US-Studie: TTIP kostet Europa 600.000 Arbeitsplätze

Die aufgrund des Freihandelsabkommens wachsenden Sektoren könnten die schrumpfenden nicht auffangen, meinen Kritiker. Die Einkommensverluste könnten laut einer Studie bis zu 5000 Euro pro Person und Jahr betragen.

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APA/HERBERT PFARRHOFER

Wenn das Freihandelsabkommen TTIP nicht nur Zölle, sondern auch andere Handelsbarrieren abbaut, könnten in Österreich in zehn bis zwanzig Jahren rund 45.000 neue Arbeitsstellen entstehen, schreibt das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) in einem Arbeitspapier. Der Wohlstand in Österreich, gemessen mit dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, würde im besten Fall bis 2023 um 2,71 Prozent steigen, so Fritz Breuss vom Wifo. Nun zeigt eine aktuelle Studie der US-amerikanischen Tufts University in Massachusetts - auf EU-Ebene gerechnet - Gegenteiliges.

Demnach würde das zwischen der EU und den USA geplante Abkommen TTIP in Europa 600.000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2025 kosten und zu Einkommensverlusten in Höhe von 165 bis zu 5000 Euro pro Person und Jahr führen. Auch Steuereinnahmen und Wirtschaftsleistungen würden erheblich schrumpfen.

Attac kritisiert veralterte Wachstumszahlen

Für die globalisierungskritische Organisation "Attac Österreich" belegt die Studie, dass das TTIP nicht nur ein Angriff auf soziale Standards, Arbeitsrechte, Umweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und Demokratie sei. Die Mehrheit der Menschen würde mit TTIP zugleich einen Verlust an Wohlstand hinnehmen müssen, so Attac-Ökonomin Alexandra Strickner in einer Presseaussendung.

Die Ergebnisse der Studie basieren demnach auf dem Global Policy Model (GPM) der Vereinten Nationen. Die Annahmen bei den von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studien halte Strickner für unrealistisch und veraltert. Die verwendeten Modelle, die ein Wachstum von 0,05 Prozent pro Jahr errechnen, stammen aus den 1980er und 1990er Jahren. Diese gehen davon aus, dass "wettbewerbsfähige" Wirtschaftssektoren, die von einer Marktöffnung profitierten, alle entstanden Verluste in den anderen schrumpfenden Sektoren kompensieren, kritisiert Strickner.

Steigende Löhne im Export zu gering

Dies hält Attac für einen Widerspruch zu den Erfahrungen der letzten Jahre. Denn Wirtschaftssektoren, die einem plötzlich verschärften internationalen Wettbewerb mit ungleichen Bedingungen ausgesetzt sind, schrumpfen weitaus schneller als dies von anderen Sektoren aufgefangen werden kann, so Strickner weiter. Zudem könnten steigende Löhne im Exportsektor den Verlust an Binnennachfrage (aufgrund sinkender Löhne in der Mehrzahl der Sektoren) nicht ausgleichen.

Die von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studien würden zudem die Wechselwirkungen mit "unbeteiligten" Ländern auf die veränderte Situation am Weltmarkt nicht berücksichtigen. So sei eine Abnahme des Handels in andere und aus anderen Ländern nicht abgebildet. Das würden auch bereits Erfahrungen mit ähnlichen Ankommen wie NAFTA oder Mercosur zeigen.

Nur gut für Kapitaleinkommen

Die einzigen Gewinner von TTIP werden laut der Studie die Kapitalisten sein. Der Anteil von Gewinnen und Zinsen am Gesamteinkommen werde sich erhöhen. "Es wird zu einem Transfer von Arbeits- zu Kapitaleinkommen kommen", so Studienautor Jeronim Capaldo. Zu den größten Einkommenstransfers dürfte es demnach in Frankreich kommen, wo acht Prozent des BIP vom Arbeits- zum Kapitaleinkommen verschoben werden. In Großbritannien wären es sieben Prozent in Deutschland und Nordeuropa vier Prozent.

>> Unterlage des Wifo

>> Studie der US-amerikanischen Tufts University 

(APA)

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