Den Weinbauern sterben die Kunden weg

Was Italien und Frankreich schon länger spüren, hat nun auch Deutschland erfasst. Die Weinbranche spürt den demografischen Wandel - auch wenn die Jungen noch so viel trinken.

Die Presse / Fabry

Während es im Export wieder besser läuft, macht der deutschen Weinbranche die alternde Gesellschaft zu schaffen. Der Umsatz mit Wein sei 2017 in der Bundesrepublik nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) um fünf Prozent gesunken.

Eine absolute Zahl lag nicht vor, die Angaben basierten auf einer Analyse des Marktforschers GfK von 30.000 deutschen Haushalten. Nach einer separaten DWI-Schätzung geben Deutsche jährlich etwa sechs Mrd. Euro für Wein aus. Das Geld teilt sich in etwa je zur Hälfte auf deutschen und ausländischen Wein auf.

Wesentlicher Grund für das Umsatzminus sei der demografische Wandel, sagte DWI-Geschäftsführerin Monika Reule. Zwar kauften junge Menschen etwas mehr Wein als zuvor. "Diese Zuwächse können allerdings nicht die zurückgehenden Weineinkäufe der älteren Bevölkerung kompensieren." Soll heißen: Es sterben viele Senioren, die relativ viel Wein getrunken haben - diese Absatzlücke wird nicht durch junge Kunden kompensiert. Auch der Trend zu einer bewussteren Ernährung habe zu dem Rückgang geführt, sagte Reule. Die Entwicklung ist nicht neu, auch andere Weinnationen wie Frankreich und Italien haben mit diesem Problem zu kämpfen.

Branche seit Jahren im Aufwind

Die deutsche Weinbranche mit ihren gut 100.000 Hektar Anbaufläche erstreckt sich auf 13 Gebiete. Der Schwerpunkt des Anbaus liegt in Rheinland-Pfalz. Die Branche ist seit Jahren im Aufwind, hat aber immer mal wieder mit widriger Witterung und Ernteausfällen zu kämpfen. Im langjährigen Mittel werden jährlich etwa neun Millionen Hektoliter Wein gelesen (900 Millionen Liter).

Gute Nachricht gab es beim Thema Auslandsgeschäft: Die Exporte legten im Umsatz den Angaben zufolge erstmals seit 2013 wieder zu und stiegen um sieben Prozent auf 308 Mio. Euro. Ein Grund: Das Image des hiesigen Weingeschäfts im Ausland hat sich verbessert. Zudem wurde in Ländern wie Polen das Verkaufsangebot ausgeweitet. Grob gesagt ein Achtel der deutschen Weinernte geht in den Export.

(APA/red.)

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