Fluglinien: "Das ist moderne Leibeigenschaft"

Vor dem Hintergrund der Querelen um die Arbeitsverhältnisse bei Laudamotion liefern sich Gewerkschaft Vida und Wirtschaftskammer einen heftigen Schlagabtausch um einen Branchen-KV.

NIKI-PLEITE: NIKI-MITARBEITERVERSAMMLUNG
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APA/GEORG HOCHMUTH

Mit dem Plan, die Mitarbeiter seiner neuen Fluglinie Laudamotion erneut in einer Leiharbeitsfirma anzustellen, hat Niki Lauda enorm viel Staub aufgewirbelt. Aber nicht nur das: Vor dem Hintergrund der Querelen rund um die Arbeitsverträge bei der Fluglinie liefern sich nun die Sozialpartner - die Gewerkschaft Vida und die Berufsgruppe Luftfahrt in der Wirtschaftskammer - einen heftigen Schlagabtausch. Einmal mehr geht es um einen Branchen-Kollektivvertrag (KV) für die Luftfahrt - den es bisher in Österreich nicht gibt.   

 „Gerade weil der Wettbewerb am Flughafen Wien immer stärker wird und immer mehr Fluglinien im Kampf um Fluggäste mitmischen, brauchen wir zusätzliche Schutzmechanismen für die Arbeitnehmer. Gibt es keine faire Branchenlösung, sind die Menschen den Unternehmen regelrecht ausgeliefert", sagt Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt der Gewerkschaft Vida.

Die WKO kontert umgehend: Die aktuelle Entwicklung in der Luftfahrt zeige, dass die Branche weltweit agiere und daher nicht mit Bereichen, wo es nationale Schwerpunkte gibt, gleichzusetzen sei. "Das Tagesgeschäft in unserer Branche spielt sich global und international ab. Ein Branchen-KV könnte somit nur einen winzigen Teilbereich abbilden und würde zwangsläufig die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes beschädigen. Hier ansässige Airlines kämen ins Trudeln und würden abwandern", betont Berufsgruppenobmann Christian Domany.

Hungerlöhne in der Kabine

Schwarcz verweist darauf, dass die Ablehnung eines Branchen-KVs den Konkurrenzkampf unter den Airlines zusätzlich befeuert: „Etablierte Unternehmen kommen unter Druck und senken die Löhne und Gehälter weiter. Das führt so weit, dass sogar Premium-Airlines bereits Hungerlöhne in der Kabine zahlen. Der Lufthansa-Konzern zum Beispiel macht zwischen zwei bis drei Milliarden Euro Gewinn pro Jahr und zahlt auf der anderen Seite seinen Flugbegleitern 1500 Euro ohne weitere Entlohnungen für Feiertags-, Sonntags-, Nacht- oder Schichtarbeit.“

Billig-Airlines mit Sitz in Wien müssten bereits in Bulgarien Castings für Flugbegleiter veranstalten, „um für ihre Dumpinggehälter noch ausreichend Personal zu finden. Der kollektivvertragslose Zustand bedeutet für diese Menschen, dass sie zusätzlich im sozialen Leerraum stehen. Das ist moderne Leibeigenschaft.“

In kaum einer anderen Branche seien die Arbeitsplätze so stark standardisiert wie beim fliegenden Personal für Flugzeuge ab 19 Sitzplätzen. "Wo ist also das Problem, für die ganze Branche faire Spielregeln zu schaffen?"  

WKO: "Klassenkämpferische Töne"

WKO-Vertreter Domany spricht indes von "klassenkämpferischen Tönen", die in der Deabatte keinen Fortschritt brächten. Die sozialen Standards und die gesetzlich fixierte Absicherung der Arbeitnehmer-Rechte seien in Österreich im internationalen Vergleich sehr hoch: "Ein Schlechtreden oder gar Alarmschlagen wegen vermeintlich möglicher Ausbeutungen ist daher völlig fehl am Platz". Domany verweist zudem darauf, dass es mit der Gewerkschaft GPA-DJP, die auch schon für "Niki" zuständig war,  bereits erste konstruktive Gespräche für einen Kollektivvertrag bei Laudamotion gibt.

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(eid)

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