Swatch publiziert Geschäftsbericht auf Schweizerdeutsch

Regeln dürfte der Konzern damit aber nicht verletzen. Wegen des Wechsels der Rechnungslegung wurde sogar ein Börsen-Ausschluss diskutiert.

Swatch watches are displayed in front of a shop at the central station in Zurich
Swatch watches are displayed in front of a shop at the central station in Zurich
REUTERS

Der Schweizer Uhrenkonzern Swatch hat seinen Geschäftsbericht 2012 heute den Aktionären nicht wie sonst üblich in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt, sondern auf Schweizerdeutsch sowie auf Englisch und Französisch.

Im Vorwort begründet Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek die Sprachwahl mit der starken Identifikation des Konzerns mit der Schweiz und deren Werten. «Das isch wahri Swissness, womit mer eusi Landslüüt es bezli uufrüttle, wo mängisch zor ehner konventionelle Site neige, wo vor allem of ehri Secherheit bedacht send und schön vorsichtig und bequem dor s'Läbe wänd goh», schreibt Hayek.

Den in Schweizerdeutsch gehaltenen Geschäftsbericht verstehe man als positive Provokation, heißt es weiter. Man habe etwas gemacht, was nicht unbedingt den Vorschriften entspreche, dafür aber viel über das Unternehmen aussage.

Swatch, der 27. Kanton

Ironisch gemeint sein dürften die veränderten Kantonswappen auf dem Umschlag des Geschäftsberichts. Und auch der Umstand, dass Swatch sich als 27. Kanton der Schweiz bezeichnet, dürfte nicht ganz ernst gemeint sein. «Kei Staat, sondern e Geischteshaltig» - «Kein Staat, sondern eine Geisteshaltung» heißt denn auch der Slogan, den der Uhrenkonzern neben das eigene Kantonswappen stellt.

Regeln dürfte der Konzern damit nicht verletzen. Begriffe wie Konzärngwünn, Nettovermögä und Inveschtitionä sind beim Lesen der Rechnung zwar gewöhnungsbedürftig, aber kein Problem - noch dazu, wo der Geschäftsbericht weiterhin auch auf Französisch und Englisch publiziert wird.

Nationaler Rechnungslegungsstandard

Doch nicht nur mit der Publikation des Berichts in Schweizerdeutsch tanzt Swatch aus der Reihe: Der Uhrenkonzern ist auch das einzige Unternehmen im Swiss Market Index (SMI), das seine Ergebnisse im Schweizer Rechnungslegungsstandard Swiss Gaap Fer veröffentlicht. Sonst sind bei großen Konzernen die Rechnungslegungsstandards IFRS (International Financial Reporting Standards) oder US GAAP gebräuchlich.

Unter dem Rechnungslegungsstandard Swiss Gaap Fer, nach welchem Swatch ab diesem Jahr seine Zahlen ausweisen wird, wäre ein Dialekt- Geschäftsbericht ohnehin kein Problem mehr. So gibt's punkto Sprache in Swiss Gaap Fer keine expliziten Regeln, was gegenüber der Nachrichtenagentur sda auch Experten einer Revisionsgesellschaft bestätigten.

Auch die "Jahresrächnig 2012" liefert Swatch noch nach den IFRS- Regeln. Die angekündigte Umstellung auf Swiss Gaap Fer führte jedoch dazu, dass über den Ausschluss von Swatch aus dem SMI diskutiert wurde. Der Regulierungsausschuss der Börsenaufsicht SIX Exchange Regulation entschied aber letzte Woche, auch den Schweizer Standard für eine Listung im Index zu akzeptieren.

(APA/sda)

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