René Benko kauft Kika/Leiner

Aufatmen nach dem Verhandlungsmarathon: Der Tiroler Immobilieninvestor René Benko steigt bei Kika/Leiner ein. Damit ist die Großinsolvenz der Möbelkette vorerst abgewendet.

Kika/Leiner könnte vor Insolvenz stehen.
Kika/Leiner könnte vor Insolvenz stehen.
Kika/Leiner könnte vor Insolvenz stehen. – APA/HELMUT FOHRINGER

Wien. Der Tiroler Immobilientycoon René Benko stellte Kika/Leiner ein Ultimatum – und gewann. Wenige Stunden, nachdem er der angeschlagenen Möbelkette 450 Mio. Euro für ihre Immobilien – und einen symbolischen Euro für das operative Geschäft geboten hatte – stand eine Einigung. Das erfuhr „Die Presse“ am Donnerstagabend aus Verhandlerkreisen. Wenig später folgte auch eine erste schriftliche Reaktion. "Mit großer Freude", so Gunnar George, Geschäftsführer von kika/Leiner, "können wir bekannt geben, dass das von der Signa Gruppe gelegte Angebot von der Steinhoff Gruppe angenommen und in den nächsten Tagen alle Verträge abgestimmt und fixiert werden."

Zwischen dem Ultimatum um 13 Uhr und dem Ende der Verhandlungen lagen sechs Stunden zähes Feilschen. Noch am Abend war ungewiss gewesen, wie die Zukunft der zweitgrößten österreichischen Möbelkette mit ihren 5000 Mitarbeitern aussehen wird. Jetzt können Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten aufatmen – die Insolvenz, die im Fall des Scheiterns der Verhandlung ins Haus stand, ist fürs Erste abgewandt.

Der Auftritt René Benkos war ein Knall im Verhandlungsmarathon, der sich seit Anfang vergangener Woche hinter geschlossenen Türen abspielte. Auslöser der aktuellen Krise bei Kika/Leiner war der abrupte Rückzug des größten internationalen Kreditversicherers, Euler Hermes, gewesen. Kika/Leiner-Chef Gunnar George suchte daraufhin nach einer „österreichischen Lösung“. Doch bald wurde klar: Hier geht es nicht mehr darum, auf nationaler Ebene einen Nachfolger für den Kreditversicherer zu finden, der die Lieferanten gegen etwaige Forderungsausfälle absichert.

Kika/Leiner: Ein Traditionshaus in Nöten

Die Frage lautete bereits: Notverkauf oder Insolvenz? Gläubiger, potenzielle Käufer, Banken und das eigens nach Wien eingeflogene Management des südafrikanischen Mutterkonzerns Steinhoff verhandelten Tag und Nacht. Der Datenraum war – wie „Die Presse“ erfuhr – bereits seit mehreren Tagen geöffnet, damit Interessenten die Firmenbücher prüfen konnten.

Gunnar George hatte sich seine „österreichische Lösung“ wohl anders vorgestellt. Er wollte mit frischem Geld beenden, was er begonnen hatte: die im Dezember im Zuge des Bilanzskandals bei Steinhoff in Turbulenzen geratene Kika/Leiner-Gruppe mit einem Sparprogramm und einer Geldspritze wieder auf die richtige Bahn bringen. An René Benko hatte er zum Jahreswechsel in einer Notaktion bereits den Leiner-Flagshipstore auf der Mariahilfer Straße für kolportierte 50 bis 70 Mio. Euro abgegeben. Mit dem Erlös wurden die fälligen Weihnachtsgehälter bezahlt. Sonst wäre bereits damals die Insolvenz im Raum gestanden.

Jetzt, da Ende des Monats doppelte Sommergehälter anstehen, orteten viele Beobachter eine Rückkehr der Krise. Aber in Georges Szenario war der Tiroler Investor nicht ein weiteres Mal als Retter vorgesehen gewesen. „Nehmen Sie einen denkmalgeschützten Möbelladen in Bruck an der Mur. Den will Benko mir eher nicht abkaufen“, verwarf er diese Option im Interview mit der „Presse“.

„Ein logischer Schritt“ nach Österreich

Nun, wo sich alle Verhandlungsseiten – und vor allem die Gläubiger, an deren Okay der Deal laut Insidern am Ende hing – einigten, behält George nicht recht. Wie es aussieht, gehen die 46 österreichischen und weitere 23 osteuropäische Filialen an Benko. „Benko hat bereits unter Beweis gestellt, dass er Handelsketten führen kann“, sagt Branchenexperte Andreas Kreutzer. 2014 kaufte der Tiroler – damals ebenfalls für einen symbolischen Euro – die strauchelnde deutsche Warenhauskette Karstadt.

Das Geschäft läuft dort heute, nach einem rigiden Sparkurs und Stellenstreichungen, besser als beim großen Rivalen Kaufhof. Dass Benko nun die Gelegenheit ergreifen und mit einem Schlag groß in den österreichischen Möbelhandel einsteigen will, sei ein „logischer nächster Schritt“. Zwei Fragen blieben aber auch nach dem geglückten Deal offen: Wie viele Filialen wird Benko am Ende des Tages behalten – und wie viele Mitarbeiter? Und braucht er wirklich die beiden Marken Kika und Leiner, deren Zusammenlegung die Kunden nachhaltig irritierte?

Die Befürchtungen vieler heimischer Möbelhersteller und Händler entpuppen sich nach dieser Wendung jedenfalls als unbegründet. Sie äußerten bereits Angst vor einem neuen Monopol, nachdem sich der größte Mitbewerber, die Welser Lutz-Gruppe, vergangene Woche als potenzieller Retter von Kika/Leiner in Stellung gebracht hatte. Die Wettbewerbshüter hatten der Übernahme unter Auflagen das Ok gegeben. Jetzt sind die Karten neu gemischt. Aber mit einer Analyse dürfte Kreutzer recht behalten: „Benko wäre für XXXLutz ein spannender, herausfordernder Konkurrent.“

 

Zur Person

René Benkos Angebot, den zweitgrößten österreichischen Möbelhändler Kika/Leiner für 450 Mio. (und einen symbolischen) Euro zu übernehmen, kam als Knall im Verhandlungsmarathon rund um die Rettung der Kette. Aber er gewann den Poker: Nach zähen Verhandlungen bis in den späten Donnerstagabend einigte er sich mit Kika/Leiner. Damit ist die Insolvenz, die im Fall des Scheiterns der Verhandlungen im Raum stand, vorerst abgewendet. Die 5000 österreichischen Mitarbeiter können aufatmen.

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