Erst die Moral, dann das Fressen

Verhaltensökonomen weisen nach: Dass es fair zugeht, zählt für uns oft mehr als Eigennutz und Effizienz. Aber viele Amerikaner halten Umverteilung für unfairer als Ungleichheit.

Wohlstand und Armut dicht an dicht: Warum sehen Amerikaner darin viel weniger ein Problem als Skandinavier? Das hat Bertil Tungodden erforscht.
Wohlstand und Armut dicht an dicht: Warum sehen Amerikaner darin viel weniger ein Problem als Skandinavier? Das hat Bertil Tungodden erforscht.
Wohlstand und Armut dicht an dicht: Warum sehen Amerikaner darin viel weniger ein Problem als Skandinavier? Das hat Bertil Tungodden erforscht. – REUTERS

Niemand zahlt gern Steuern. Wer es vermeiden kann, nutzt seine Chance. Oder? An einem Tag im April, kurz vor dem Termin für die Steuererklärung, flatterte bei mehr als 15.000 Norwegern ein Brief des Fiskus ins Haus mit Infos darüber, wie man Auslandseinkünfte richtig deklariert. Was die Empfänger nicht wussten: Sie waren Versuchskaninchen in einem Feldexperiment. Die Beamten waren draufgekommen, wer Einkommen im Ausland verheimlicht hatte.

Aber statt gleich zuzuschlagen, ließen sie von Forschern abtesten, wie die Steuersünder auf Botschaften reagierten. Eine Gruppe erfuhr durch einen ergänzenden Satz, dass der Fiskus mehr wusste als früher und die Gefahr des Erwischtwerdens gestiegen war. Bei einer anderen Gruppe appellierte der zusätzliche Satz ans soziale Gewissen: Steuern sind nötig, um Schulen und Spitäler zu finanzieren, und es wäre unfair, sich davor zu drücken. Was wirkte besser, die Drohung oder der Appell? In beiden Gruppen stiegen die deklarierten Einkünfte gleich stark, auf fast das Doppelte.

Das ist drin:

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