Denizbank bekommt einen russischen Eigentümer

Die russische Sberbank kauft auch die Österreich-Tochter, die über 100.000 Kunden betreut. Die Denizbank Austria verfügt über 13 Filialen, setzt aber auch verstärkt auf Internet-Banking.

(c) REUTERS (MURAD SEZER)

Wien/Höll. Die staatliche russische Sberbank übernimmt für 2,8 Mrd. Euro die türkische Denizbank. Die Transaktion hat auch Auswirkungen auf Österreich. Denn die Denizbank hat in Österreich eine Tochter, die Sparprodukte mit attraktiven Zinsen anbietet. In Zinsvergleichen schneidet die Denizbank Austria immer gut ab. Über das österreichische Einlagensicherungssystem sind pro Person bis zu 100.000 Euro abgesichert.

Die Österreich-Tochter mit mehr als 100.000 Kunden ist zuletzt stark gewachsen. Im Vorjahr erhöhte sich die Bilanzsumme um 47 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro. Der Nettogewinn kletterte um 50 Prozent auf 22,6 Mio. Euro. Die Denizbank Austria verfügt über 13 Filialen, setzt aber auch verstärkt auf Internet-Banking. Kunden werden auf Wunsch über Live-Chat und Video-Chat beraten. Die Österreich-Tochter ist auch für das Geschäft in Deutschland zuständig. Für die Kunden soll sich durch die Übernahme nichts ändern. Auch unter dem russischen Eigentümer wird die österreichische Einlagensicherung gelten.

Die Denizbank gehörte bislang der angeschlagenen belgisch-französischen Finanzgruppe Dexia. Diese war im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise in eine Schieflage geraten und musste von Frankreich, Belgien und Luxemburg gerettet werden. Zum Überleben sind Staatsgarantien von 90 Mrd. Euro notwendig.

Im Zuge eines Konzernumbaus werden diverse Auslandstöchter verkauft. Die Dexia war ursprünglich auch an der österreichischen Kommunalkredit beteiligt. Diese geriet ebenfalls in Turbulenzen. Schließlich übernahm der österreichische Staat die Kommunalkredit-Anteile zum symbolischen Preis von einem Euro und schoss Milliarden zu.

 

Russen profitieren von der Krise

Die staatliche russische Sberbank gehört zu den Profiteuren der Finanzkrise. Sie kauft jetzt im großen Stil Finanzkonzerne auf. Weil es keine anderen Interessenten gibt, können die Russen den Preis diktieren. Im Frühjahr übernahm die Sberbank die Wiener „Volksbank International“ (VBI), in der die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) ihr Osteuropageschäft bündelte. Die ÖVAG hatte sich für die VBI ursprünglich einen Preis von einer Mrd. Euro erhofft, doch die Sberbank zahlte nur 505 Mio. Euro. Es ist davon auszugehen, dass die Sberbank nun Teile der Denizbank mit der VBI zusammenlegen wird. Die Russen wollen die Wiener Tochter ohnehin ausbauen. Bis Ende 2012 soll das Geschäftsvolumen der VBI von zehn Mrd. Euro auf 13 Mrd. Euro steigen. Bis 2015/2016 sollen es mindestens 15 Mrd. Euro sein. Dazu wird die Sberbank bei der Wiener Tochter eine Kapitalerhöhung von 300 Mio. Euro durchführen.

In den nächsten zwölf Monaten wird die VBI den Namen ändern. Auch die Filialen werden auf das Sberbank-Logo umgestellt. Aufsichtsratspräsident der VBI ist der frühere Magna-Manager Siegfried Wolf, auch der frühere Bank-Austria-Chef Gerhard Randa arbeitet nun für die Sberbank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2012)

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