Rene Benko am Ziel: Erzrivalen Kaufhof und Karstadt fusionieren

Dem Tiroler Immo-Investor Rene Benko gelingt sein lange angestrebter Deal. Die beiden großen deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Die Verträge über die Fusion wurden bereits unterzeichnet.

Die Erzrivalen Kaufhof udn Karstadt schließen sich zusammen
Die Erzrivalen Kaufhof udn Karstadt schließen sich zusammen
Die Erzrivalen Kaufhof udn Karstadt schließen sich zusammen – REUTERS

Die Warenhausketten Kaufhof und Karstadt wollen ihre Zukunft im harten Wettbewerb mit der Online-Konkurrenz mit einer Fusion sichern. Die Eigentümer der traditionsreichen Einzelhändler - der nordamerikanische Handelsriese HBC und die österreichische Investmentgesellschaft Signa von Karstadt-Eigner Rene Benko - brachten am Dienstag ein Gemeinschaftsunternehmen mit 32.000 Beschäftigten auf den Weg. Das sei die "ideale Lösung", um sich im stark umkämpften Markt erfolgreich zu positionieren, erklärte Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der auch das Gemeinschaftsunternehmen führen soll. Karstadt-Eigner Signa hält mit 50,01 Prozent eine knappe Mehrheit am operativen Geschäft der neuen Holding, HBC die restlichen Anteile. Signa erwirbt zudem 50 Prozent des milliardenschweren europäischen Immobilienbestands von HBC. Details zu Sparplänen oder dem befürchteten Abbau tausender Stellen wurden nicht genannt.

Die Nordamerikaner hatten Kaufhof eigentlich als Sprungbrett für eine breit angelegte Expansion in Europa nutzen wollen. Doch der Plan schlug fehl, Kaufhof leidet unter schrumpfenden Umsätzen und Verlusten. Immerhin habe sich die Bewertung der Warenhaus-Immobilien unter ihrer Führung deutlich verbessert, hob HBC hervor. Die Fusion schaffe die Voraussetzungen, "die Herausforderungen im deutschen Einzelhandel zu meistern", sagte HBC-Chefin Helena Foulkes.

 

Deutlich hinter Amazon

"Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit, großen betrieblichen Herausforderungen und fordernden Marktveränderungen geprägt ist", kündigte Fanderl an. Die Fusion umfasst auch die HBC-Warenhäuser in den Niederlanden sowie Karstadt Sports und den gesamte Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen. Auch eine Reihe von Internet-Plattformen wie Karstadt.de und Kaufhof.de gehen mit in die Warenhaus-Ehe. Sie alle sollen in einer Holding zusammengefasst werden. Die Marken Kaufhof und Karstadt bleiben erst einmal bestehen. Die Kartellbehörden müssen der Warenhaus-Ehe zudem noch zustimmen. Das Bundeskartellamt hatte bereits angekündigt, die Pläne untersuchen zu wollen.

Die nun zusammengeführten Geschäfte erzielten HBC zufolge 2017 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Online-Markführer in der Bundesrepublik, Amazon.de, fuhr nach Zahlen des Kölner EHI-Instituts und von Statista im vergangenen Jahr einen Retail-Umsatz von 8,8 Milliarden Euro ein.

Beide Seiten versprechen sich von der "Fusion unter Gleichen" der einst erbitterten Konkurrenten auch Einsparungen. In der Kaufhof-Belegschaft geht bereits die Angst vor einem massiven Stellenabbau um. Details zu Sparplänen nannten HBC und Signa aber noch nicht. Die Fusion biete die Möglichkeit "effizienterer Prozesse", hieß es lediglich. Einsparungen seien bei den Zentralen - für ein Gemeinschaftsunternehmen brauche es nicht zwei Hauptsitze in Essen und Köln - sowie in der Logistik und beim Einkauf geplant, hatten Insider aber bereits berichtet.

Die Gewerkschaft Verdi forderte, die beiden Warenhaus-Gruppen dürften nicht verschmolzen werden. "Beide Warenhäuser haben ihren Platz in Deutschland", sagte Stefanie Nutzenberger, im Verdi-Bundesvorstand für den Handel zuständig. "Wenn das Konzept stimmt, können Doppelstandorte sogar eine Stärke sein." Sinn der Transaktion dürfe es nicht sein, "mit Innenstadt-Immobilien in bester Lage einmal mehr Kasse zu machen". HBC und Singa müssten nun mit den Arbeitnehmern ein tragfähiges Zukunftskonzept entwickeln.

 

Neue HBC-Chefin räumt auf

HBC hatte Kaufhof im Oktober 2015 übernommen. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern in Deutschland kam nicht in Schwung. Viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe lieber bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Zudem verunsicherten zahlreiche Management- und Strategie-Wechsel die Kaufhof-Belegschaft. Die Nordamerikaner hatten den deutschen Markt mit seinem erbitterten Wettbewerb offensichtlich lange unterschätzt und zu spät einen Umbau eingeleitet. HBC hatte trotz der Verluste eisern an Kaufhof festgehalten - bis Helena Foulkes Anfang des Jahres an die Spitze des Konzerns rückte. Sie räumte unter den Beteiligungen auf. Nun geht sie ein Bündnis mit Benko ein.

Für Einsparungen sind zunächst Gespräche mit den Arbeitnehmern nötig. Bei Karstadt gilt seit Dezember 2016 ein Zukunftstarifvertrag, der regelt, dass die Beschäftigten zeitweise auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgeldes sowie Tariferhöhungen verzichten. Spätestens ab April 2021 soll Karstadt wieder unter den Flächentarifvertrag fallen. Bei Galeria Kaufhof greift dagegen der Flächentarifvertrag für den Einzelhandel. Das Management der angeschlagenen Kette dringt aber auf einen Sanierungstarifvertrag. Entsprechende Gespräche standen im Sommer kurz vor dem Abschluss - dann waren sie aber wegen der Verhandlungen über eine Fusion auf Eis gelegt worden. Nun könnten sie wieder auf die Tagesordnung kommen.

 

Benko oft abgeblitzt

Die Idee einer deutschen Warenhaus AG ist nicht neu: Der österreichische Immobilienunternehmer Benko, dem Signa gehört, hat schon mehrfach vergeblich versucht, Kaufhof zu übernehmen. HBC hatte seine Offerten in der Vergangenheit abgeschmettert - zuletzt im vergangenen Februar. Die damals von Benko gebotenen rund drei Milliarden Euro lägen deutlich unter dem Wert von Kaufhof und der damit verbundenen Immobilien-Werte, hatte HBC erklärt. Nun hat sich die Lage aber geändert - Kaufhof leidet unter laufenden Verlusten und auch HBC steht in seinem nordamerikanischen Heimatmarkt unter Druck.

HBC hatte Kaufhof im Oktober 2015 übernommen. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern und rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland kommt seitdem nicht in Schwung. Viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe lieber bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Aber auch zahlreiche Management-Wechsel verunsicherten nach der Übernahme die Kaufhof-Belegschaft. Um die Akquisition zu finanzieren, hatte HBC damals 41 Warenhaus-Immobilien in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Investor Simon Property eingebracht. An den Immobilien hatte Benko auch immer wieder Interesse gezeigt .

Benko hatte Karstadt nach der Übernahme 2014 mit Hilfe des Handelsexperten Stephan Fanderl saniert. Fanderl setzte zunächst den Rotstift an, lichtete den Markendschungel im Sortiment und verordnete Karstadt eine verstärkte lokale Ausrichtung der Warenhäuser. Zudem holte er Partner in die knapp 80 Warenhäuser und kurbelte das Online-Geschäft an. Darüber hinaus hat die Kette einen Sanierungstarifvertrag mit Abstrichen für die Belegschaft mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen - sie hat also Kostenvorteile gegenüber der größeren Konkurrenz. Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte Karstadt bei einem leichten Umsatzrückgang einen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen (Vorjahr: Minus 7,5 Millionen) Euro, im laufenden Jahr soll es ein "ausgeglichenes" Ergebnis werden.

(Reuters)

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