Hypo-Insider belastet Kulterer und Striedinger schwer

Ein anonymer Zeuge berichtet über kroatische Gelder, die im Koffer von Klagenfurt nach Liechtenstein geflogen wurden. Bei dem Zeugen soll es sich um Ex-Treasury-Leiter Rauscher handeln.

Hypo-Insider belastet Kulterer und Striedinger schwer
Hypo-Insider belastet Kulterer und Striedinger schwer
Hypo-Insider belastet Kulterer und Striedinger schwer – Ex-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kulterer, sein Ex-Stellvertreter Günter Striedinger (c) APA (Daniel Raunig)

Die Hypo-Affäre wird immer kurioser: Ein anonymer Zeuge erzählt im Fernsehen, dass Gelder nach Liechtenstein verschoben wurden. Der "Kronzeuge" belastete am Freitagabend im ZiB-2-Interview (ORF) die ehemaligen Vorstände der Hypo Alpe Adria Bank, Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, schwer. Er berichtete von "diskreten Geschäften" mit Geldkoffern, Interventionen bei Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Drohungen gegen seine Person, als er die Bank verlassen wollte.

Vorstandschef Kulterer soll, so der Zeuge, der unerkannt bleiben möchte, den Kontakt zum damaligen kroatischen Regierungschef Ivo Sanader von der konservativen HDZ, gepflegt haben. Kulterers Stellvertreter Striedinger habe sich um General Vladimir Zagorec "gekümmert". Gelder aus Kroatien seien mit Learjets nach Klagenfurt geflogen und von dort weiter nach Liechtenstein transferiert worden. Der Zeuge: "Abflug war in Klagenfurt, ohne große Kontrollen, da konnte man mitnehmen, was man wollte. Da war immer ein Vorstand mit dabei und ein Geldkoffer." Striedinger bestritt gegenüber dem ORF die Teilnahme an Geldtransporten.

Schloss als diskrete Filiale

Der Zeuge wusste auch Details über das Schloss Freyenthurn, das die Hypo im Zusammenhang mit einer Firmenpleite "geerbt" hatte, zu berichten. Das Schloss wurde demnach als diskrete Filiale benutzt. "Da hat es im Schloss einen Beratungsschalter gegeben und einen Tresor, bei dem Gelder ausgezahlt worden sind." Die Kunden seien diskret aus Italien und Kroatien angereist.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe wenig Möglichkeiten gehabt, die Geschäfte in Kroatien zu prüfen. Wenn es dennoch einmal Probleme gegeben habe, so der Zeuge, hätte Kulterer seine Netzwerke aktiviert. "Schwerpunktmäßig ist das dann über die Ecke Haider gelaufen, der dann seinerseits seine Netzwerke in Wien genutzt hat." Einmal sei er selbst dabei gewesen, als Kulterer mit Grasser gesprochen habe. Kulterer habe Grasser angerufen und wegen einer Anleihe zur Stärkung des Eigenkapitals interveniert. "Die Sache ist dann im Sinne der Hypo erledigt worden."

Ist Rauscher der neue "Kronzeuge"?

Wie die Zeitungen "Österreich" und "Kleine Zeitung am Sonntag berichetetn, soll es sich bei dem Zeugen um den ehemaligen Treasury-Leiter der Hypo Alpe Adria Bank, Christian Rauscher gehandelt haben. Rauscher leitete von 1999 bis 2005 als Prokurist die Treasury-Abteilung in der Hypo, zur Zeit der damaligen Swap-Affäre der Bank.

Bei "CSI Hypo" zeigte man sich am Wochenende überrascht von den Aussagen, offenbar war Rauscher von den Ermittlern bis dato nicht einvernommen worden.



Hypo-Alpe-Adria

(APA)

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