Griechenland steht vor Unfähigkeit zur Kreditaufnahme

Griechenland stehe nur "einen Schritt" davor, keine Kredite mehr aufnehmen zu können, sagt der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Allein bis Mai sind 20 Milliarden Euro fällig.

Griechenland steht Unfaehigkeit Kreditaufnahme
Griechenland steht Unfaehigkeit Kreditaufnahme
(c) Reuters (John Kolesidis)

Griechenland steht nach den Worten von Ministerpräsident Giorgos Papandreou lediglich "einen Schritt" davor, keine Kredite mehr aufnehmen zu können. Es gebe jedoch große Bemühungen, diese Entwicklung umzukehren, sagte Papandreou am Freitag. Griechenland dürfe nicht für Jahrzehnte Wucherzinsen zahlen und auf diese Weise in eine tiefe Rezession getrieben werden.

Die Regierung in Athen will mit einem harten Sparprogramm die Neuverschuldung von zuletzt 12,7 Prozent in diesem Jahr um vier Prozentpunkte drücken. Um seine Schulden zu finanzieren, muss Griechenland dieses Jahr 53 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen. Allein bis Mai sind 20 Milliarden Euro fällig. Die Anleger verlangen derzeit kräftige Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen.

"Besser wenn sich Zorn gegen IWF richtet"

Indes empfiehlt der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, im Fall Griechenland das Eingreifen des Internationalen Währungsfonds. "Der IWF ist die Instanz, die jetzt gefragt ist", sagte Sinn "Focus Online". Ein Hilfspaket der Europäischen Union lehnte der Ökonom ab. Auch Deutschland habe dem IWF Geld überwiesen, damit er in Schuldenkrisen eingreife. Es sei nicht einzusehen, dass Deutschland doppelt zahle.

Sinn sagte, harte Sparauflagen würden in Griechenland auf Dauer zu Protesten führen. "Es ist besser, wenn sich der Zorn gegen den IWF richtet als gegen uns."

Der IWF solle die Griechen dazu bewegen, auf freiwilliger Basis "temporär" aus der Eurozone auszuscheiden. Einen solchen Ausstieg auf Zeit hält Sinn für die vernünftigste Lösung. Eine neue Drachme, die im Verhältnis eins zu eins zum Euro eingeführt werden solle, könne Griechenland in den kommenden Jahren abwerten und das Defizit im Außenhandel abbauen. "Sobald die Außenhandelsbilanz wieder im Gleichgewicht ist, könnte die Regierung erneut die Aufnahme in die Eurozone beantragen", sagte Sinn.

Ausschluß für Euro-Sünder?

Die deutsche Regierung hält ungeachtet massiver Kritik aus dem europäischen Ausland an Überlegungen fest, Euro-Sünder notfalls aus dem Währungsverbund auszuschließen. "Wir haben nicht den Eindruck, dass die Diskussion zu Ende ist", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag. Er verwies darauf, dass sich bisher noch kein Staats- und Regierungschef der Euro-Partner an der Debatte beteiligt habe.

Zugleich bekräftigte Wilhelm, aktuell stünden keine Entscheidungen für einen möglichen Hilfsplan für Griechenland an. "Wir gehen unverändert davon aus, dass die Konsolidierungsbemühungen (der griechischen Regierung) erfolgreich sind." Die Frage finanzieller Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei offen. Grundsätzlich könne Griechenland wie jedes andere IWF-Land selbst über einen entsprechenden Antrag entscheiden.

(Ag.)

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