Das "Sündenregister" von A-Tec-Chef Kovats

Der brisante Treuhänder-Bericht gibt Einblick in das unternehmerische "Sündenregister" von Mirko Kovats und die vielfältigen Insolvenzgründe.

Austrian investor and Chief Executive Officer of A-Tec Industries AG Mirko Kovats listens to journali
Austrian investor and Chief Executive Officer of A-Tec Industries AG Mirko Kovats listens to journali
(c) REUTERS (Leonhard Foeger)

Der Fall war ebenso jäh wie der Aufstieg: In acht Jahren hat sich bis 2009 der Umsatz der A-Tec auf drei Milliarden Euro versiebzehnfacht. Ein Jahr später, am 20. Oktober 2010, musste Konzerngründer Mirko Kovats Insolvenz anmelden. Der Grund war schnell gefunden: Die Anlagenbautochter AE&E setzte ein Projekt in Australien in den Sand, die Wirtschaftskrise verursachte einen Auftragseinbruch - daraufhin scheiterte die Refinanzierung einer Anleihe.

Hoch riskante Geschäfte

Diese offizielle Version der A-Tec steht auch im Bericht von Sanierungsverwalter Matthias Schmidt. Der Anwalt, der nun Treuhänder beim Verkauf der A-Tec ist, hat sich damit nicht zufrieden gegeben und tief in die Geschäftspraktiken von Kovats geblickt. Strafrechtliche Tatbestände zeigt Schmidt nicht auf - das war auch nicht seine Aufgabe. Er zeigt in dem 105 Seiten starken Papier, das der „Presse" vorliegt, aber auf eine Fülle hoch riskanter oder nicht nachvollziehbarer Geschäfte hin.

Das war genug Zündstoff, sodass die Staatsanwaltschaft Wien von Amts wegen Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue, der betrügerischen Krida und der Bilanzfälschung einleitete. Am Dienstag gab es Razzien. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ein Blick in das unternehmerische „Sündenregister":

► Der Konzern sei „außerordentlich schnell" gewachsen, schreibt Schmidt. Zuletzt gab es Beteiligungen an 120 Gesellschaften im In- und Ausland. Gekauft wurden in erster Linie marode Industriebetriebe zu günstigen Preisen, „mit der Hoffnung auf Sanierung und entsprechende Wertsteigerung".
► Die Eigenkapitalquote sei indes sehr niedrig gewesen. „In Kombination mit dem Erwerb von sanierungsbedürftigen Unternehmen erhöhte das das Insolvenzrisiko deutlich".
► Zur Geldbeschaffung dienten in erster Linie Anleihen, wobei die hohe Verzinsung des letzten Bonds für Schmidt ein Indiz der sich verschlechternden Bonität ist. Die Liquiditätsplanung basierte auf „zu optimistischen Annahmen" und beinhaltete „keine Spielräume für Unvorhergesehenes - wie etwa die Wirtschaftskrise oder die Probleme in Australien".
► Löcher in den Tochterfirmen der vier Sparten (Werkzeugmaschinen, Anlagenbau, Kupferverarbeitung, Elektromotoren) wurden mit Darlehen der A-Tec bzw. gegenseitigen Geldspritzen gestopft. Daraus resultierten nicht nur Forderungen, sondern auch Haftungen. Das Risiko für den Fall, dass letztere schlagend werden, schätzt Schmidt mit 204 bis 268 Mio. Euro ein.
► Besonders scharf kritisiert der Treuhänder die Dividende: Gleich nach dem Börsegang im Dezember 2006 wurde auf Antrag von Kovats' Privatsstiftung MUST (über sie und eine andere Gesellschaft hält er 66 Prozent der A-Tec) für 2006 eine Dividende von 19,8 Mio. Euro gezahlt. Sie basierte allerdings auf einem Gewinn, der überwiegend aus Aufwertungen resultierte. Sie entstanden durch eine Fusion innerhalb des Konzerns. Wirtschaftlich vernünftiger wäre gewesen, den Gewinn im Konzern zu halten, so Schmidt.
► Viel Geld wurde in Vorhaben gesteckt, „die kurzfristig keinen oder nur einen äußerst geringen wirtschaftlichen Nutzen brachten". Dazu zählt Schmidt vor allem zwei Projekte: In den Kauf des stillgelegten - und bis heute nicht wieder in Betrieb genommenen - Kraftwerks Voitsberg sowie eines Grundstücks am Flughafen Wien wurden 40 Mio. Euro investiert. Schmidts Vermutung: Das A-Tec-Management habe auf ein „günstiges Geschäft mit Spekulationscharakter" gehofft. Letztlich seien 40 Mio. Euro „ohne wirtschaftlichen Nutzen" gebunden und es drohen zudem Haftungen.

Drei Jets um 93 Millionen Dollar

Als „wohl falsch" bezeichnet Schmidt die Gründung eines Bedarfsflugunternehmens, das nicht zum Kerngeschäft der A-Tec gehört. Der Kauf von drei Business-Jets kostete 93 Mio. Dollar. Außerdem wurden für zwei bestellte Jets elf Mio. Dollar angezahlt. Gebracht hat der Ausflug in die Luftfahrt bis zu 30 Mio. Euro Verlust. Kein Wunder, dass Kovats darüber ungern plauderte. „Die Aktivitäten wurden in den Geschäftsberichten und auch in den Aufsichtsratssitzungen - wenn überhaupt - nur am Rande behandelt", notiert Schmidt. Offensichtlich sei die Sparte Bedarfsflug auch ein Spekulationsgeschäft gewesen.
► Verluste, und zwar 12,6 Mio. Euro, verursachte auch der Aktienrückkauf. Schmidts Anmerkung dazu dürfte die Justiz besonders interessieren: „In diesem Ausmaß wurde Vermögen der A-Tec vernichtet."

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