A-Tec-Gläubiger geben sich nicht zufrieden

Sanierung: Die Geldgeber wollen eine Quote von bis zu 75 Prozent. Der Sanierungsverwalter Matthias Schmidt hat im Bestfall bis zu 57 Prozent in Aussicht gestellt.

ATecGlaeubiger geben sich nicht
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(c) FABRY Clemens

Wien. Im Ringen um die Zukunft der insolventen A-Tec findet am Mittwoch eine wichtige Vorentscheidung statt. Da treffen sich die drei Kuratoren, die die Inhaber der Unternehmensanleihen in der Insolvenz vertreten. Die Rechtsanwälte Ulla Reisch, Susi Pariasek und Georg Freimüller, die auch ihr Stimmverhalten für die entscheidende Gerichtstagsatzung am 29. Dezember koordinieren wollen, haben viele Aufträge der Gläubiger in ihren Aktentaschen. Die Hauptforderung: eine Quote von bis zu 75 Prozent. Das ist deutlich mehr als die von Sanierungsverwalter Matthias Schmidt im Bestfall in Aussicht gestellten 57 Prozent.

Schmidt hat, wie berichtet, den Sanierungsplan deutlich nachgebessert. Nach den der „Presse“ vorliegenden Informationen setzt er die Quote für die Gläubiger zwischen 31,2 und 56,9 Prozent an – je nachdem, wie viel Geld er erlösen kann. Gesetzlich sind 30 Prozent vorgeschrieben. In der Superquote von knapp 57 Prozent inkludiert ist das Aktienpaket von 25,1 Prozent, das A-Tec-Boss Mirko Kovats angeboten hat, und Geld aus Rückstellungen für nicht schlagend gewordene Haftungen.

Die Superquote lässt sich aber nur erzielen, wenn zumindest Teile der noch nicht insolventen A-Tec-Sparten – der Werkzeugbauer Emco, die Montanwerke Brixlegg und der Kleinmotorenbauer ATB – verkauft werden. Laut dem vom Wirtschaftsprüfer Deloitte vorgelegten Gutachten sind die Emco (inklusive der deutschen Dorries-Scharmann) und die Montanwerke Brixlegg zwischen 147 und 212 Mio. Euro wert. Für die chronisch defizitäre ATB wird ein Wert zwischen minus 7,1 und plus 15,4 Mio. Euro angesetzt.

 

Investor für ganze A-Tec gesucht

Einige Großgläubiger aus dem Kreis der Besitzer der zwei Wandelanleihen halten diese Einschätzung für zu niedrig. Sie gehen aufgrund eigener Einschätzungen von einem Wert für Emco und Brixlegg von 300 bis 350 Mio. Euro aus – was der 75-prozentigen Quote entspräche. Ihr Argument: Die Deloitte-Annahmen seien sehr vorsichtig und basierten auf einer nur bis 2012 fortgeschriebenen Cashflow-Entwicklung. Nicht berücksichtigt seien andere Unternehmen aus der jeweiligen Branche, also ein „Peer-Group-Vergleich“.

Irritationen bei den Gläubigern löst auch die von Schmidt angepeilte weitere Vorgangsweise aus. Er will binnen sechs Monaten für die gesamte A-Tec einen Investor finden – er soll helfen, die gesetzliche Mindestquote von 30 Prozent zu erfüllen. Erst wenn das nicht gelingt, sollen die Konzernteile verkauft werden. Die A-Tec unterwirft sich in dieser Zeit einem Treuhänder – in diese Rolle wird der Sanierungsverwalter schlüpfen. Kenner des Geschäfts führen ins Treffen, dass nicht so viel Zeit bleibt. Gerade im Anlagenbau droht schnell der Stillstand, wenn Aufträge nicht mehr angenommen werden können, weil die Banken und die Kreditversicherer den Hahn zudrehen. Deshalb müsse gerade bei Emco und Dorries rasch gehandelt werden, um einen guten Preis zu erzielen, heißt es.

Zudem wird bezweifelt, dass sich für die gesamte A-Tec ein Käufer findet. Das habe schon bei der Anlagenbausparte AE&E nicht geklappt – nach vier Wochen intensivem Poker mit den Banken schlitterte sie ebenfalls in die Insolvenz. Es konnte nur die danach auch insolvente AE&E Austria verkauft werden – an Andritz, die sich damit das Filetstück angelte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2010)

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