Varoufakis in Wien: "Es gibt keine Europäische Union"

Großer Andrang bei Besuch des griechischen Ex-Finanzministers in Wien. Nach tausenden Anmeldungen sperrte die WU Extra-Räume auf.

(c) APA/EPA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis ist bei einem Besuch in Wien hart mit der Krisen-Politik der EU-Staaten ins Gericht gegangen. "Eine Europäische Union wäre eine großartige Idee - aber wir haben keine", sagte Varoufakis am Mittwochabend vor hunderten Zuhörern in der Wirtschaftsuniversität. Die gegenwärtigen Institutionen seien in der Finanzkrise am Schutz der Union gescheitert.

Der griechische Ex-Finanzminister tourt seit Wochen für Vorträge durch Europa. Auch in Wien wurde dem studierten Ökonomen ein begeisterter Empfang bereitet. Nach tausenden Anmeldungen sperrte die WU auch Nebenräumen auf, um Schaulustigen per Video-Stream das Verfolgen des Vortrages zu ermöglichen.

"Schock-Absorber vergessen"

In seinem Vortrag verglich Wirtschaftsprofessor Varoufakis die Eurozone mit den USA und kritisierte, bei der Gründung der gemeinsamen Währung seien die "Schock-Absorber" vergessen worden, die den Ausgleich zwischen ärmeren und reicheren Staaten möglich machen. In der Finanzkrise 2008 habe dies furchtbare Konsequenzen gehabt: Staaten wie seine Heimat Griechenland seien, statt den Gürtel enger zu schnallen, gezwungen worden, immer mehr Schulden aufzunehmen.

Zugleich sei es nicht möglich gewesen, wie vor dem Euro, die eigene Währung abzuwerten. Die Regeln müssten darum geändert werden, plädierte Varoufakis.

"Traumatische Periode für Griechenland"

Über seinen früheren Kampfgefährten, Regierungschef Alexis Tsipras, will er nicht schlecht reden. "Ich könnte nie ein schlechtes Wort über ihn verlieren", sagte Varoufakis. Die Verhandlungen mit der Eurozone und sein Rücktritt im Juli seien eine "traumatische Periode" gewesen, betonte Varoufakis. Ein weiteres Bail-Out Griechenlands im Austausch für weitere Sparmaßnahmen anzunehmen, sei "eine wirklich harte Entscheidung", sagte der Ökonom.

Er sei zwar anderer Meinung als Tsipras, aber dieser habe gute Argumente für sein Vorgehen gehabt. Varoufakis saß bis zur Parlamentswahl im September für Tsipras' Linkspartei Syriza im Parlament. Er zeigt sich seither wiederholt mit dem Kurs der Partei unzufrieden, schloss sich aber nicht einer Abspaltung des linken Flügels in der neugegründeten Partei Volkseinheit an.

(APA)

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