Randale bei Gewerkschaftsdemo in Brüssel

60.000 Belgier protestieren gegen die Arbeitsrechtsreform. Acht Demonstranten und zwei Polizisten wurden bei Ausschreitungen verletzt.

BELGIUM-STRIKE-POLITICS-DEMO
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APA/AFP/BELGA/ERIC LALMAND

Krawalle haben in Brüssel eine Demonstration gegen die Sparpolitik der Mitte-Rechts-Regierung überschattet. Am Ende des Protestmarsches begannen Randalierer am Dienstag damit, Polizisten mit Eiern, Steinen und Knallkörpern zu bewerfen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin einen Wasserwerfer und Tränengas ein. Zehn Personen, darunter zwei Polizisten, wurden bei den Ausschreitungen verletzt.

Wie viele Randalierer für die Krawalle verantwortlich waren, blieb zunächst unklar, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Medien berichteten von etwa einem Dutzend Störern. Etliche Demonstranten warfen Gegenstände und Feuerwerkskörper auf Polizisten, als der bis dahin friedliche Protestmarsch durch die belgische Hauptstadt in der Nähe des Südbahnhofs allmählich zu Ende ging. Auch Werbetafeln wurden zerstört.

An der von Gewerkschaften organisierten Demonstration hatten sich nach Schätzungen der Polizei rund 60.000 Menschen beteiligt. Sie richtete sich unter anderen gegen die Erhöhung des Pensionseintrittsalters und Kürzungen bei der Anpassung von Löhnen und Gehältern. Im öffentlichen Nahverkehr kam es zu erheblichen Störungen, weil sich auch zahlreiche Bus- und Bahnfahrer an den Protesten beteiligten.

Gegen 45-Stunden-Woche

Der Protestmarsch richtete sich unter anderem gegen das Vorhaben, Arbeitgeber 45-Stunden-Wochen anordnen zu lassen, wenn die Mehrarbeit anschließend durch kürzere Arbeitswochen ausgeglichen wird.

Es war der dritte Massenprotest gegen die Mitte-Rechts-Regierung, die seit Herbst 2014 im Amt ist. Im November 2014 waren 100.000 Menschen in Brüssel auf die Straße gegangen, im vergangenen Oktober waren es 80.000. Die Gewerkschaften hatten zu der Kundgebung vom Dienstag aufgerufen, die sich auch gegen eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters von 65 auf 67 Jahre und gegen Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst richtete. Die Regierung zeigte sich von den Protesten bisher unbeeindruckt.

"Die Steuern werden an allen Stellen erhöht und die Sozialversicherung zusammengestrichen", sagte der Lehrer Jacques Warnier. Die Rechte der Arbeitnehmer, der Pensionisten und der Arbeitslosen würden von "dieser rechtsgerichteten Regierung" beschnitten, beklagte der Gewerkschafter Michel Beis. Unter den Demonstranten war auch der frühere sozialistische Regierungschef Elio di Rupo.

(APA/AFP/dpa)

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