Griechenland: Athens stiller Verkauf von Ölförderzonen

Die Ausschreibung zum Verkauf von 20 griechischen Offshore-Förderzonen ist beendet. Doch es gab nur Angebote für drei Gebiete. Und nur ein interessiertes Konsortium.

Internationale Investoren haben das Interesse an der Exploration in Griechenland verloren.
Internationale Investoren haben das Interesse an der Exploration in Griechenland verloren.
Internationale Investoren haben das Interesse an der Exploration in Griechenland verloren. – (c) Bloomberg (Simon Dawson)

Athen. Es gab nur eine dürre Verlautbarung des griechischen Industrie-, Umwelt- und Energieministeriums. Das war vor einer Woche. Still und leise ist damit in Athen die Ausschreibung zur Vergabe von 20 griechischen Offshore-Förderzonen zu Ende gegangen. Doch dann sickerte durch: Nur für drei der 20 Seegebiete wurden Angebote abgegeben. Und nur ein einziges Konsortium hatte Interesse gezeigt. Dieses allerdings mit hochwertigen Spielern auf dem Markt: Neben der griechischen Hellenic Petroleum (Helpe) sind die italienische Edison und die französische Total im Boot.

Von Vorkommen, die derart reich sind, dass sie dem Staat in den nächsten 25 Jahren bis zu 150 Milliarden Euro an Steuer- und Mieteinnahmen aus der Ausbeutung der Förderung Öl und Erdgas einbringen könnte, hatte man in den vergangenen Jahren geträumt. Noch im Frühjahr 2015 gab es sieben potenzielle Anbieter, aber angesichts der Grexit-Szenarien und der nach wie vor äußerst niedrigen Erdölpreise von unter 60 US-Dollar, die eine Ausbeutung wenig rentabel machen, war die Beteiligung dann enttäuschend.

So muss Griechenland wohl noch Jahrzehnte warten, bis es die Defizite seines Pensionssystems aus den Einnahmen der Kohlenwasserstoffvorkommen decken kann wie geplant. Helpe allerdings gewann der Ausschreibung eine positive Note ab: Wenn dass Konsortium um Total Erfolg habe, würden andere Firmen bei einer Wiederholung der Ausschreibung sicher mehr Interesse zeigen.

Nicht erwähnt wurde, dass die Regierung von Alexis Tsipras um ein Haar sämtliche Investoren vertrieben und die Aussichten auf eine Ausbeutung der Erdöl- und Erdgasvorkommen des Landes auf Jahrzehnte hinaus zunichte gemacht hätte. Der Links-außen-Energieminister Panagiotis Lafazanis verkündete gleich nach Amtsantritt vollmundig, dass er die laufenden Wettbewerbe einfrieren und neue Ausschreibungsbedingungen diktieren werde. Statt die Felder an Investoren zu verpachten, wollte er, mit Vorbild des bewunderten lateinamerikanischen Modells, Joint-Ventures mit staatlicher Beteiligung einrichten, um die Einnahmen der öffentlichen Hand zu erhöhen. Doch anstatt das internationale Kapital zu zähmen, vergraulte er die italienische Enel, die lebhaftes Interesse am Zuschlag von drei Festlandsfördergebieten in Westgriechenland gezeigt hatte.

 

Investoren vertrieben

Und auch andere internationale Firmen begannen, Griechenland den Rücken zu kehren. Da erkannte Lafazanis seinen Fehler, verkündete, dass alle begonnenen Ausschreibungen nach dem alten Modell fortgesetzt würden, und verlängerte die Ausschreibungsfrist. Sein Nachfolger wird es vielleicht besser machen – Lafazanis, der im Parlament das Reformpaket niederstimmte, das unter anderen Privatisierungen vorsieht, wurde am vergangenen Freitag entlassen.

Doch wo steht Griechenland insgesamt bei der Ausbeutung der Kohlenwasserstoffe? Die veranschlagten Einnahmen aus den 20 Seegebieten waren wohl nur ein Wunschtraum. Die wenig detaillierten Daten, vor allem zu den vermutlich großen Vorkommen südlich von Kreta, und die Tiefe der Fundorte machen Prospektionen auf dem riesigen Gebiet von 225.000 km2 zu einem risikoreichen Unterfangen, das die Firmen zurzeit offensichtlich nicht eingehen wollen. Doch im Land existieren noch andere Förderzonen. Seit Jahren werden vor Nordostgriechenland, bei Kavala und der Insel Thasos, kleinere Erdölfelder von der Firma Energean genutzt. Erst 2014 hat sich BP die Förderung des Feldes Prinos gesichert.

Der „Crash-Test“ für das Interesse internationaler Investoren an neuen griechischen Förderzonen war die Ausschreibung über zwei Offshore-Gebiete im Ionischen Meer, bei Katakolo in der Nordwestpeloponnes und vor dem Golf von Patras, sowie ein Festlandsgebiet in der Nähe der nordwestgriechischen Stadt Ioannina. Die Ausschreibung verlief erfolgreich, den Zuschlag erhielten die griechischen Firmen Helpe und Energean, in den Joint-Ventures beteiligten sich aber auch Edison und andere ausländische Firmen.

 

Milliardeneinnahmen erhofft

Der Staat erhoffte sich bis zum Ablauf der Nutzungsrechte in 25 Jahren Einnahmen von 15 Mrd. Euro. Da lag der Erdölpreis allerdings über 90 Euro. Mit dem Beginn der Förderung ist freilich erst im nächsten Jahrzehnt zu rechnen. Doch die Offshore-Förderung bringt auch politische Verwicklungen mit sich, denn für die Ausschreibungen musste Griechenland seine Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) definieren. Lediglich mit Albanien und Italien gibt es Vereinbarungen, gegenüber Libyen und Ägypten wurde die Zone einseitig festgelegt.

Zuletzt haben Zypern, Griechenland, Israel und Ägypten die Zusammenarbeit im östlichen Mittelmeer verstärkt und beschlossen, die noch ausstehenden AWZ abzustecken. Die Türkei verfolgt diese Aktivitäten mit Misstrauen. Die „Aufteilung“ der Ostägäis zwischen Griechenland und Zypern wird sie nicht ohne Widerstand hinnehmen. Das Streitigkeiten über die Abgrenzung von AWZ, Festlandsockel, Luft- und Seegrenzen zwischen Griechenland und Türkei hat bisher die Ausbeutung der vermuteten Kohlenwasserstoffvorkommen in der nördlichen Ägäis verhindert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2015)

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