Deutschland: Sollen "verlorene" Feiertage nachgeholt werden?

Der 1. Mai ist heuer ein Sonntag. Das schlägt sich negativ auf die Feiertagsbilanz nieder. Bei Linken, SPD und Grünen erwägt man einen Ausgleich.

Heuer ein Sonntag: Der 1. Mai
Heuer ein Sonntag: Der 1. Mai
Heuer ein Sonntag: Der 1. Mai – Clemens Fabry

Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, fällt heuer auf einen Sonntag. Für Arbeitnehmer ist das eine schlechte Nachricht - sie haben einen Feiertag weniger. Nun werben einige Politiker in Deutschland dafür, dort solche entgangenen freien Tage künftig nachzuholen.

Sabine Zimmermann von der Linken etwa sagte der "Saarbrücker Zeitung" vom Samstag: "Es kann nicht sein, dass den Arbeitgebern regelmäßig zusätzliche Arbeitstage geschenkt werden, die eigentlich als bezahlte Feiertage den Beschäftigten zustehen."

Vor allem das "Nachholen" des 1. Mai als freiem Tag sei wünschenswert, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, der "Saarbrücker Zeitung". Ihre Begründung: "Das hätte Charme. Dann haben Beschäftigte zum einen Zeit für die Kundgebung am Sonntag und können am freien Montag ihre Zeit der Familie widmen."

Unions-Politiker: "Ich halte das für Blödsinn"

Linkspartei und Grüne sind in der Opposition, doch auch in der mitregierende SPD findet man die Idee sympathisch: Die SPD-Arbeitsmarktpolitikerin Katja Mast sagte zum "Nachholen" von Feiertagen: "Das wäre natürlich ein Zeichen zur Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums erklärte jedoch auf Anfrage: "Uns sind dazu keine Pläne bekannt."

Von den Arbeitgebern wurde der Vorschlag dagegen mit deutlich weniger Enthusiasmus quittiert. "Bei der Gesamtzahl der arbeitsfreien Tage durch Urlaub und Feiertage belegt Deutschland ohnehin einen Spitzenplatz im internationalen Vergleich", sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes BDA. Falle ein Feiertag zufällig auf einen Sonntag hätten alle interessierten Beschäftigten die Möglichkeit den jeweiligen Anlass würdig zu begehen. Für eine Verschiebung auf einen Werktag gebe es daher keinen Grund.

Manche Länder holen Feiertage nach

Noch etwas drastischer drückte es der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, aus. Er sagte: "Ich halte das für Blödsinn." Die Deutschen hätten so viele Feiertage. "Wenn dann mal einer auf das Wochenende fällt, ist das bei durchschnittlich 30 Urlaubstagen im Jahr sicherlich zu verkraften."

In Spanien oder Großbritannien werden Feiertage, die an einem Wochenende liegen, am darauffolgenden Werktag, dem nächsten Montag "nachgeholt". Fällt einer der arbeitsfreien Feiertage in Belgien auf einen Sonntag oder anderen freien Tag, wird ein Werktag als Ersatz bestimmt. Der 1. Mai kann so auch im August nachgefeiert werden. Den Arbeitnehmern muss noch im Vorjahr mitgeteilt werden, welcher Tag als Ersatz gewählt wird. Die Regelung gilt dann einheitlich für alle Angestellten des Unternehmens.

Auch Luxemburg erlaubt seinen Unternehmen, selbstständig einen alternativen freien Tag festzusetzen - immer vorausgesetzt, dass einer der zehn gesetzlich garantierten Feiertage auf das Wochenende fällt. In Deutschland fallen heuer zwei kalendarisch fest gebundene Feiertage auf ein Wochenende: der 1. Mai und der 25. Dezember.

(APA/DPA)

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