Kika/Leiner: Der selbstgewählte Tag X

Alles wartet auf den Rettungsplan der Möbelkette. Während verhandelt wird, fürchtet die Industrie einen neuen Möbelriesen. Doch eine echte Entscheidung könnte bis Ende Juni ausstehen.

Wohin geht es bei der Möbelkette Leiner und Schwester Kika? Heute, Freitag, soll es erste Antworten geben.
Wohin geht es bei der Möbelkette Leiner und Schwester Kika? Heute, Freitag, soll es erste Antworten geben.
Wohin geht es bei der Möbelkette Leiner und Schwester Kika? Heute, Freitag, soll es erste Antworten geben. – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien. Die Vorgaben von oben sind klar: Kika/Leiner-Sprecherin Sonja Felber darf bis Freitag nicht sagen, wie die Rettung der angeschlagenen Möbelkette vorangeht. Ihr Chef, Gunnar George, hat sich bis heute Zeit erbeten, um nach dem Absprung seines internationalen Kreditversicherers Euler Hermes ein neues Sicherheitsnetz zu spannen. Gelingt ihm das nicht, könnten seine Lieferanten schon bald anklopfen und Vorauszahlungen verlangen oder ihre Möbellieferungen ganz einstellen – ein Schreckensszenario, das kein Händler lange überlebt.

Also arbeitet man dagegen an – und schweigt. Weder kommentierte George in den vergangenen Tagen die Aussagen des Chefs der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Thanner, als dieser einer theoretischen Übernahme von Kika/Leiner-Filialen durch den größten Rivalen Lutz unter Auflagen bereits einen Persilschein ausstellte. Noch sagte er etwas zur Reaktion des Welser Konkurrenten, der sich dazu „grundsätzlich“ bereit erklärte.

Auch am Donnerstag hieß es von Felber nur: „Warten Sie auf morgen, noch ist alles offen.“ Aus informierten Firmenkreisen erfuhr die „Presse“, dass bis zum Schluss noch hart verhandelt wurde. Es sehe schon weit weniger dramatisch aus als noch zu Wochenbeginn. Gut sei aber anders.

Wer sich vor dem von George selbst gewählten Tag X an die Öffentlichkeit wagt, ist hingegen die zuliefernde Möbelindustrie. „Wir beobachten die Entwicklungen mit Sorgen“, sagt Claudius Kollmann, der den Fachverband der Holzindustrie leitet. Nicht, dass man nicht grundsätzlich an eine Rettung der Kika/Leiner-Kette glaube.

„Wenig hilfreiche“ Aussagen

Aber das Notfallszenario, das durch die Medien geht, sei für seine klein- und mittelständisch strukturierten Möbelproduzenten alles andere als rosig: „Wir stehen schon jetzt einem Oligopol von wenigen Händlern gegenüber“, sagt Kollmann. Die „wenig hilfreiche“ Aussage des Wettbewerbshüters schüre jetzt die Sorge, „dass ein noch größeres Konglomerat entsteht“. Von den 70 österreichischen Möbelfirmen mit 6000 Beschäftigten wagt sich aber keine mit Kritik an die Öffentlichkeit. „Da kann man sich derzeit nur verbrennen“, sagen Insider.

Aber Fakt ist: Lutz, Kika/Leiner und Ikea beherrschen laut Zahlen von Marktforscher Andreas Kreutzer heute zusammen zwei Drittel des österreichischen Möbelhandels. Die Zahlen seien noch zu tief gegriffen, schätzt Kollmann. Alleine die beiden größten Händler Kika/Leiner und Lutz würden bereits weit mehr als die ausgewiesene Hälfte aller Möbelumsätze in ihren Geschäften machen, sagt er zur „Presse“. Eine weitere Konzentration sei für die Branche, die mit stagnierenden Einnahmen kämpft, höchst gefährlich.

Die Lieferanten wollen, dass es bei Kika/Leiner weitergeht, schätzt auch Gerhard Weinhofer von der Creditreform. Der Gläubigerschützer bekommt viele Anrufe. „Mir sind keine Lieferstopps bekannt. Sie sind zwar verunsichert, aber nicht so sehr, dass sie ihre Geschäftsbeziehungen kappen würden.“ Eine gute Nachricht von der Konzernmutter Steinhoff – im Zuge deren Bilanzskandal die österreichische Tochter Kika/Leiner Anfang des Jahres überhaupt in ihre finanziellen Schwierigkeiten gerieten – dürfte für etwas Beruhigung gesorgt haben. Mittwochabend verkündete sie per Aussendung, dass die Mehrheit der internationalen Kreditgeber einem Stillhalteabkommen bis Ende Juni zugestimmt hat. Beobachter werten das als Atempause und als ersten wichtigen Schritt für einen größeren Rettungsplan: Denn Steinhoff hatte seinen Kreditgebern im Mai eröffnet, dass er die meisten seiner 9,6 Mrd. Euro schweren Schulden erst drei Jahre später – und ohne zusätzliche Zinsen für die Periode – zahlen will.

Am 29. Juni legt die Firma erstmals nach Monaten wieder eine Bilanz, wenn auch nur für das erste Quartal 2018. Bis zum 30. Juni wollen ihr ihre Geldgeber den Rücken freihalten. Zur selben Zeit werden in Österreich die Urlaubsgehälter für gut 5000 Kika/Leiner Mitarbeiter fällig. „Das ist die wirkliche Deadline – nicht morgen oder am Montag“, sagt Weinhofer. Und ergänzt: „Angekündigte Katastrophen oder Lösungen finden sowieso selten statt.“

 

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2018)

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