Flüchtlingsstrom belebt schrumpfende Tabakbranche

Fast die Hälfte der Männer in Syrien raucht. Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland dürfte dort den jährlichen Zigarettenkonsum 2015 um etwa 810 Millionen Glimmstengel erhöhen.

Migrant mit Zigarette
Migrant mit Zigarette
Migrant mit Zigarette – (c) REUTERS (� Ognen Teofilovski / Reuters)

Deutschland erwartet dieses Jahr die Einreise von mindestens 800.000 Flüchtlingen, die größte Migration von Vertriebenen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele von ihnen flüchten aus dem vom Krieg zerrütteten Syrien, wo nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 48 Prozent der Männer Raucher sind. Der zusätzliche Zigarettenkonsum entspreche etwa einem Anstieg um ein Prozent am größten Tabakmarkt Europas, sagt Morningstar-Analyst Philip Gorham, da sich die Demographie ausnahmsweise zugunsten der Branche auswirkt.

Das könnte sich für Philip Morris International Inc., Imperial Tobacco Group Plc und British American Tobacco Plc als Segen erweisen, die den 33 Mrd. Dollar (30 Mrd. Euro) schweren deutschen Markt dominieren. Da Syrer im Schnitt mehr als 1000 Zigaretten im Jahr rauchen, könnte der Absatz in Deutschland um mehr als 810 Millionen Zigaretten gesteigert werden, so Gorham. Damit würde der Markt, der im vergangenen Jahrzehnt geschrumpft ist, einen seltenen Zuwachs erleben.

Wachstum trotz schwacher Kaufkraft

Die Zigarettenverkäufe in Westeuropa sind Daten von Euromonitor International zufolge im Laufe der vergangenen fünf Jahre um 21 Prozent gefallen. Der Tabakkonsum geht in den Industriestaaten seit Jahrzehnten zurück, was an einer Schärfung des Bewusstseins für die Gesundheitsrisiken und höheren Steuern liegt. Dieser Trend hat den Nahen Osten und Afrika aber noch nicht erreicht.

Die Vorteile für die Tabakunternehmen werden durch die eingeschränkte Kaufkraft der Migranten begrenzt, die aufgrund ihrer finanziellen Situation auf geschmuggelte oder gefälschte Zigaretten zurückgreifen könnten. Seiner Einschätzung wird das Absatzvolumen verzollter Zigaretten in Deutschland mittelfristig aber trotzdem Rückenwind erhalten.

Der Tabakkonzern Imperial, der die Zigarettenmarken JPS und West in Deutschland verkauft, vermutet nach Aussage eines Sprechers, dass die Einwanderung der Flüchtlinge zu einem Anstieg des Zigarettenabsatzes führen wird. Der Marktanteil des Unternehmens in Deutschland ist in den zwölf Monaten bis Ende September leicht zurückgegangen. Philip Morris und BAT lehnten eine Stellungnahme ab.

(Bloomberg)

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