Arbeitsmarkt: Stärkster Rückgang der Arbeitslosigkeit

Vor allem bei Langzeitarbeitslosen und Männern haben sich die Arbeitslosigkeitszahlen im letzten halben Jahr deutlich gebessert."Die Krise lässt nach", meint dazu der verantwortliche Minister Rudolf Hundstorfer.

(c) AP (MICHAEL PROBST)

Wien. Die Veröffentlichung von Arbeitsmarktstatistiken war für die zuständigen Minister seit dem Ausbruch der Krise im Jahr 2008 meist mit Bauchweh verbunden. Regelmäßig musste ein neuer Rekordstand der Arbeitslosigkeit vermeldet werden. Seit knapp einem halben Jahr ist das jedoch anders. So sank im Oktober die Arbeitslosigkeit nun das fünfte Mal in Folge. Inklusive des Rückgangs bei Schulungsteilnehmern sank die Zahl der Arbeitslosen um 21.356 Personen, die stärkste Abnahme seit März 2008.

Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) konnte in seiner Aussendung daher auch frohlocken: „Durch die besser laufende Wirtschaft hat sich auch die Arbeitsmarktlage klar verbessert.“

 

Mehr Arbeitslose als im September

226.137 Menschen waren im Oktober in Österreich arbeitslos gemeldet – um 7,9 Prozent weniger als vor einem Jahr (siehe Grafik). Rechnet man die Schulungsteilnehmer– deren Zahl ebenfalls um 2,7 Prozent gefallen ist – hinzu, waren hierzulande 297.964 Menschen auf der Suche nach einer Arbeit. Gegenüber dem September, in dem diese Zahl 283.650 betrug, ist das zwar eine Zunahme. Dies lässt sich jedoch durch die saisonale Arbeitslosigkeit in Branchen wie der Bauindustrie erklären.

Besonders positiv entwickelte sich die Situation bei den Langzeitarbeitslosen, die länger als zwölf Monate auf Arbeitssuche sind. Ihre Zahl sank um ein Fünftel. Auch die Jugendarbeitslosigkeit bei den 18- bis 24-Jährigen ging mit 9,8 Prozent überdurchschnittlich stark zurück. „Wir haben mit vielen Maßnahmen in diesen schwierigen Segmenten Impulse geben können, sodass wir bei der Jugendarbeitslosigkeit nun zu den Besten in Europa zählen“, so Hundstorfer.

Ansonsten zeigte sich, dass es vor allem in der Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe eine deutliche Besserung der wirtschaftlichen Lage gibt. So ging die Arbeitslosigkeit in Vorarlberg (minus 19,7 Prozent), der Steiermark (minus 16,5 Prozent) und Oberösterreich (minus 15,1 Prozent) besonders stark zurück. Diese drei Bundesländer waren durch ihren hohen Industrieanteil von der Krise auch stärker betroffen. Zudem ist auch der Rückgang bei Männern mit minus 11,4 Prozent wesentlich stärker als jener bei den Frauen mit minus 3,8 Prozent.

Verbessert haben sich auch die Zahlen auf dem Lehrstellenmarkt. So gab es im Oktober um 15,8 Prozent mehr offene Lehrstellen als im Jahr zuvor. Die Zahl der Lehrstellensuchenden lag mit 6202 zwar immer noch über jener der offenen Lehrstellen (4097), die Differenz nahm jedoch stark ab.

Bei der Gewerkschaft sieht man trotz der positiven Zahlen vom Arbeitsmarkt keinen Grund für „verfrühte Freude“. Zwar sei die Verbesserung erfreulich, doch gerade in den letzten Monaten sei auch die Zahl der Zeit- und Leiharbeiter stark gestiegen, so der ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske. Dieser Trend sei weniger erfreulich, da das Ziel sein müsse, dass die Menschen direkt in den Betrieben eine fixe Beschäftigung erhielten. Seit Jahresanfang nahm die Zahl der Leiharbeiter in Österreich von 54.000 auf deutlich über 80.000 Personen zu.

 

 

Schulungen werden reduziert

Bei Schulungen dürfe trotz der besseren Zahlen nicht gespart werden, so ÖGB und Arbeiterkammer. Sie fordern jedoch „echte Qualifizierung“ statt „billiger Massenkurse“. Nur so könne etwa Langzeitarbeitslosen und Älteren wirksam geholfen werden. Laut Hundstorfer soll das in der Krise „stark ausgeweitete“ Programm an Schulungsmaßnahmen jedoch „reduziert“ werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2010)

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