Zielpunkt-Kette verkauft: Chef ist der neue Eigentümer

Die Kette soll bald in die Gewinnzone zurückkehren. Die Geldgeber kommen laut dem neuen Eigentümer Jan Statek nicht aus der Lebensmittelbranche.

(c) Clemens Fabry

Wien/Juk. Das Gerücht hat sich hartnäckig gehalten: Der Lebensmittelhändler Zielpunkt soll wieder verkauft werden. Von der Pfeiffer-Gruppe (Nah & Frisch) war die Rede, ebenso wie von der Einkaufsgemeinschaft Markant – Jan Satek hatten wohl die wenigsten am Plan: Der Vorstandsvorsitzende des Lebensmittelhändlers hält seit Montag 100 Prozent der Anteile.

„Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass das funktioniert, hätte ich nicht so viel investiert“, sagte der Deutsche, der seit Juli 2010 an der Spitze von Zielpunkt steht. Kapital haben jedoch auch zwei stille Gesellschafter eingebracht, die öffentlich nicht in Erscheinung treten wollen.

Weitere Investoren möglich

Die Geldgeber würden nicht aus der Lebensmittelbranche kommen, betonte der neue Eigentümer. Der Anteil der stillen Gesellschafter könnte noch verwässert werden – so gebe es Gespräche mit einer „Handvoll“ weiterer Investoren. Die Mehrheit will Satek jedoch behalten. Die neuen Eigentümerverhältnisse treten rückwirkend mit 1. Jänner 2012 in Kraft.

Nicht einmal zwei Jahre ist es her, dass der deutsch-niederländische Finanzinvestor BluO die defizitäre Handelskette von der deutschen Tengelmann-Gruppe (Kik, Obi) erstanden hat. BluO wollte die Kette innerhalb von 15 Monaten sanieren und ursprünglich drei bis fünf Jahre behalten. Obwohl der Private Equity-Investor früher ausgestiegen ist, hat er an Zielpunkt verdient: Satek und seine Investoren sollen einen „niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ hingeblättert haben; BluO zahlte einst „nur“ eine einstellige Millionensumme.

Zusammenschluss mit Pfeiffer?

Sanierer Satek wurde von BluO entsandt, um die Kette in die Gewinnzone zu führen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hat sich seither von 23 auf fünf Mio. Euro verkleinert. Der Umsatz sank im selben Zeitraum von 550 auf 540 Mio. Euro, die Zahl der Filialen hatte sich von 327 auf heute 300 verringert.

Das Ziel, bis Ende 2011 schwarze Zahlen zu schreiben, wurde verfehlt. Mitte 2012 solle die Gewinnschwelle erreicht werden, kündigte der Vorstandschef am Dienstag an.

Zielpunkt schreibt seit Jahren Verluste – dem Einzelhändler hatte zugesetzt, dass er seinen Namen mehrere Male gewechselt hat – zunächst von Zielpunkt zu Plus, dann zurück zu Zielpunkt. Einzelne Filialen hätten zu der Zeit, als der Name in Plus geändert wurde, 60 Prozent des Umsatzes verloren, sagt Satek. Ein Problem hatte der Händler auch bei der Positionierung. Ein wichtiges Ziel sei es, den „Menschen klar zu machen, dass wir kein Diskonter sind“.

Wichtigstes Argument dafür sei das aus 5000 Artikeln bestehende Sortiment – bei Diskontern seien 1000 Produkte gelistet. Nicht zuletzt tut sich Zielpunkt – im Vergleich mit den Riesen Rewe und Spar – im Einkauf schwerer. Der Supermarkt hielt zuletzt bei einem Marktanteil von rund vier Prozent. Zum Vergleich: Rewe (Billa, Merkur, Penny) hält mehr als 34, Spar 29 Prozent der Anteile am Lebensmittelhandel. Inklusive Hofer beherrschen die drei größten Händler mehr als 80 Prozent des Marktes.

Um bessere Einkaufspreise und längere Zahlungsfristen zu erhalten, trat Zielpunkt zuletzt der Einkaufsgemeinschaft Markant bei. Dieser gehört auch die Pfeiffer-Gruppe an. In der Branche wird nun spekuliert, Pfeiffer und Zielpunkt könnten sich zusammenschließen, um mehr Marktmacht zu erhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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