"Tiefe Besorgnis" der Fed lässt neue Geldflut erwarten

US-Notenbank-Chef Bernanke könnte um eine neue geldpolitische Lockerung nicht herumkommen. Die US-Konjunktur bezeichnete er als "unbefriedigend".

Ben Bernanke
Ben Bernanke
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Schwache Wirtschaftsdaten und eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit lassen die US-Notenbank nach Expertenmeinung zu einer weiteren Konjunkturspritze greifen. Bereits nach der Donnerstag Abend (18.30 Uhr MESZ) endenden Zinssitzung könnte die Federal Reserve (Fed) eine dritte Runde von Anleihekäufen ankündigen, hieß es in US-Medienberichten. Ökonomen zufolge wird die Zentralbank vermutlich auch beschließen, den Leitzins bis 2015 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent zu halten. Bisher hatte die Fed versichert, den seit 2008 geltenden Minizins bis Ende 2014 bestehen zu lassen.

Ziel dieser neuen geldpolitischen Lockerung wäre, die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und den Konsum der Verbraucher anzuregen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte die wirtschaftliche Entwicklung in den USA jüngst mehrfach als unbefriedigend bezeichnet. Die am vergangenen Freitag veröffentlichte Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent unterstrich seine "tiefe Besorgnis" vor einer zu langsamen Erholung. Die Euro-Krise wie die Abschwächung der globalen Konjunktur nannte er ebenfalls immer wieder als Gefahren für die US-Wirtschaft.

Bernanke gibt Konjunkturausblick

Bernanke will sich am Donnerstag auch zum neusten Konjunkturausblick der Notenbank äußern. Die Fed hatte wegen der großen Rezession in den USA zwischen Dezember 2007 und Juni 2009 bereits zweimal die Märkte mit insgesamt 2,3 Billionen Dollar (1,783 Billionen Euro) geflutet.

Zudem geht die Notenbank noch bis Jahresende mit der "Operation Twist" gegen die schwache Konjunktur vor. Sie tauscht dabei kurzfristig fällige Anleihen gegen langlaufende Papiere, um auch langfristige Zinsen zu drücken. Unter Ökonomen und vor allem republikanischen Politikern ist umstritten, ob die zweimalige "Quantitative Lockerung" (QE oder Quantitative Easing) und die "Operation Twist" der US-Wirtschaft tatsächlich geholfen haben.

In einer Grundsatzrede Ende August hatte Bernanke aber auch auf die Risiken neuer Maßnahmen hingewiesen. So könne eine unendliche Serie von Eingriffen "das öffentliche Vertrauen in die Fed beeinträchtigen", warnte er. Zudem könnte die Zentralbank Kritik auf sich ziehen, wenn sie nicht einmal zwei Monate vor der Präsidentenwahl der Konjunktur unter die Arme greift. Den Republikanern zufolge würde dies vor allem dem Amtsinhaber Barack Obama dienen.

(APA/dpa)

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