Adidas und Puma: Das Ende des kalten Turnschuhkriegs

Adidas und Puma versöhnen sich nach 60 Jahren Familienkrieg und Rivalität. Vielleicht haben die beiden andere Sorgen als die ewigen Sticheleien. Adidas und Puma mussten zuletzt herbe Gewinneinbußen einstecken.

Adidas Puma
Adidas Puma
(c) EPA (DANIEL KARMANN)

WIEN (cim). Adidas oder Puma? Nirgendwo spaltet diese Frage tiefer als in Herzogenaurach. Das feindliche Logo auf dem Schuh soll dort bereits zu handfesten Schlägereien geführt haben. Man nannte das 23.000-Einwohner-Städtchen schon den „Ort des gesenkten Blickes“ – erst schaut man auf die Füße, dann in die Augen. 60 Jahre lang.

Am vergangenen Montag ein völlig neues Bild. Zwei Herren auf der Bank am Rande eines Fußballfeldes, ihre linken Waden schmücken Raubkatzen, auf den rechten Stutzen drei Streifen: Adidas-Chef Herbert Hainer und Puma-Chef Jochen Zeitz – nie hat man sie so friedlich nebeneinander gesehen, obwohl die Zentralen der Weltkonzerne nur ein Fluss trennt.

Nun wurde gemeinsam Fußball gespielt. „Es ist ein historischer Handschlag“, schreiben Adidas und Puma über das Match anlässlich des Weltfriedenstages.

Krieg und Affären

Das dürfte nicht einmal übertrieben sein. Angefangen hat alles in den 1920er-Jahren, als die Brüder Adolf (später ließ er sich nur mehr „Adi“ nennen) und Rudolf Dassler in Herzogenaurach begannen, Sportschuhe herzustellen. Beim ersten Schritt an die Weltspitze, als Leichtathlet Jesse Owens 1936 vier Mal Olympia-Gold in Dassler-Schuhen gewann, hieß die Firma noch „Gebrüder Dassler“.

Dann kam der Krieg, und der Krieg der Brüder, der eine der mächtigsten deutschen Unternehmerfamilien spalten sollte. Um die Hintergründe ranken sich unzählige Legenden. Eine besagt, dass Rudolf lange im Krieg war, während Adolf, damals bekennender Nazi, nach einem Jahr aus der Wehrmacht entlassen wurde und zu Hause die Firma leiten durfte. Rudolf musste später in ein Internierungslager. Später warf er Adolf vor, ihn denunziert zu haben, um ihn aus der Firma zu drängen. Eine andere Geschichte besagt, dass Rudolf ein Verhältnis mit Adolfs Frau Käthe gehabt haben soll.

Wie auch immer der Krieg begann: Ende der 40er-Jahre zerschlugen die Dasslers ihre Schuhfabrik. Adolf gründete Adidas, Rudolf zog auf die andere Seite der Aurach und lieh seiner Firma seinen Spitznamen: Puma. Immerhin schmückt Rudolf der Ruf, ein Schönling und gewiefter Geschäftsmann gewesen zu sein, während Adolf der Techniker und Tüftler war. Jahrzehntelang herrschte auf einer Seite der Aurach die Raubkatze, auf der anderen regierten die drei Streifen. Lokale, Geschäfte, Schulbusse – alles wurde fein säuberlich aufgeteilt.

Heute sind die beiden Konzerne weltweit die Nummer zwei (Adidas) bzw. Nummer drei (Puma) der Sportartikelhersteller hinter Nike. Nicht zuletzt die Konkurrenz der Brüder hat die fränkischen Schuhfabriken an die Spitze gebracht.

Der Durchbruch für Adidas kam 1954, als die deutsche Mannschaft in Adidas-Schuhen mit Schraubstollen Fußballweltmeister wurde. Adolf behauptete, der Erfinder dieser Stollen zu sein und damit das „Wunder von Bern“ erst möglich gemacht zu haben. Aber auch Puma beanspruchte, die Stollen erfunden zu haben. Die WM 1954 gilt als einer der Meilensteine dafür, dass Adidas heute 10,8 Mrd. Euro Umsatz (2008) erzielt, während Puma Sportartikel um 2,5 Mrd. Euro verkauft.

1974 starb Rudolf, vier Jahr später Adolf. Bis zum Tod sollen sie kein Wort mehr gewechselt haben. Die Söhne Armin (Puma) und Horst (Adidas) setzten die Feindschaft fort: Die Väter hatten jahrelang über Mittelsmänner abgesprochen, wer welche Sportler unter Vertrag nimmt, bei Pelé hatten sie eine Art Friedenspakt geschlossen. Dann nahm Puma Pelé unter Vertrag, der Familienkrieg zog in die nächste Generation ein.

Heute sind die beiden Firmen lange nicht mehr in den Händen des Dassler-Clans. Adidas notiert seit 1995 an der Börse, Puma gehört seit 2007 dem französischen Luxus-Konzern PPR. Aber die Manager Hainer und Zeitz haben die Rivalität, wenn auch weniger erbittert als die Brüder und Cousins, weitergepflegt. Man sagt, Hainer sehe sich in einer anderen Liga – immerhin ist Adidas deutlich größer. Zeitz halte dagegen, seine Firma sei moderner und schicker – schließlich hat sich Puma vor Adidas von der Schuh- zur Lifestyle-Marke gewandelt und Turnschuhe salonfähig gemacht.

 

Flaute bremst beide

Vielleicht haben die beiden nun einfach andere Sorgen als die ewigen Sticheleien. Immerhin mussten Adidas und Puma zuletzt herbe Gewinneinbußen einstecken. Vor allem in Schwellenländern, die das Wachstum der Sportkonzerne jahrelang getrieben haben, fällt die Nachfrage. Adidas bereitet außerdem die verlustreiche US-Tochter Reebok Sorgen. Beide Konzerne strukturieren um: Adidas will 1000 von weltweit 39.000 Stellen streichen. Puma plant, Investitionen zu kürzen und unrentable Läden zu schließen.

Aber schon 2010 rechnet man in Herzogenaurach mit Besserung. Die Fußball-WM in Südafrika soll den Absatz wieder ankurbeln.

Stutzen mit Raubkatze und Streifen wird man dort trotz aller Friedensbekundungen nicht sehen. Zu kaufen gebe es die gemeinsame Ausrüstung nicht, heiß es. Vielleicht hält der Friede auch nicht lang. Schließlich hieß die Aktion, die man mit dem Match unterstützen wollte, „Peace one day“.

Auf einen Blick

Nicht zuletzt der Bruderzwist zwischen Adolf und Rudolf Dassler ist schuld daran, dass zwei der drei größten Sportartikelhersteller aus derselben Kleinstadt kommen.

60 Jahre hat die Rivalität zwischen Adidas und Puma Herzogenaurach gespalten, obwohl die Konzerne längst nicht mehr den Dasslers gehören. Nun hat sich das Management bei einem gemeinsamen Fußballmatch symbolisch versöhnt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2009)

Kommentar zu Artikel:

Adidas und Puma: Das Ende des kalten Turnschuhkriegs

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen