Niki: Lauda aus dem Rennen

Im Rennen um die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki ist eine Vorentscheidung gefallen: Fix ist, dass Airline-Gründer Lauda ausgeschieden ist. Damit sieht es so aus, dass der spanischen Billigflieger Vueling den Zuschlag erhält.

Niki Lauda wird nicht neuer Niki-Besitzer.
Niki Lauda wird nicht neuer Niki-Besitzer.
Niki Lauda wird nicht neuer Niki-Besitzer. – Reuters (Marcelo del Pozo)

Im Fliegerjargon würde man sagen, die Landeklappen sind schon ausgefahren: Die Entscheidung, wer die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki übernimmt, steht so gut wie fest. Leicht hat es sich der stundenlang  tagende Gläubigerausschuss nicht gemacht: Mit vier Interessenten hat Insolvenzverwalter Lucas Flöther in den vergangenen Tagen intensiv verhandelt.  Bis Donnerstagmittag lautete das Match: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Airline-Gründer Niki Lauda und der britischen IAG-Holding, zu der British Airways, Iberia und auch der spanische Billigflieger Vueling gehören. Am frühen Nachmittag kam dann der Paukenschlag: "Ich bin nicht mehr im Rennen", sagte Lauda zur "Presse".

Damit galt es als so gut wie fix, dass Vueling den Zuschlag erhält. Für sie wären die vielen Start- und Landerechte (Slots) von Niki in Spanien und vor allem auf Mallorca ein Volltreffer. Eine offizielle Bestätigung durch Flöther stand noch aus, er teilte aber mit, dass exklusiv nur mit einem Bieter weiterverhandelt werde. In den nächsten Tagen solle der endgültige Kaufvertrag stehen. Insider gehen davon aus, dass dies schon am Freitag der Fall sein werde. Im Gespräch sei eine Kaufsumme von 40 Mio. Euro, berichtet die "Bild am Sonntag". 

"Ich hatte den Plan, Niki in Österreich zu halten, die Jobs zu sichern und die Airline wieder aufzubauen", sagte Lauda in einem ersten Statement der "Presse". ''Ein Verkauf ins Ausland, wie er sich nun abzeichnet, bedeute eine Zerschlagung. "Das ist ein Trauerspiel". Etwas mehr als 18 Mio. Euro hat Lauda nach eigenen Angaben geboten, sagte er dem "Standard" (Online-Ausgabe).

Der neue Eigentümer muss sofort viel Geld in die Hand nehmen, weshalb Flöther von den Interessenten auch eine entsprechende Finanzierungsgarantie verlangte. Denn Faktum ist, dass der neue Eigentümer schon ab Jänner die Gehälter der rund 1000 Niki-Mitarbeiter zahlen muss und natürlich auch den Flugbetrieb finanzieren. Den hat zuletzt die Lufthansa - die ja bekanntlich auf EU-Druck von der Übernahme von Niki absah, um zumindest Teile der Air Berlin zu bekommen, mit rund 40 Mio. Euro pro Monat aufrecht gehalten.

Faktum ist auch, dass eine Übernahme durch Vueling eine Vielzahl rechtlicher Fragen aufwirft. Wollen die Spanier Niki von Österreich aus betreiben, müssen sie voraussichtlich hierzulande um eine Fluglizenz (AOC) ansuchen. Die Genehmigung dauert normalerweise rund vier Monate. Die von Niki erlöscht am 3. Jänner.  

Dezembergehälter gesichert

Für die rund 790 Beschäftigten in Österreich gibt es zumindest einen Lichtblick: "Alle rund 790 österreichischen Mitarbeiter der Niki Luftfahrt GmbH erhalten voraussichtlich bis Jahresende ihre Löhne und Gehälter für den Monat Dezember", teilte Flöther mit. Als Niki am 13. Dezember Insolvenz beantragt hat, blieb offen, wie die Löhne und Gehälter der österreichischen Arbeitnehmer finanziert werden können. Weil Niki zu einem deutschen Konzern (Air Berlin) gehört, wurde der Insolvenzantrag in Deutschland gestellt. Dadurch waren zwar die Entgelte der rund 200 deutschen Beschäftigten über das deutsche Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Die österreichischen Arbeitnehmer hatten jedoch keinen Anspruch auf Zahlungen aus dem österreichischen Insolvenz-Entgeltfonds.

Flöther hat seinen Angaben zufolge eine rechtlich einwandfreie Lösung gefunden, die österreichischen Niki-Mitarbeiter im Monat Dezember aus der Insolvenzmasse des Unternehmens zu bezahlen.Für die deutschen Arbeitnehmer habe man eine Insolvenzgeldvorfinanzierung erreicht, diese Beschäftigten hätten ihr Insolvenzgeld für Dezember schon erhalten.

Der Erhalt möglichst vieler Jobs in Österreich und Deutschland sei eine der zentralen Fragen im laufenden Investorenprozess, betonte Flöther.

Wieviel ein Käufer auf den Tisch blättern muss, ist - abgesehen von den laufenden Kosten danach - offen. Niki besitzt keine Flugzeuge. Wertvoll sind vor allem die Start- und Landrechte (Slots).

Keine Bankschulden mehr

Niki hat laut der im Firmenbuch hinterlegten G+V im Geschäftsjahr 2016 bei einem Umsatz von 382,5 Mio. Euro einen Nettogewinn von 6,6 Mio. Euro erzielt. Ein Blick in die Bilanz zeigt, dass technische Anlagen und Maschinen (dahinter stehen die Flugzeuge), die 2015 noch mit 47,7 Mio. Euro in den Büchern standen, mit Null bewertet sind. Die Flugzeuge wurden verkauft bzw. verleast und damit offenbar die Bankverbindlichkeiten getilgt, die 2015 noch bei 34,1 Mio. Euro lagen und 2016 mit Null angegeben wurden.

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