Investor Rogers: "Den Euro wird es nicht mehr geben"

US-Starinvestor Rogers spricht im Gespräch mit der "Presse" über ahnungslose Notenbanker und darüber, warum die EU Griechenland nicht retten sollte. Von Aktien und Anleihen lässt er derzeit die Finger.

(c) Michaela Bruckberger

„Die Presse“: Herr Rogers, Sie beurteilen die Entwicklung der Wirtschaft nicht optimistisch und geben US-Notenbankchef Ben Bernanke die Schuld dafür. Warum?

Jim Rogers: Weil er noch immer keine Ahnung von Wirtschaft, Märkten und Währungen hat. Das Einzige, was dieser Mann kann, ist, wie verrückt Geld zu drucken.

Viele Ökonomen meinen, dass er damit die Wirtschaft vor einer noch größeren Krise bewahrt hat. Was hätte Bernanke in den vergangenen 15 Monaten anders machen sollen?

Rogers:Leute bankrottgehen lassen. So wie es skandinavische Länder Anfang der 90er-Jahre (etwa Finnland nach der Bankenkrise, Anm.) taten. Man zwang die Länder, sich neu aufzubauen. Das war am Anfang schrecklich für die Leute dort. Langfristig waren sie erfolgreich damit. Japan schlug den gegenteiligen Weg ein, löste die Probleme nicht, sondern überspielte sie, indem es Geld druckte und verteilte. Jetzt, 20 Jahre später, hat sich das Land noch nicht erholt. Was machen die USA? Sie gehen den gleichen Weg wie Japan. Auch die USA werden zwei, drei verlorene Jahrzehnte erleiden, vielleicht sogar ein verlorenes Jahrhundert. Die USA sind heute schon der größte Schuldner in der Geschichte und Verursacher der nächsten Blase.

Welcher Blase?

Rogers: Es gibt eine Blase bei US-Staatsanleihen. Wenn die platzt, wird es lange schwierig werden, mit Anleihen Geld zu verdienen. Manager von Anleihenfonds sollten sich neue Jobs suchen.

Europa hat auch ein Schuldenproblem. Griechenland hat den Euro zuletzt stark unter Druck gebracht.

Rogers: Die Europäische Union sollte Griechenland nicht retten. Das Beste für alle wäre, das Land pleitegehen zu lassen.

Wäre ein Griechenland-Bankrott nicht auch das Ende des Euro?

Rogers: Im Gegenteil. Längerfristig würde das die Währung stärken, weil Investoren sähen, dass es Europa ernst meint mit seinen strengen Regeln. Griechenland wird aber vor dem Bankrott gerettet werden. Das wird zwar kurzfristig zu einer Rally des Euro führen. Es wird damit aber längerfristig verdeutlicht, dass die Probleme der Währungsunion nicht gelöst werden können. In 20 Jahren wird es den Euro daher nicht mehr geben.

Bei all Ihrem Pessimismus: In welchen Bereichen sehen Sie noch profitable Investments?

Rogers: Ich weiß nicht, ob sich die Weltwirtschaft verbessert, daher kaufe ich Rohstoffe. Die gehen immer gut. Zwar brachen die Preise 2008 ein. Das lag aber daran, dass Lehman Brothers und die Versicherung AIG pleitegingen. Diese beiden waren große Akteure auf dem Rohstoffmarkt. Deren Bankrott bedeutete nicht, dass der Bullenmarkt bei Rohstoffen vorbei ist. Den gibt es noch immer.


Sie sind skeptisch betreffend die wirtschaftliche Entwicklung, bei Rohstoffen aber optimistisch. Wie passt das zusammen?

Rogers: Rohstoffe profitieren in jedem Fall. Zieht die Wirtschaft an, werden die Rohstoffpreise durch die steigende Nachfrage angetrieben. Erholt sich die Wirtschaft nicht, werden die Regierungen weiterhin wie verrückt Geld drucken. Historisch treibt auch das die Rohstoffpreise an.

 

Sie schwärmen auch über China.

Rogers: China wird die USA als Wirtschaftsmacht bald ablösen. Chinas Hunger nach Rohstoffen ist noch lange nicht gestillt. Am besten kauft man alles, was China in Zukunft noch brauchen wird: Erdgas, Silber, Baumwolle etc.

Kann die Blase des Immobilienmarkts Chinas Wirtschaftswachstum gefährden?

Rogers: Die Immobilienblase betrifft die Städte. Diese Blase wird platzen. Viele Immobilienspekulanten werden bankrottgehen. Chinas Wirtschaft ist aber breit aufgestellt. Das Land investiert Milliarden in Umwelt, Wasser und Landwirtschaft. Vielen Chinesen geht es daher zu gut, als dass Immobilienspekulationen der Wirtschaft gefährlich werden könnten.

In den 80er-Jahren haben Sie den österreichischen Aktienmarkt entdeckt und die Wiener Börse als die beste in Europa bezeichnet. US-Fonds haben daraufhin österreichische Aktien gekauft. Sind Sie noch immer so begeistert?

Rogers: Ich liebe Wien, und ich werde mir hier vielleicht ein Haus kaufen. Aber ich kaufe derzeit keine Aktien. Nirgendwo, auch nicht in Wien.

zur person

Jim Rogers (67) gilt als Legende unter den Finanzjongleuren. Der US-Amerikaner gründete 1970 mit George Soros den berühmten „Quantum Funds“.
In den 80er-Jahren leitete Rogers die Hausse an der Wiener Börse ein. Mit seinen Empfehlungen lockte er zahlreiche andere US-Fonds nach Wien.
Rogers war diese Woche Gast beim Fondskongress, der von „Fonds professionell“ veranstaltet wurde. „Die Presse“ war Kooperationspartner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2010)

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