Welser Profile kauft sich ein neues Standbein in den USA

Das niederösterreichische Familienunternehmen Welser Profile hat ein Rekordjahr hinter sich und ein nächstes vor sich. Zur "Familie" gehören neuerdings 300 Mitarbeiter einer zugekauften Firma im US-Bundesstaat Ohio.

Der niederösterreichische Metallverarbeiter Welser Profile hat das US-Unternehmen Superior Roll Forming erworben. Damit verfügt der Familienbetrieb künftig über eine vierte Produktionsstätte, die erste außerhalb Europas. Nachdem 2017 erstmals die Marke von einer halben Milliarde Euro Umsatz geknackt wurde, wird für 2018 erneut ein Rekordjahr erwartet, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag.

Am 1. Juni sei das Closing erfolgt, seit vergangenen Freitag sei Superior Roll Forming mit Sitz im US-Bundesstaat Ohio "Mitglied der Welser-Familie", sagte Geschäftsführer Thomas Welser bei der Pressekonferenz in Gresten (Bezirk Scheibbs). Es handle sich ebenfalls um ein Familienunternehmen. Alle rund 300 Arbeitskräfte sollen übernommen werden, auch die Vorbesitzer werden weiterhin im Betrieb bleiben. Superior Roll Forming machte zuletzt rund 70 Millionen US-Dollar (rund 60 Millionen Euro) Jahresumsatz, der neue Eigentümer erwartet in Zukunft ähnliche Umsatzzahlen. Superior Roll Forming sei mit einem positiven Ergebnis übernommen worden, hieß es. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben.

Superior Roll Forming liefert vor allem Profile aus hochfestem Stahl für die Automobilindustrie in Nordamerika, Mexiko, aber auch China. Ausschlaggebend für die Übernahme sei neben den Potentialkunden auch die Expansion vieler europäischer Kunden in die USA. Mit dem neuen Standort erhofft sich der Spezialprofile-Hersteller nicht nur einen logistischen Vorteil am nordamerikanischen Markt, sondern auch eine Verbreiterung des Kundenstocks durch eine Diversifizierung des Produktportfolios. Superior Roll Forming sei im Wesentlichen ein Automobilzulieferer, die Automobilindustrie macht derzeit laut Thomas Welser nur sechs bis sieben Prozent des Umsatzes von Welser Profile aus.

Zu US-Strafzöllen auf Stahl hielt Welser fest, diese "waren nicht maßgeblich für diese Entscheidung", es handle sich um eine langfristige Investition. Das Werk in den USA ist neben Gresten und Ybbsitz in Niederösterreich sowie Bönen in Deutschland der vierte Produktionsstandort von Welser Profile.

 

"Sehr gute Auftragslage"

Das Unternehmen mit Sitz im Mostviertel setzte im Vorjahr 550 Millionen Euro um, ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zu 2016. Mit Blick auf die ersten Monate des Jahres 2018 sagte CFO Nicolas Longin, heuer werde es wieder ein Rekordjahr geben. Prognostiziert werden im Jahresvergleich zehn Prozent Umsatzsteigerung, davon jeweils die Hälfte durch organisches Wachstum und durch die Akquisition. Ergebniszahlen gibt das Unternehmen keine bekannt. "Die Margen stehen ständig unter Druck", sagte Longin mit Hinweis auf Kostensteigerungen.

40 Millionen Euro an Investitionen plant Welser Profile laut Christian Hansl, Geschäftsführer für Produktion und Technik, für dieses Jahr. Davon sei ein Drittel Ersatzinvestitionen, je ein Drittel wird für Wachstum und Optimierung bzw. für Infrastruktur, Gebäude und IT verwendet. Im Vorjahr wurden 35 Millionen Euro investiert. 2019 soll ein neues Ausbildungszentrum in Gresten fertiggestellt werden.

Das Familienunternehmen beschäftigt nach der Übernahme nun rund 2.400 Mitarbeiter, davon 1.200 in Österreich. Thomas Welser berichtete am Montag von einer "sehr guten Auftragslage, wir sehen aktuell auch noch kein Ende". Neben den vier Produktionsstätten verfügt das Familienunternehmen in elfter Generation über zwölf Verkaufs- und Logistikstandorte. Das Verkaufsbüro in Chicago wurde zugunsten der neuen Produktion aufgelassen.

(APA)

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