Die Krise ist zurück

Die Zweifel wachsen, dass Griechenland den Ausstieg aus dem Rettungsschirm schafft. Bonds verlieren massiv an Wert.

ITALY ASEM SUMMIT
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(c) APA/EPA/DANIEL DAL ZENNARO (DANIEL DAL ZENNARO)

Frankfurt/Rom/Athen. Knickt die Konjunktur mit voller Wucht wieder ein? Noch meiden Politiker diese Frage wie der Teufel das Weihwasser – nur Italiens Premier Matteo Renzi nahm sich am Donnerstag kein Blatt vor den Mund, als er feststellte, die Krise sei mit Wucht an die Finanzmärkte zurückgekehrt.

Vor allem in den südeuropäischen Krisenländern, allen voran in Griechenland, wo die Angst vor einem Sturz der Regierung umgeht, verdichten sich die Indizien für einen neuerlichen Wirtschaftseinbruch: Griechische Aktien und Bonds sind seit Tagen auf Talfahrt. Der Athener Leitindex hat seit Monatsbeginn fast elf Prozent verloren, Anleihen binnen vier Wochen sogar 17 Prozent.

Der Kurs der zehnjährigen Anleihen des Landes brach ebenfalls ein. Im Gegenzug zog die Rendite um mehr als einen Prozentpunkt auf über neun Prozent an. Die Papiere warfen damit so viel ab wie seit knapp acht Monaten nicht mehr. Auch bei italienischen, spanischen und portugiesischen Anleihen stieg die Rendite.

In Scharen werfen Investoren die Papiere vieler südeuropäischer Länder aus ihren Depots. In ihrem Verhalten spiegeln sich Zweifel wider, dass sich Griechenland auf dem Markt refinanzieren kann, wenn es vorzeitig auf den Rettungsschirm verzichtet. Der einstige Pleitekandidat will sich 2015 mehrfach an den Finanzmarkt wagen, um aus dem seit 2010 laufenden Rettungsprogramm von IWF und EU im Volumen von 240 Mrd. Euro aussteigen zu können.

Die unter strengsten Auflagen vergebenen Kredite haben die schwere Rezession in Griechenland noch verschlimmert und eine politische Gegenreaktion verursacht. Umfragen zufolge hat die linke Opposition Syriza ihren Stimmenvorsprung auf die konservative Regierungspartei von Ministerpräsident Antonis Samaras auf 6,5Prozentpunkte ausgebaut. Syriza ist gegen den strikten Sparkurs.

„Der Ausverkauf bei griechischen Anleihen signalisiert, dass Griechenland den Marktzugang verloren hat”, sagte Thanassis Drogossis, Leiter Aktien bei Pantelakis Securities SA in Athen. „Ein früher Ausstieg aus dem Rettungsprogramm dürfte beweisen, dass die bisher erreichten fiskalischen Fortschritte nicht nachhaltig sind – davor fürchten sich Investoren.”

Als weiteres Krisensignal werten Börsianer, dass die EZB griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld erleichtern will. Eine entsprechende Entscheidung sei am Vorabend nach Gesprächen zwischen der EZB, der Athener Regierung und dem Zentralbankchef Griechenlands gefallen, sagte ein Athener Notenbank-Vertreter am Donnerstag. Demnach will die EZB auf Sicherheiten, die griechische Institute bei ihr als Pfand für frisches Geld hinterlegen, einen geringeren Abschlag als bisher erheben. Damit könnten die Banken zusätzliche zwölf Mrd. Euro an Liquidität bei der EZB abschöpfen. „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat“, sagte der Zentralbanker.

Die griechischen Banken haben im September bei der EZB zwar weniger frisches Geld abgerufen, hängen aber weiter am Tropf der EZB. (Reuters/Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2014)

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