Wienwert sorgt für Millionenpleite

Die in der Kritik stehende Immo-Gesellschaft ist insolvent. Mehreren tausend Anlegern droht ein Totalverlust. Wienwert hatte Kontakte zur SPÖ Wien. Das sorgt nun für Aufregung.

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Wienwerrt ist insolvent – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien. Das schon lange im Visier von Justiz und Finanzmarktaufsicht stehende Immobilienunternehmen Wienwert Holding sorgt für die erste Großinsolvenz in diesem Jahr. Eine Pleite, die nicht nur tausende Anleihegläubiger um insgesamt rund 40 Mio. Euro bringen dürfte, sondern auch politische Implikationen hat. Denn das Unternehmen, das wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung ein Insolvenzverfahren angekündigt hat, verfügte in der Vergangenheit über Kontakte zur SPÖ-dominierten Stadt Wien.

Die Holding hat schon in der Bilanz für 2016 ein negatives Eigenkapital von 28,7 Mio. Euro ausgewiesen. Der unmittelbare Anlass für den Gang zum Insolvenzgericht ist jedoch, dass eine am 20. Dezember fällige Anleihe nicht nicht mehr bedient werden konnte, weil die Refinanzierung nicht gelungen ist. Der nächste Bond im Volumen von zwei Mio. Euro wäre am 1. März fällig.

Nur die Banken sind sicher

Für Kritiker von Wienwert kommt die Insolvenz nicht überraschend. „Derartige Geschäftsmodelle besitzen in der Regel einen ,Lebenszyklus‘ von rund sieben Jahren“, sagt Manfred Biegler vom Anlegerverein Cobin Claims, bei dem sich geschädigte Gläubiger nun melden können. So habe bei Wienwert die Holding als „leere Gesellschaftshülle“ die Anleihen begeben und diese unbesichert an ihre Töchter weitergegeben. Mit diesem Geld wurde der Eigenkapitalanteil bei Immobilienfinanzierungen dargestellt. „Nicht selten werden hier indirekt Immobilieninvestments zu 100 Prozent fremdfinanziert.“ Besichert seien aber nur die Banken, die Anleihegläubiger nicht. Biegler rechnet mit bis zu 2.500 geschädigten Kleinanlegern , die auch mit einem Totalverlust rechnen müssen. Die Finanzmarktaufsicht betreffend meint Biegler, diese sei früher gefordert gewesen einzuschreiten.

Zudem hat die Holding auch hohe Haftungen übernommen. „Kommt es zu einer Insolvenz, ist für die Anleihegläubiger dann ein Totalausfall relativ wahrscheinlich“, sagt Biegler. Diese Vorgangsweise sei zwar nicht verboten, die Anleihezeichner würden jedoch das volle Risiko eines Gesellschafters tragen, ohne es zu wissen.

Darüber hinaus gibt es Vorwürfe, dass sich das Management aus den Mitteln der Gesellschaft unrechtmäßig bereichert habe. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt aufgrund mehrerer Anzeigen bereits seit knapp zwei Jahren gegen die Gründer und Eigentümer Nikos Bakirzoglu, Wolfgang Sedelmayer und Stefan Gruze. Die beiden ersteren sind Mitte Dezember aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Gruze ist nach wie vor in Personalunion Vorstand der WW Holding und der Tochter Wienwert AG.

Es geht um den Verdacht der Untreue und Bilanzfälschung. So sollen Sedelmayer und Bakirzoglu über den Verkauf der Markenrechte an die WW Holding 3,12 Mio. Euro aus dem Unternehmen abgezogen haben. Zu einem Zeitpunkt, als sie selbst auch im Aufsichtsrat des Unternehmens saßen. Von den Betroffenen, für die die Unschuldsvermutung gilt, wurden alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat das Unternehmen seit längerem im Visier. „Die erste Verwaltungsstrafe haben wir bereits 2011 verhängt“, sagt FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller zur „Presse“. Die jüngste gab es im vorigen Sommer. Gruze wurde mit einer Strafe von 85.000 Euro belegt. Sie ist nicht rechtskräftig, das Bundesverwaltungsgericht ist am Zug. Es geht dabei immer um irreführende Werbung im Zusammenhang mit der Begebung von Anleihen sowie die zu positive Darstellung des Unternehmens. Konkret hat Wienwert behauptet, 95 Prozent Eigenkapitalausstattung zu haben. Ein Großteil davon waren jedoch die Markenrechte.

Ex-Gemeinderäte im Beirat

Die Pleite wirbelt aber auch viel politischen Staub auf – und das just vor der Kampfabstimmung in der Wiener SPÖ um die Nachfolge von Michael Häupl als Bürgermeister. So hat Wienwert stark den Kontakt zur SPÖ gesucht, und das durchaus erfolgreich. Im inzwischen wieder aufgelösten Firmenbeirat saßen mit Alois Mayer und Godwin Schuster zwei ehemalige SPÖ-Gemeinderäte sowie mit Peter Korecky der frühere Vize-Chef der Gewerkschaft öffentlicher Dienst. Letzterer ist zudem Aufsichtsrat der Bundespensionskasse. Diese hat über ihren „Wohnen Plus Fonds“ im Sommer des Vorjahres den Ankauf von zwei Grundstücken der Wienwert mitfinanziert.

Als dies bekannt wurde, stellten sowohl die Wiener Neos als auch die ÖVP Wien Anfragen an Bürgermeister Häupl, inwieweit es Verknüpfungen zwischen Wienwert und der Gemeinde Wien gäbe. Daraufhin hat der – nun zur Wahl stehende – Wohnungsstadtrat Michael Ludwig jegliche Geschäftsbeziehung von „Wiener Wohnen“ und der ihm unterstellten Liegenschaftsverwaltung der Stadt Wien mit Wienwert verneint. Auf die Besetzung des Beirates sei von der Stadt Wien kein Einfluss genommen worden, sagte Häupl.

("Die Presse", Printausgabe vom 19.01.2018)

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