Smart Metering: 80-Prozent-Ziel für 2020 kaum erreichbar

Zudem würde Smart Metering weitaus mehr Potenzial bieten als bisher von den Energieanbietern genutzt, so eine EY-Studie.

Intelligente Stromzaehler - Der Zaehler denkt mit / Smart Electric Meters - Stabilizing the Grid
Intelligente Stromzaehler - Der Zaehler denkt mit / Smart Electric Meters - Stabilizing the Grid
Intelligente Stromzähler – Siemens AG

Laut gesetzlichen Vorgaben muss die österreichische Energiewirtschaft bis nächstes Jahr 80 Prozent der österreichischen Haushalte mit Smart Metering für den Stromverbrauch ausstatten. Bis Ende 2018 sind 1.060.000 intelligente Messsysteme in Österreich ausgerollt worden, was einer Rolloutquote von 17 Prozent entspricht. Damit dürfte die gesetzliche Vorgabe bis Ende 2020 kaum flächendeckend erreicht werden, zeigt eine Studie von EY.

Österreichische Energieversorger integrieren Smart Metering noch kaum in ihr Produktportfolio. Demnach bieten nur etwa zehn bis 15 Prozent der heimischen Betriebe bieten ihren Kunden aktuell smart-meter-basierte Angebote. „Ein Grund für die bislang zurückhaltende Integration von Smart-Meter-Angeboten in Produkte der Energieversorger ist sicherlich die noch niedrige Roll-out-Quote. Ende 2018 waren etwas mehr als eine Million intelligente Messysteme in Österreich installiert. Das entspricht einem Implementierungsstand von unter 20 Prozent“, erklärt Stefan Uher, Leiter des Energiesektors bei EY Österreich.

Rollout 2017 – (c) CEER 2018

Mit der Smart-Meter-Einführung werden enorme Datenmengen verfügbar sein, die genutzt werden können, um Kundenverhalten zu analysieren und gegebenenfalls zu steuern, wie beispielsweise einem Anreiz für Stromverbrauch bei überschüssiger Erzeugung. Bislang setzt nur eine Minderheit der Energieversorger etwa mithilfe der Zerlegung des gesamten Lastverlaufs eines Haushalts über einen Zeitraum auf einzelne Anwendungen und Geräte, auf dieses Geschäftsfeld.

Die heimischen Energieunternehmen beschränken ihr smart-meter-basiertes Produktportfolio zurzeit auf variable Tarife und die Verbrauchsvisualisierung. Auch spartenübergreifende Bündelablesungen sind bereits im Einsatz. Dabei würde Smart Metering aus Sicht von Uher weitaus mehr Potenzial bieten, beispielsweise im Hinblick auf die Datenvermarktung. „Viele Energieversorger haben datenschutzrechtliche Bedenken – trotzdem sollte dieses Geschäftsfeld nicht völlig ignoriert werden“, meint Uher: „Auch andere Branchen haben bereits beachtliche Potenziale mit scheinbar wertlosen Nutzerdaten heben können“.

Die überwiegende Mehrheit der österreichischen Energieversorger erkennt den hohen Wert der gesammelten Daten. 65 Prozent von ihnen gaben an, dass Analytics und Big Data-Anwendungen zur Entscheidungsunterstützung für die Energiewirtschaft besonders relevant sind. Vier Fünftel der Befragten schätzen Smart Metering als wichtige Technologie ein. Die Erwartungen an Blockchain und künstliche Intelligenz haben sich im Energiesektor gegenüber dem Vorjahr hingegen deutlich reduziert. Haben sich 2018 noch zwei Drittel der Befragten für die hohe Relevanz von Blockchain ausgesprochen, war es 2019 nur mehr jeder Dritte. Neue Technologien in Bezug auf künstliche Intelligenz schätzen heuer nur noch 15 Prozent als zukunftsweisend ein – im Vorjahr war es hingegen noch 47 Prozent. Das hat die „Stadtwerkestudie 2019“ des Beraters EY ergeben.

der „Stadtwerkestudie 2019"

Für die Studie wurden Geschäftsführer und Vorstände von insgesamt 172 Unternehmen aus der Energiewirtschaft im deutschsprachigen Raum, darunter 20 Organisationen aus Österreich, befragt.

 

 

(red./herbas)

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