Benko krempelt Leiner-Chefetage um

Der Tiroler Investor René Benko lässt nicht viel Zeit verstreichen: Einen Monat nach dem Kauf von Kika/Leiner tauscht er mehrere Vorstände und Aufsichtsräte aus.

A traffic sign is seen in front of a Kika/Leiner store in Vienna
A traffic sign is seen in front of a Kika/Leiner store in Vienna
REUTERS

Der neue Kika/Leiner-Eigentümer René Benko beginnt mit dem Umbau des zweitgrößten Möbelhändlers des Landes. Mit sofortiger Wirkung wurde der Finanzvorstand Reto Camen beurlaubt. Er war von der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe eingesetzt worden. Ihm folgte nun Darius Kauthe. Der 50-Jährige Kauthe wird umgehend tätig und als neuer Geschäftsführer bei Kika/Leiner für die Finanzen zuständig sein. Kauthe hat sich sowohl im Finanzsektor als auch im Handel einen Namen gemacht. Er arbeitete für die Sparkassen-Gruppe, später unter anderem im Management des Textildiskonters Kik. Damit kappt Signa einige essentielle Drähte zum früheren Eigentümer Steinhoff.

Der zweite Streich folgte ebenfalls gestern, Mittwoch: Auch der Aufsichtsrat wird völlig umgekrempelt. Mit Wolfram Keil und Christoph Stadlhuber gehen zwei Signa-Topmanager ins Aufsichtsgremium von Kika/Leiner. Als dritten Aufsichtsrat entsendet der Signa-Konzern Michael Hürter. Hürter war einst Chef bei Baumax und gilt als ausgesprochener Handelsprofi und Sanierer.

Der Retter wird zum Aufseher

Zuletzt war Hürter bei Euro Delkredere als geschäftsführender Gesellschafter tätig. Detail am Rande: In dieser Funktion half er Benkos Signa, für die angeschlagene Kika/Leiner-Gruppe einen neuen Kreditversicherer an Bord zu holen.

Bekanntlich hatte ja die Weigerung des vorangegangenen Kreditversicherers Euler Hermes, weiterhin Haftungen für die Geschäfte des Möbelkonzerns zu übernehmen, zu einer schweren Krise – und letztendlich zum Notverkauf an René Benko geführt. Mitte Juni konnte seine Signa-Gruppe nach einem langen Verhandlungsmarathon knapp die Großinsolvenz der Kette mit gut 5000 österreichischen Mitarbeitern abwenden: Der rund 600 Mio. Euro schwere Verkauf der 46 österreichischen und 23 osteuropäischen Filialen ging trotz Querschüssen von Gläubigern durch. Vergangene Woche gaben auch die österreichischen Wettbewerbshüter grünes Licht.

Signa verkündete am Mittwoch auch, dass weitere zentrale Positionen im Kika/Leiner-Management neu besetzt werden. Unter anderem wurde mit Thomas Nachtweih ein neuer Logistik-Chef an Bord geholt. Nachtweih arbeitete für Baumax und zuletzt für Mömax, die Diskont-Tochter der konkurrenzierenden Lutz-Gruppe aus Wels.

Und was wird aus Gunnar George? Der Kika/Leiner-Chef blieb nach Bekanntwerden des Verkaufs an Benko vage, was seine eigene Zukunft unter dem neuen Eigentümer betrifft. Georges Vertrag liefe noch bis Jahresende. „Man wird mit dem zukünftigen Eigentümer eine Lösung finden“, sagte er zur „Presse“. Und betonte: „Ich habe dafür gekämpft, dass 5000 Arbeitsplätze in Österreich erhalten bleiben, und bin nicht gegangen.“
[OMMBQ]

(gh)

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