Vormarsch der Ketten vorerst gestoppt

Immer weniger Händler müssen zusperren.

Symbolbild.
Symbolbild.
Symbolbild. – (c) imago/Becker&Bredel (BeckerBredel)

Wien. Österreichs Handel hat seinen Zenit 2012 erreicht. Zumindest, wenn man nach der Größe geht. Damals gab es 42.600 Geschäfte auf einer Gesamtfläche von 14,4 Millionen m?. Bis 2016 kam es zu einem deutlichen Rückgang, der maßgeblich durch den Boom beim Onlineshopping verursacht wurde. Die Einzelhändler mussten 4800 Geschäften zusperren, für die Konsumenten gab es 600.000 m? weniger Verkaufsfläche.

Auch wenn Online weiter zulegt – 2017 um sieben Prozent – konnte der Abwärtstrend nun gestoppt werden. Das geht aus der Strukturanalyse der Wirtschaftskammer (WKÖ) hervor. „2017 hat sich die Lage im Einzelhandel entschärft“, resümiert Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte Handel in der Kammer. Der jahrelange Abbau von Verkaufsflächen ist zum Erliegen gekommen, die Anzahl der Geschäfte nur noch geringfügig um 400 zurückgegangen.

 

Geld fließt in Onlineshops

Die Strukturanalyse zeigt vor allem, dass der jahrelange Vormarsch der Ketten vorerst gestoppt ist. Der Anteil der Filialbetriebe an den Geschäften hat sich bei 40 Prozent eingependelt. Dafür gibt es zwei Gründe, erläutert Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria die Entwicklung gegenüber der „Presse“: „Filialunternehmen haben ihre Maxime geändert und stecken ihre Ressourcen vermehrt in die Optimierung ihrer Onlineshops.“ Auch schließen die Ketten immer öfter weniger lukrative Standorte und investieren stattdessen vermehrt in den Ausbau bestehender Shops.

Auch wirtschaftlich habe der Einzelhandel am Konjunkturaufschwung partizipiert, sagt Gittenberger. Die Flächenproduktivität sei 2017 um zwei Prozent auf 5040 Euro pro m? gestiegen, auch die Zahl der Mitarbeiter legt zu.

Einen immer größeren Anteil am Flächenkuchen nehmen Einkaufs- bzw. Fachmarktzentren an Stadträndern ein. Der Trend halte an, weil sich die Immobilienentwickler immer mehr an Händlerwünschen orientieren, erklärt Roman Schwarzenecker von Standort+Markt. Fachmärkte an der Peripherie werden günstiger gebaut, was niedrigere Mieten zur Folge habe. (herbas)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2018)

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