Sieben dürre Jahre für Anleihen?

Sichere Staatsanleihen dürften in den nächsten Jahren nur ein bis zwei Prozent Rendite abwerfen, sagt Morgan Stanley. Die Alternative sind Hochzins-Bonds – und ein höheres Risiko.

Morgan Stanley - 2. Quartal
Morgan Stanley - 2. Quartal
(c) APA/EPA FILE

New York. Eine düstere Prognose kommt dieser Tage von Jonathan Mackay, Stratege bei Morgan Stanley Wealth Management: Investoren müssen sich möglicherweise bis 2021 gedulden, bevor sie wieder Gewinne mit sicheren Anleihen machen.

Der Experte prognostiziert, dass die Wertpapiere aus dem Qualitätsbereich Investment-Grade in den kommenden sieben Jahren nur jährliche Erträge zwischen ein und zwei Prozent generieren werden. Das bedeutet letztlich nichts anderes, als dass sie ihren Besitzern unter Berücksichtigung der Inflation Verluste bescheren dürften.

Kommt es tatsächlich dazu, wäre das ein deutlicher Richtungswechsel. Denn schließlich haben die Papiere im Zeitraum von 30 Jahren bis 2012 jährlich im Schnitt 8,7 Prozent Wertzuwachs geliefert.

 

Geldpolitik ändert nichts

Investoren sollten „eine durchschnittlich geringere Allokation bei Anleihen haben als im vergangenen Zyklus, weil sie einfach nicht die Zinseinnahmen und Erträge generieren“, erklärt der führende Stratege der rund zwei Billionen Dollar schweren Vermögensverwaltungssparte von Morgan Stanley. Mackay hält seine Prognose trotz der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken für werthaltig.

Um Verluste zu vermeiden bzw. auszugleichen, rät er zum Kauf von Hochzinsanleihen. Zwar hätten sich Bonds mit besserer Bonitätsnote im laufenden Jahr besser entwickelt als risikoreichere Anleihen, doch das könne sich nun ins Gegenteil drehen. Bei Staatsanleihen ist es so wie bei anderen Anlageformen: je geringer das Risiko, desto weniger Ertrag ist zu erwarten.

Rund 45 Prozent aller Staatsanleihen bringen inzwischen nur noch eine Rendite von weniger als einem Prozent. Das geht aus einer Studie hervor, die die Analysten der Bank of America unter der Führung von Michael Hartnett erst am Dienstag veröffentlicht hatten. Der Bank of America Merrill Lynch Global Corporate Index ist in diesem Jahr bislang um 6,5 Prozent angestiegen, während die Renditen der Papiere auf 2,6 Prozent fielen. Sie waren damit zuletzt nur noch 0,17 Prozentpunkte von ihrem Rekordtief aus dem vergangenen Jahr entfernt.

Schon jetzt gehen Investoren dazu über, mehr Geld in Anleihen ohne Investment-Grade-Rating und in Aktien sowie in Sachwerte wie Immobilien und in Private-Equity-Beteiligungen zu stecken.

Ein höheres Risiko zu nehmen, hat sich für Investoren schon durchaus bezahlt gemacht. Angesichts einer Ausfallsrate im Bereich der Ramschanleihen von weniger als der Hälfte des langfristigen Durchschnitts lassen sich manche Investoren selbst von Risken infolge geopolitischer Krisen nicht beirren. Weltweit sind Hochzinsanleihen auf dem besten Weg, in diesem Jahr 8,9 Prozent zuzulegen – nach dem 142,7-Prozent-Ertrag in den voraus gegangenen fünf Jahren. Das zeigen Index-Daten der Bank of America Merrill Lynch.

 

Überheblichkeit oder Verlust

Längst nicht alle Experten sind dem Ziel gegenüber, mehr und mehr Ertrag zu erzielen, optimistisch eingestellt. Analysten der Bank of America empfahlen Anlegern erst diese Woche, nach „Anzeichen für Investorenüberheblichkeit“ Ausschau zu halten. Das gelte besonders vor dem Hintergrund, dass die US-Notenbank Federal Reserve mit dem wahrscheinlichen Ende ihrer Anleihe-Aufkäufe die Geldpolitik straffen dürfe.

Wenn allerdings die Alternative ist, Geld zu verlieren – wie von Morgan-Stanley-Manager Mackay prognostiziert –, ist es nur allzu verständlich, dass Investoren sich doch für die Überheblichkeit entscheiden könnten. (Bloomberg/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2014)

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