China und billig? Das ist schon länger her

In den Großstädten der Volksrepublik sind die Preise deutlich in die Höhe geschossen.

China und billig? Das war einmal. Wer heute durch die Geschäfte von Peking, Guangzhou oder Schanghai schlendert oder gar in einer dieser Städte für einige Zeit wohnen möchte, der wundert sich über die hohen Preise. Ein Cappuccino für umgerechnet drei Euro, ein Burger-Menü für 20 Euro. Und selbst für einen Haarschnitt sind 25 Euro inzwischen keine Seltenheit mehr. Dabei galten angesichts der niedrigen Löhne gerade Dienstleistungen lange Zeit als günstig in der Volksrepublik.

Was besonders das Konto belastet: die Miete. Chinas Großstädte haben in den vergangenen drei Jahren einen horrenden Anstieg der Immobilienpreise erlebt. Konnte man 2009 in Peking ohne Probleme eine 100 Quadratmeter große Wohnung in guter Lage um 800 Euro finden, sind die Preise seitdem im Schnitt um 20 Prozent im Jahr gestiegen. Unter 1200 Euro findet sich inzwischen Vergleichbares nur noch selten.

Nach dem Big-Mac-Index, ein von Ökonomen gern genutzter Maßstab, um zwischen den Ländern die Preise zu vergleichen, kostet der Burger in Peking zwar noch immer erst 2,45 Dollar. Zum Vergleich: In den EU-Ländern liegt er bei 4,34 Dollar. Was die Pekinger aber belastet, ist die Geschwindigkeit, mit der die Preise steigen.

Teure Äpfel. Fast wöchentlich überkleben die Restaurants ihre Preisschilder. Und auch die Zeiten, in denen es Schweinefleisch für unter einem Euro das Kilo und Äpfel in der gleichen Menge für unter 50 Cent gegeben hat, sind vorbei. Schweinefleisch kostet inzwischen dreimal so viel, ein Kilo saftige Äpfel aus dem chinesischen Obstanbaugebiet in der Provinz Shandong ist nicht unter 1,20 Euro zu haben.

Sicher, der durchschnittliche Wiener wird in Peking keinen Preisschock erleben. Wer den Gemüsehändler oder den Obststand in der kleinen Gasse aufsucht oder auf dem Markt einkauft, wird auch noch Tofu für unter zehn Cent finden und in der Garküche eine Portion gedämpfte Teigtaschen für unter 50. Doch die Zeiten, in denen sich der Rucksacktourist über Wochen mit einem Studentenstipendium in Chinas Hauptstadt einquartieren konnte – die sind vorbei.

Grund für die rasant gestiegenen Preise in Chinas Großstädten sind zwar nicht zuletzt die gestiegenen Löhne. Der durchschnittliche Pekinger verdient inzwischen rund 1000 Euro im Monat – und damit fast doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren.

Aus Sicht des Europäers in China hängen die gestiegenen Preise aber auch mit dem Wechselkurs zusammen. Der chinesische Yuan hat in den vergangenen zwei Jahren stetig aufgewertet, der Euro im Zug der Krise deutlich an Wert verloren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2012)

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