Finanzskandal in Kroatien

Der Finanzskandal um den überschuldeten kroatischen Konzern Agrokor weitet sich aus.

(c) REUTERS (Antonio Bronic)

Zagreb. Die kroatische Regierung kommt wegen des Finanzskandals um den überschuldeten Konzern Agrokor erneut unter Druck. Durchgesickerte private E-Mails von Wirtschaftsministerin Martina Dalić haben die Vorwürfe über Intransparenz bei der staatlichen Sanierung des größten kroatischen Privatunternehmens wieder laut werden lassen. Sie ist am Montag zurückgetreten. „Ich habe nichts Falsches, Unmoralisches oder Gesetzeswidriges getan, doch in der Politik ist die Wahrnehmung alles“, sagte Dalić.

Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten, Andrej Plenković, die im Vorjahr die Rettung von Agrokor in ihre Hände nahm, um den Kollaps des größten Agrar- und Lebensmittelkonzerns in Südosteuropa zu verhindern, war von Anfang an mit Vorwürfen der Intransparenz und des Interessenkonflikts konfrontiert. Die privaten E-Mails, die das kroatische Nachrichtenportal „Index“ seit vergangener Woche auf seiner Internetseite veröffentlicht, betreffen die Korrespondenz zwischen der Wirtschaftsministerin und einer Gruppe von Anwälten und Finanzberatern. Sie halfen Dalić beim Schreiben des Sondergesetzes zur Rettung von Agrokor. Später, als Agrokor unter staatliche Kuratel kam, heuerte sie Dalić offiziell als Berater an.

Einer aus dieser Gruppe, Ante Ramljak, wurde gar von der Regierung als Sanierungsmanager bei Agrokor bestellt. Danach sollen die anderen Beteiligten lukrative Beraterverträge mit Agrokor unterzeichnet und Berichten zufolge binnen eines Jahres 70 Millionen Euro erhalten haben.
Heuer im Februar trat Ramljak zurück, nachdem die Affäre über hohe Honorare ausgebrochen war. Die Beteiligten bemühten sich außerdem, ihre Treffen abseits der Öffentlichkeit abzuhalten. Laut Medienberichten weisen die Mails auch darauf hin, dass Premier Plenković über das Vorgehen Bescheid wissen musste. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2018)

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