniger freundliche Dinge über die Medien ausrichten, vorerst anhält. Denn die größte Hürde hat man bereits vor dem heutigen Start der Kollektivvertragsverhandlungen genommen: Die Einführung eines Mindestlohns von 1500 Euro brutto ab Mai 2018, wie sie die Bundesregierung in ihrem Arbeitspapier branchenübergreifend fordert, wurde vergangene Woche nach längeren Verhandlungen einträchtig bekannt gegeben.

 

Gewerkschaft will Etappensieg

Derzeit liegt der Mindestlohn im Tourismus bei 1420 Euro. Vida-Chefverhandler Berend Tusch will dieses Jahr einen Etappensieg erringen: Mindestens die Hälfte der fehlenden 80 Euro soll für die Mindestverdiener in der Hotellerie und Gastronomie 2017 herausschauen. Beide Seiten hoffen auf einen raschen Abschluss, wenn möglich vor dem 1. Mai, damit die Betriebe zum Start der Sommersaison mit neuen Lohntabellen arbeiten können.

Eine zweite Forderung der Gewerkschaft dürfte die Stimmung eher zum Kippen bringen: Die Vida will seit Längerem österreichweit einheitliche Lohntabellen. Bis dato hat jedes Bundesland seine eigenen Spielregeln. Dass man für die gleiche Arbeit in der Steiermark deutlich weniger verdient als in Wien, dürfe aber nicht sein, betont Tusch.

Alle Themen, die abseits der Gehaltserhöhungen die Eintracht gefährden könnten, sollen separat beim nächsten Sozialpartner-Gipfel im März besprochen werden – dazu zählt etwa die von den Hoteliers und Gastronomen geforderte Arbeitszeitflexibilisierung.

Einen anderen heiklen Punkt hat man dafür bereits gekonnt weitergereicht: Für den Streit zwischen der Vida und dem Henry-am-Zug-Betreiber Do & Co, der im vergangenen Jahr wegen des Verdachts des grenzübergreifenden Lohndumpings in die Schlagzeilen geriet, ist seit Neuestem nicht mehr die Tourismus- sondern die Eisenbahnergewerkschaft zuständig. (APA/loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2017)

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