Juncker: "Finanzkrise wird uns auch 2009 beschäftigen"

"Der Moment wird kommen, bei dem der Wechselkurs beginnt, der Wirtschaft ernsthaften Schaden zuzufügen", sagt der Vorsitzende der Euro-Finanzminister.

(c) Reuters (Francois Lenoir)

Die Finanzkrise wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der Euro-Finanzminister Jean-Claude Juncker bis weit in das kommende Jahr hinein andauern. "Die Finanzkrise ist nicht an ihrem Ende angekommen. Sie wird uns das ganze Jahr 2008 und einen guten Teil des Jahres 2009 beschäftigen", sagte der luxemburgische Premier- und Finanzminister am Dienstag bei einer Veranstaltung in Brüssel.

Mit Blick auf den Höhenflug des Euro sagte er, bisher gebe es keine übermäßigen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft. "Der Moment wird kommen, bei dem der Wechselkurs beginnt, der europäischen Wirtschaft ernsthaften Schaden zuzufügen."

Dämpfer für deutsche Hoffnungen 

Hoffnungen, die deutsche Wirtschaft könne sich der Finanzmarktkrise entziehen, haben einen Dämpfer erhalten. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im April angesichts des Euro-Höhenflugs, hoher Ölpreise und rasanter Preissteigerungen unerwartet um 8,7 Punkte auf minus 40,7 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Damit liegen sie deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 30,0 Punkten.

Im Februar und März hatte sich die Stimmung unter den befragten Finanzmarktexperten noch aufgehellt. ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: "Der vormonatige leichte Optimismus der Finanzanalysten war anscheinend nur ein kleines Zwischenhoch."

Franz sagte, gleichwohl bestehe kein Anlass zu stärkerem Konjunkturpessimismus. Ein Wachstum in Deutschland von 1,7 Prozent in diesem Jahr liege nach wie vor in einer realistischen Größenordnung.

"Hoffnungen auf blaues Auge sind hinfällig"

Experten zeigten sich angesichts der Zahlen pessimistisch. "War zwischenzeitlich die Hoffnung gekeimt, Deutschland könne sich dem negativen Umfeld entziehen und aus Finanzmarktkrise und Co mit einem blauen Auge davonkommen, sind dieses Hoffnungen mit der Veröffentlichung quasi hinfällig", schreiben die Volkswirte der Nord LB.

Die Experten der Commerzbank erklärten, eine Abschwächung der Konjunktur sei für die Befragten das wahrscheinlichste Szenario. Der Konsum werde von der Teuerung belastet. Sie binde zudem der Europäischen Zentralbank die Hände, kurzfristig der Konjunktur zur Hilfe zu kommen. (Ag.)

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